Title:
Zwischen Saar und Mosel
Creator:
Haubrichs, Wolfgang
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-111761
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-116405
Theologischen Fakultät zum Teil (etwa zu zwei Dritteln!) Fuß gefaßt hatten, 
maßgeblich charakterisiert. Dabei war es klar, daß Unfricht als treuer Schüler Karl 
Barths unverrückbar auf der Seite der Bekennenden Kirche stand, deren Anfang 
Unfricht in der Freien Evangelischen Synode im Rheinland zu Barmen-Gemarke 
am 18719.2.1934 sah. Es ging um eine schriftgemäße und gegenwartsgemäße 
Bekenntnis- und Gemeindekirche, der sich Unfricht als illegaler Kandidat, der sich 
von der evangelischen Bekenntnissynode, vornehmlich durch Pastor Schlingensie- 
pen, hatte prüfen lassen, zur Verfügung stellte. 
Nach kurzer Vikarszeit in Oberkassel kam er 1935 als Hilfsprediger in die 
Gemeinden Fischbach und Quierschied (Saar), wo er am 31.3.1939 in das Pfarrhaus 
Fischbach einzog. Größten Respekt zollte Unfricht dabei seiner Lebensgefährtin, 
Virginie Unfricht, geb. 13.11.1912 als Tochter des Pfarrers August Kittel zu 
Niederlinxweiler, die sich durch alle finanzielle Ungesichertheit nicht abschrecken 
ließ, und die Unfricht zur notwendigen Begleiterin im Amt wurde. 
Über Unfrichts Aktivitäten in der Bekennenden Kirche liegen mir zum Geschenk 
gemachte (vom 15.10.1983) mehrere Dokumente vor, unter ihnen eine biographi¬ 
sche Notiz zu der von Günther Jacob verfaßten Schrift ,Kirche oder Sekte4. Da 
heißt es: 
In der Nacht vom 18719.12.1936 rief mich P. Karl Immer sen. im Unterbarmer Waisenhaus 
an, ich möge doch sofort zu ihm ins Pfarrhaus Klingelholl kommen. Gegen 1 Uhr traf ich 
dort ein. Br. Immer, der gerade von der Preußischen Bek.-Synode zurückgekehrt war, 
empfing mich in einem grauen Anzug mit roter Krawatte, drückte mich in einen Sessel und 
gab mir ein Manuskript in die Hand, das weder einen Titel noch einen Verfasser anzeigte: 
,Hier, lesen Sie!‘ sagte er, ging dann im Zimmer auf und ab und pfiff ein Pietistenliedchen 
nach dem anderen. Mit wachsender Erregung las ich das Manuskript, das in großer Klarheit 
den Weg der BK quer durch die Versuchlichkeit der Kirchenausschüsse aufzeigte: genia¬ 
lisch-einfach, in bestechendem Stil brachte es die komplizierte und verwirrende Fragestel¬ 
lung auf die Formel: „Kirche oder Sekte“: es entscheidet sich alles am Öffentlichkeitsbezug 
der Predigt! Ich las in fiebernder Eile, sprang dann auf mit dem Ruf: „Das muß gedruckt 
werden!“ - ,Wird gedruckt!4 sagte Br. Immer; er hatte den Entschluß längst gefaßt: ,Ein 
junger Grafiker macht mir einen harmlos erscheinenden, netten Umschlag!4 
Die bedrohte Besoldung (vgl. Kirchliches Amtsblatt der Rheinprovinz Nr. 25, vom 
16.11.1939, S.122) hat sich in Unfrichts Papieren in einem Aktendeckel mit 
zahlreichen Duplikaten niedergeschlagen, Zeichen dafür, wie sehr Unfricht diese 
Bedrohung auch im Blick auf seine „mitziehende Sara“ beschäftigte: 
Mit der o.a. Verfügung der staatlichen Finanzabteilung beim Ev. Konsistorium der 
Rheinprovinz Düsseldorf wurde der Versuch gemacht, über uns sogen. ,Illegalen Hilfspredi¬ 
ger4 der Bekennenden Kirche finanzielle und wirtschaftliche Erpressung zu verhängen. Dies 
traf auch mich. 
Wir sogen. Jungen Brüder der BK4 (Präses Humburg) hatten dem auf Hitler gleichgeschal¬ 
teten Konsistorium Düsseldorf den Gehorsam verweigert und die BK gedrängt, eigene 
kirchenleitende Organe zu schaffen, die uns prüfen, ausbilden und in BK-Gemeinden 
einweisen sollten. 
Dies war den Nazis und den auf sie gleichgeschalteten kirchl. Behörden ein Dorn im Auge. 
So schuf Hitlers Kirchenminister Kerrl innerhalb des Konsistoriums eine mit einem hohen 
NS-Führer besetzte staatliche Finanzabteilung, die verhinderte, daß an uns kirchliche Mittel 
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