Title:
Zwischen Saar und Mosel
Creator:
Haubrichs, Wolfgang
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-111761
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-112950
Christenheit geregelt worden22: Papst Gregor XI. hatte, sehr zum Unwillen von 
Karls V. Bruder Ludwig von Anjou, Avignon verlassen und war am 17. Januar 
1377 mit der Mehrzahl seiner Kardinale feierlich in Rom eingezogen. Von König 
Johanns Schulden war nach der einigermaßen unverfrorenen Demarche vom Jahre 
1372 nicht mehr die Rede: Vermutlich hatte der Kaiser das Ansinnen seines Neffen, 
sie zu begleichen, abgelehnt; jedenfalls war später davon nie wieder die Rede. Von 
den drei verbleibenden Problemfeldern tangierten zwei in jeweils existientieller 
Weise die Zukunft der Häuser Frankreich und Böhmen: der Krieg gegen England 
und die Thronfolge in Polen und Ungarn. Das Ergebnis des kaiserlichen Staatsbe¬ 
suchs war demnach für den über kurz oder lang zu erwartenden Wechsel auf dem 
römisch-deutschen Thron23 von kaum zu überschätzender Bedeutung: Das sollte 
bei Lektüre und Deutung des folgenden Berichts, der sich einzig mit dem äußeren, 
aller Welt oder doch dem hohen Adel Frankreichs sichtbaren Ablauf des Gesche¬ 
hens an drei Tagen dieses Besuchs befaßt, bedacht werden: Zum einen gab es das 
sehr gewichtige und nach wie vor ungelöste Problem der Thronfolge in Ungarn und 
Polen, es gab die Wünsche König Karls nach dem Recht des Vikariats im Arelat 
und kaiserlicher Unterstützung im Kampf gegen England, und zum anderen wußten 
beide Seiten, daß die jeweils andere ziemlich ungeniert und rücksichtslos auf der 
Wahrung ihrer Rechte bestand, was Karl V. dem Oheim zuletzt noch 1372 durch 
seine Gesandten unmißverständlich vor Augen hatte führen lassen. 
II. 
Der ausführlichste Bericht über den Besuch Karls IV. in Paris findet sich in der 
sogenannten „Chronique des règnes de Jean II et de Charles V“24. Mitsamt den in 
einer Handschrift der „Chronique“ (BN fr. 2813) enthaltenen 14 den Text 
illustrierenden Miniaturen ist er seit langem bekannt und wurde vielleicht schon im 
späteren Mittelalter als sozusagen amtliches Protokoll eines als exemplarisch 
verstandenen Vorgangs gedeutet25. Auf das im Anhang edierte Memorandum über 
die kaiserliche Visite hat - soweit ich sehe - nur Robert Delachenal in seiner 
Biographie König Karls V. einmal beiläufig verwiesen26. 
22 Vgl. u. a. K. A. Fink in: Handbuch der Kirchengeschichte, hrsg. v. J. Jedin, Bd 3, 2, Freiburg 1968, 
S. 410 ff. 
23 Die Hinfälligkeit des Kaisers wird von der Chronique (wie Anm. 2) und den Miniaturen des Ms. fr. 
2813 der BN Paris sehr betont. Dabei ist jedoch anzumerken, daß Karl während der Parisreise außer 
an seiner chronischen Gicht auch noch an einer akuten fiebrigen Erkrankung litt, die seinen Zustand 
schlimmer erscheinen ließ als er normalerweise war. Jedenfalls ist Karl nicht an der Gicht gestorben, 
sondern an den Folgen eines Beinbruchs, den er sich unmittelbar vor seinem Tode zugezogen hatte. 
Vgl. Emanuel VlCek, Aussehen, gesundheitlicher Zustand und Todesursache Kaiser Karls IV., in: 
T’Hémecht 32 (1980), S. 425^447; zu den Konsequenzen aus Vlöeks neuen Erkenntnissen für das 
Urteil von Karls Politik im Sommer und Herbst 1378 vgl. Thomas, Frankreich (wie Anm. 2), 
S. 91 ff. 
24 Chronique (wie Anm. 2). 
25 Vgl. dazu Neureither (wie Anm. 2), S. 114 f. u. 215 ff. 
26 Delachenal (wie Anm. 2), Bd 5, S. 97 bei Anm. 3. 
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