Title:
Zwischen Saar und Mosel
Creator:
Haubrichs, Wolfgang
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-111761
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-112925
Metropole Frankreichs empfangenen Impressionen schwerlich mit solcher Energie 
und Zielstrebigkeit erfolgt. 
Über den auch von ihm selbst ausdrücklich als wohltuend und hilfreich anerkannten 
Erfahrungen am Pariser Hof sollten freilich die Schattenseiten der persönlichen und 
politischen Beziehungen zwischen den Häusern Luxemburg-Böhmen und Frank¬ 
reich nicht übersehen werden4. Dem Bruder seiner ersten Frau Blanche von Valois, 
König Philipp VI., hat Karl in seiner Autobiographie einige höchst abträgliche 
Worte gewidmet5. Über anderes schwieg er sich aus6. Als Karls Schwester Bonne 
am 11. September 1349 starb, war ihre Ehe mit dem Thronfolger Johann in 
politischer Hinsicht fast bedeutungslos geworden, denn ihr bereits seit dem 1. 
August 1348 verwitweter Bruder hatte sich zu Beginn dieses Jahres mit König 
Eduard III. von England verbündet7. Die englische Allianz, die selbst militärische 
Aktionen gegen die Valois nicht ausschloß, war auch eine Quittung für die 
Weigerung Philipps VI., vor der Wahl Karls IV. seinen Bund mit Ludwig dem 
Bayern aufzugeben und den Schwager als römischen König anzuerkennen8. Sechs 
Jahre später fielen Karl die Früchte der englischen Allianz in den Schoß: Der 
Schwarze Prinz schlug bei Poitiers das Heer König Johanns, der in Gefangenschaft 
geriet9. Von den drei als essentiell angesehenen Elementen des royaume de France: 
chevalerie, clergie und foi, war die erste im Kern getroffen, das Monopol der 
zweiten durch die Gründung der Prager Schulen in Frage gestellt, und nur noch die 
Basis des dritten Anspruchs, die Residenz von Papst und Kurie im Dunstkreis des 
Hofes von Paris, schien fürs erste noch nicht akut gefährdet10. 
Ende 1356 kam es in Metz zu einer einvernehmlichen Regelung der Beziehungen 
zwischen Regnum und Imperium, als sich der inzwischen zum Kaiser gekrönte 
Luxemburger bereit erklärte, den zuvor von ihm selbst offerierten, von König 
Johann aber wegen einiger strittiger Punkte abgelehnten Vertrag in der Form zu 
akzeptieren, die Johann sich ausbedungen hatte11. Die problematischen Fragen 
4 Vgl. H. THOMAS, Die Beziehungen Karls IV. zu Frankreich von der Rhenser Wahl im Jahre 1346 bis 
zum Großen Metzer Hoftag, in: Kaiser Karl IV., hrsg. v. H. Patze, zugleich BDLG 114 (1978) 
S. 165-201, bes. S. 165 ff. 
5 Vita Karoli Quarti, hrsg. u. übers, v. E. Hillenbrand, Stuttgart 1979, S. 82 f., dazu Thomas, Die 
Beziehungen (wie Anm. 4), S. 169. 
6 Karls Schwester Bonne hat ihrem Gemahl, dem Thronfolger Johann, zwar in elf Jahren zehn Kinder 
geboren, ihre Ehe muß aber ziemlich zerrüttet gewesen sein. Darüber hat sie Balduins von Trier Rat 
Rudolf Losse unter vier Augen unmißverständliche Andeutungen gemacht, vgl. E. E. STENGEL, Nova 
Alamanniae, Bd 2, Berlin 1930, Nr. 689, S. 458 f. Nach Bonnes Tod, unmittelbar nach der 
Übernahme der Krone, hat Johann den Konnetabel Raoul von Brienne nach kurzem Geheimprozeß 
hinrichten lassen, angeblich wegen Hochverrats, vermutlich wegen des Verdachts, mit Bonne eine 
Affäre gehabt zu haben, vgl. Delachenal, Histoire (wie Anm. 2) Bd 1, Paris 1909, S. 67 ff.; auch 
der plötzliche Tod Bonnes wurde in den Zusammenhang dieses Vorgangs gebracht, vgl. S. 69, 
Anm. 2. 
7 MGH Const. Bd 8 (1910/26), Nr. 613, S. 625 f. dazu Thomas, Beziehungen (wie Anm. 4), 
S. 179. 
8 Thomas, Beziehungen, S. 169 ff. 
9 Ph. Contamine, Artikel „Poitiers, Schlacht v.“ (2), in: LM Bd 7 (1994), col. 44 f. 
10 Zu dieser Trias vgl. Thomas, Frankreich (wie Anm. 2), S. 76 f. mit Literatur. 
11 B. Mendl, F. Quicke, Les relations politiques entre l’empereur et le roi de France de 1355 ä 1356, 
in: RBPH 8 (1929) S. 469-509; Thomas, Beziehungen (wie Anm. 4), S. 190 ff. 
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