Full text: Sprachenpolitik in Grenzregionen

Alicja Nagôrko 
Polen in Deutschland im Licht der Sprache 
1. Das Thema meines Vortrags (oder eher eines bescheidenen Berichtes) weicht 
auf den ersten Blick von der Thematik des Symposiums ab: „Sprachenpolitik in 
Grenzregionen“. Besonders schwierig wäre es, die Themenwahl vom Stand¬ 
punkt des zweiten Gliedes aus („Grenzregionen“) zu begründen. Es geht zwar 
nicht um eine grenznahe, aber doch um eine grenzüberschreitende Problematik 
der „Sprachen in Kontakt“, die nicht ohne Bedeutung für die Sprachenpolitik 
und die aktuelle politische Diskussion über Ausländerrechte in Deutschland sein 
kann. 
Das Polentum im Nachbarland Deutschland hat als seine Parallele das Deutsch¬ 
tum in Polen, welches auch durch peripher gelegene und kompakte Ansied¬ 
lungsgebiete die Bedingungen für eine Grenzbevölkerung besser erfüllt. Mein 
Kollege Marek Laziriski hat deshalb ein meinen Bericht ergänzendes Referat 
„Sprachenpolitik gegenüber der deutschen Minderheit in Polen“ vorbereitet, 
welches noch vorgetragen wird. 
Inwieweit die beiden Themen übereinstimmen (oder nicht), ist schon äußerlich 
erkennbar an der Themenformulierung: im vorliegenden Referat ist die poli¬ 
tisch negativ konnotierte Bezeichnung „Minderheit“ gegenüber den Polen in 
Deutschland vermieden . 
In der Brockhaus-Enzyklopädie (5. Band, Stichwort: Deutschland - Bevölke¬ 
rung ) findet man zu dieser Bevölkerungsgruppe eine Bemerkung, die sich al¬ 
lerdings auf die Situation vor dem zweiten Weltkrieg bezieht: „geringe Min¬ 
derheiten bildeten Polen, Dänen und Sorben“ im ethnisch fast einheitlichen III. 
Reich. 
Die Grenzverschiebung nach Westen nach dem zweiten Weltkrieg hat wohl eine 
neue völkerrechtliche Lage für Polen geschaffen, obwohl es, wenn man auf der 
politischen Ebene bleibt, schwierig ist, den Verdacht loszuwerden, daß deutsche 
Politiker unter double thinking leiden: einen Beweis liefert die Beziehung zu 
den Deutschen in den gegenwärtigen Grenzen Polens, die eine doppelte Staats¬ 
bürgerschaft besitzen: eine Situation, von der die Immigranten in Deutschland 
nur träumen können. 
305
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.