Title:
Grenzen und Grenzregionen
Creator:
Haubrichs, Wolfgang
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-108918
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-109920
1. die (nur in historischer Zeit eine Sprachgrenze bildende) Salzburger Roma¬ 
nia; 
2. die deutsch-romanischen Sprachgrenzen in der Schweiz; 
3. die gegenwärtigen wie vergangenen Sprachgrenzen im Moselraum Lothrin¬ 
gens, Luxemburgs, des Saarlandes und des Trierer Landes. 
L Die Salzburger Romania 
Den Darstellungen Herbert Kleins* 10 11, Franz Hörburgers11 und vor allem den neue¬ 
ren, die bisherige Forschung kritisch zusammenfassenden und weiterführenden 
Arbeiten des Salzburger Germanisten Ingo ReifFenstein12 folgend, darf man damit 
rechnen, daß die bairisch-germanische Einwanderung im 6. und 7. Jahrhundert 
den von Romanen in mehr oder minder starker Konzentration besiedelten Salzbur¬ 
ger Raum erreichte und sich damit eine Sprachgrenzsituation ausbildete. Eine nä¬ 
here chronologische Situierung dieses Prozesses ist dabei weniger von der Sprach¬ 
geschichte als von der Archäologie zu erhoffen. 
Eine der zentralen Quellen der Sprachgeschichte zur Verortung von ehemaligen 
Sprachgrenzstücken sind die Ortsnamen: Siedlungsnamen, Gewässernamen oder 
(manchmal) Flurnamen. Haben etwa in heute germanisch- bzw. deutschsprachi¬ 
gem Gebiet vorgermanische Namen überlebt, so darf (unter Einhaltung gewisser 
methodischer Vorsichtsmaßregeln) auf eine mehr oder minder langandauemde 
Kontinuität der Vorbevölkerung, hier der romanischen Vorbevölkerung geschlos¬ 
sen werden. Dieses Nebeneinander führte zu einer allmählichen und zumeist suk¬ 
zessiven Integration der fremden Namen in das schließlich dominierende Sprach¬ 
system. Ausdruck dieser Kontinuitätssituation ist für das Salzburger Land Karte 1, 
welche die Lage von vorgermanischen und deutschen, d.h. bairischen Toponymen 
festhält. 
Man erkennt auf den ersten Blick, daß die vorgermanischen Ortsnamen sich im 
Salzburger Becken südlich Salzburg bis hin zum Riegel der Nördlichen Kalkalpen 
konzentrieren. Großräumig bildet diese regionale Konzentration den östlichen 
Eckpfeiler eines weitläufigen romanischen Rückzugsgebietes an den Nordrändem 
der Alpen, das sich von der Nordschweiz über den Garmischer Raum und das tiro- 
lisch-bayrische Inntal bis hin nach Salzburg und Oberösterreich erstreckt. Klein¬ 
räumig stellen wir fest, daß südlich einer Linie Bad Reichenhall-Salzburg fast nur 
vorgermanische Toponyme zu finden sind, ausgenommen einige seit dem 8. Jahr 
Ders., "Antik-romanische Namentraditionen im Donauraum von Ober- und Niederösterreich, in: E. 
Eichler (Hg.), Probleme der älteren Namenschichten, Heidelberg 1991, S. 173-197. 
10 H. Klein, Beiträge zur Siedlungs-, Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte von Salzburg. Gesammelte 
Aufsätze, Salzburg 1965. 
11 F. Hörburger, Salzburger Ortsnamenbuch, Salzburg 1982, S. 33ff. 
1 *2 
I. ReifFenstein, "Vom Sprachgrenzland zum Binnenland. Romanen, Baiem und Slawen im frühmittelal¬ 
terlichen Salzburg", in: W. Haubrichs (Hg.), Sprachgrenzen (= LiLi, Zeitschrift für Literaturwissen¬ 
schaft und Linguistik 83), Göttingen 1992, S. 40-64. 
102
        

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