Title:
Zwischen Saar und Mosel
Creator:
Haubrichs, Wolfgang
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-111761
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-112550
seine Ausschaltung aufrecht zu erhalten; dazu bedurfte es keiner zweiseitigen 
Beurkundung, insbesondere wenn man davon auszugehen hat, daß die Trierer die 
Urkunde ausstellten. Über die Zollsätze und die Wahrung alten Herkommens 
konnten sie freilich nicht selbst entscheiden, sich nur dafür einsetzen. Resultat mag 
eben die Festschreibung der Zollsätze für Kölner gewesen sein, wie sie in der 
Kaufleute-Inschrift vorgenommen wurde. Die Kölner Beispiele zeigten, daß sich 
kaum ein Stadtherr dieser Forderung entziehen konnte, mochte sie auch seinen 
finanziellen Interessen teilweise zuwiderlaufen. 
* 
Nur wenige Urkundeninschriften sind so vollständig und lesbar erhalten und mit 
urkundlichen Ausfertigungen zu parallelisieren, daß wirklich zuverlässige Angaben 
über die Formulargewohnheiten gemacht werden können. Für die Privilegien an 
den rheinischen Kaiserdomen konnte vollständiges oder in weiten Teilen identi¬ 
sches Urkundenformular nachgewiesen werden45. Für fünf ausgewählte weitere 
Fälle, in denen Inschrift und Urkundentext überliefert sind, Privaturkunden zumal, 
ergab sich ein völlig anderes Bild: Alle betreffenden Inschriften in Würzburg 
1211/12, Enkenbach 1266 (Lkrs. Kaiserslautern), Köln 1452, Bödingen 1469/74/79 
(Rhein-Sieg-Kreis), Trier (1513) geben den Inhalt des Rechtsgeschäftes im Ver¬ 
gleich zu den Urkundentexten nur in verkürztem Formular und teilweise auch 
inhaltlich reduziert wieder; Beglaubigungsmittel der Urkunde sind gelegentlich 
mitgeteilt46 48. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn das Formular der Trierer 
Inschrift nur entfernt an Zollrechtsweisungen oder an Privaturkunden jener Zeit 
anknüpft. Es sind meistenteils allgemeine Formelteile wiederzuerkennen, wenn 
davon die Rede ist, daß Rechte von Personen verletzt wurden(7), daß sie ihre 
(angestammten) Rechte behalten - die Zollsätze werden dann definiert -, daß dem 
Rechtsminderer das Anathem angedroht wird. Suche und Wiederherstellung alter 
Rechtslage ist bei Zollrechtsweisungen offenbar immer nötig gewesen; in mehreren 
Fällen wird diese Situation beschrieben, in anderen hinter allgemeinen Formeln 
versteckt: Am ausführlichsten im Zollweistum 1103 für Lüttich und Huy wegen der 
legalia iura, que sui predecessores tenuerant41, 1149 wegen ius nostri thelonii a 
nostris antecessoribus ad nos delatum fuerit4^, 1155 für Kornelimünster gar unter 
Berufung auf ein Königszeugnis49 und 1171 für Dinant unter Berufung auf eine 
Beurkundung Erzbischof Friedrichs I.50 
In den Urkunden der Trierer Erzbischöfe gibt es für das 12. Jahrhundert unzählige 
Beispiele für die Androhung des Anathem, darunter nicht wenige, in denen die 
Rechtsminderung mit infringere temptaverit oder infringere presumpserit ausge¬ 
drückt ist; unter vielen anderen kommt der Inschrift ganz nahe die insgesamt 
45 Vgl. Müller (wie Anm 3), Nr. 2, 5, 11. 
46 MÜLLER (wie Anm. 3), Nr. 24, 30, 45, 56, 70. Vgl. ebd. S. 22 zur grundsätzlichen Parallelität von 
Urkunde und Inschrift, die nur in weniger als einem Viertel der behandelten Stücke nachzuweisen 
ist. 
47 Hansisches Urkundenbuch (wie Anm. 34). 
48 Trierer Urkunde wie Anm. 10. 
49 L. Korth, Urkunden aus dem Stadtarchiv von Köln, in: Annalen des Hist. Vereins für den 
Niederrhein 41 (1884), S. 101-103. 
50 Elenchus (wie Anm. 41), Nr. 81; vgl. auch Stbhkämper (wie Anm. 2), S. lllf. 
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