Title:
Zwischen Saar und Mosel
Creator:
Haubrichs, Wolfgang
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-111761
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-112982
aufgebrochen waren und vermutlich wie die beiden anderen Scharen bis in die 
Nähe von St.-Denis gelangt zu sein scheinen, was aber nicht ausdrücklich vermerkt 
wird. Zu dem Zeitpunkt, als der Kaiser St.-Denis verläßt, kehren die Barone nach 
Paris zurück, offenbar ohne dem Kaiser begegnet zu sein. Währenddessen geleiten 
die Bürger den Kaiser bis nach La Chapelle und reihen sich nach dem Verlassen 
des Ortes in Schlachtordnung auf. Die nach Paris zurückgekehrten Fürsten machen 
sich dann erneut auf den Weg zum Kaiser, der König folgt ihnen und begegnet dem 
Kaiser zwischen La Chapelle und Paris. Welchen Sinn ihr erster Ausritt hatte, von 
dem C nichts berichtet, bleibt im Dunkeln. Wir werden am Ende dieses Abschnitts 
auf „diese Episode zurückkommen. 
(2) Der zweite gravierende Unterschied zwischen den beiden Texten findet sich im 
selben Abschnitt. Dazu muß etwas weiter ausgeholt werden: Nach C ziehen König 
und Kaiser zur Begrüßung jeweils barette und chaperon, Kappe und Hut, dann 
reitet der König nahe zum Kaiser, vorsichtig zwar, damit sein Pferd nicht das Bein 
des kranken Onkels berührt, aber doch nahe genug, um ihm die Hand reichen zu 
können. Danach begrüßt Karl V. in gleicher Weise den König der Römer (Wenzel), 
kehrt zum Kaiser zurück und läßt diesen an seine rechte Seite führen. Der Kaiser 
entschuldigt sich und will das nicht zulassen. Ohne daß der Chronist noch einmal 
explizit vermerkt, daß der König seinen Willen am Ende doch durchgesetzt habe, 
schreibt er, daß der König der Römer an die Linke des Königs von Frankreich 
geführt wurde. So sei der König in der Mitte zwischen dem Kaiser und dessen Sohn 
den gesamten Weg, am Ende auch durch die Stadt Paris bis zu seinem Palast 
geritten. In der Folge unterbricht C die bisher beachtete chronologische Ordnung35: 
Erst im folgenden Kapitel wird erwähnt, daß nach den drei Monarchen die Herzoge 
von Berry und Burgund, Brüder König Karls, den Bruder des Kaisers, Herzog 
(Wenzel) von Brabant in die Mitte genommen hätten, danach seien der Herzog von 
Sachsen, ein Kurfürst des Reiches, sowie die Herzoge von Bourbon (Bruder der 
Königin) und Bar (Schwager Karls V.) gefolgt, alsdann die anderen deutschen 
Herzoge, darunter einer namens Heinrich (von Brieg), der Herzog von Bousselou (= 
Boleslaw von Liegnitz) und der Herzog (Wenzel) von Troppau. Hervorzuheben ist, 
daß auch hier dem Leser der Eindruck einer Ordnung in Dreierreihen vermittelt 
wird. Im Hinblick auf den Bericht von M ist noch anzumerken, daß C nichts 
darüber berichtet, daß die Pferde der Monarchen am Zügel geführt worden wären. 
Es wird lediglich erwähnt, daß der Zug zum Palais vom Herrn (Enguerrand) von 
Coucy sowie den Grafen (Johann) von Saarbrücken und (Raoul) von Brienne 
angeführt und geleitet worden sei, die den Kaiser seit dem Betreten des Königreichs 
ständig begleitet hätten. Für die Leibwache des Kaisers hatte der König nach 
diesem Bericht vier huissiers d’armes und sechs Kämmerer abgeordnet. Erst nach 
diesem Exkurs über die garde du corps des Kaisers setzt C den Bericht über den 
Einzug in Paris fort36. 
35 Chronique, S. 218 f. 
36 Chronique, S. 219 f. 
106
        

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