Title:
Zwischen Saar und Mosel
Creator:
Haubrichs, Wolfgang
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-111761
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-112964
Von dem Protokoll der „Chronique“ (im folgenden C) unterscheidet sich das in 
zwei Exemplaren erhalten gebliebene Memorandum (M) aus den Archives du Nord 
zu Lille auf den ersten Blick durch die Beschränkung des Zeitraums, über den 
berichtet wird. C berücksichtigt den gesamten Verlauf des Besuchs, von dessen 
Ankündigung zu einem nicht näher bezeichneten Zeitpunkt des Jahres 1377 bis zu 
dem Moment, da der Kaiser während der Heimreise Ende Januar 1378 an der 
Grenze zwischen Regnum und Imperium bei Mouzon den Augen des Chronisten 
entschwand27. Die Tagesdaten nennt C vom 22. Dezember 1377, als der Kaiser in 
Cambrai weilte, bis zum 19. Januar 1378, als Karl Chäteau-Thierry passierte. M 
handelt demgegenüber nur über drei Tage, vom Montag, dem 4., bis zum Mittwoch, 
dem 6. Januar 1378. Auch beim Vergleich der diesen drei Tagen gewidmeten 
Kapitel von C mit M erweist sich C als der ausführlichere, vor allem auch farbigere 
Bericht. Einzig im Abschnitt über die Speisen, die am Dienstag, dem 5. Januar, bei 
zwei Essen sowie beim großen Diner am 6. Januar, dem Epiphaniasfest, in 
Gegenwart des Kaisers aufgetischt wurden oder aufgetischt worden sein sollen, ist 
M ausführlicher als C, worüber noch zu handeln sein wird. 
Im übrigen gibt es kleinere Unterschiede zwischen beiden Texten. So bezeichnet M 
Karls Sohn Wenzel stets als roy de Boeme oder Behaigne, C nennt ihn als roy des 
Romains. Beides ist nicht falsch, ganz korrekt wäre roy des Romains et roy de 
Boeme gewesen. Nach M war das Pferd, auf dem der Kaiser die letzte Strecke bis 
nach Paris und zum Palais zurücklegte, schwarz. C widmet den Pferden der 
Majestäten und ihrer Färbung geschwätzige Aufmerksamkeit28: Dem Kaiser und 
seinem Sohn werden die Pferdd vom Gastgeber gestellt, der für sich selbst einen 
grant palefroy blanc auswählt, seinen kaiserlich-königlichen Gästen aber Pferde 
zu weisen läßt, deren Farbe mele am weitesten Von blanc entfernt sei. C erwähnt 
ausdrücklich, daß König Karl diese Auswahl in Kenntnis des Brauchs getroffen 
habe, wonach der Kaiser im Imperium auf weißem Roß in seine Städte einzureiten 
pflege. Der König habe derlei nicht zulassen wollen, damit darin nicht ein Zeichen 
kaiserlicher Herrschaft zu erkennen sei29. Die von C referierten Überlegungen über 
die Farbe der dem Kaiser und seinem Sohn zur Verfügung gestellten Pferde wirken 
etwas seltsam, denn auch für das Mittelalter war die von weiß am weitesten 
entfernte Farbe wohl doch schwarz - und so soll nach M auch die Farbe von Karls 
IV. Pferd gewesen sein, mele, so kann vermutet werden, wurde bei jenen 
Denkspielen von Karls V. Räten als eine im Vergleich zu noir weniger auffällige 
und daher in diesem Fall zu bevorzugende Farbe eingeschätzt. 
Bezieht man die Miniaturen der Pariser Handschrift fr. 2813 in die Betrachtungen 
ein, dann ergibt sich, daß der Maler das Pferd des Kaisers bei der Begrüßung Karls 
durch den Neffen schwarz erscheinen ließ30. Anders verfuhr er bei dem Bild vom 
Ritt in der Dreierreihe: Den Kopf von Karls IV. Pferd, das vom palefroy seines 
Neffen fast verdeckt wird, färbte er hellbraun, zwei gerade noch erkennbare, indes 
27 Chronique (wie Anm. 2), Bd 2, S. 193 u. 276. 
28 Ebda S. 210 f. 
29 Ebda S. 211. 
30 Die folgenden Angaben beruhen auf allerdings sehr guten Dias der Miniaturen, nicht also auf 
Autopsie. 
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