Title:
Die alte Diözese Metz
Creator:
Herrmann, Hans-Walter
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-200257
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-202550
der lothringischen Grenze zu Groß- und Kleinblittersdorf. Die Katholiken besuchten 
die Messe im benachbarten Blittersdorf oder im Kloster Gräfinthal. Über Jahre hin¬ 
weg versuchte der Graf, sie zum Besuch des evangelischen Gottesdienstes zu zwin¬ 
gen. Mittel waren Androhung ruinierender Geldstrafen, Einquartierungen, Pfändun¬ 
gen, Verhaftungen. Der katholische Meier war dauernd auf der Flucht. Mehrfach 
dachten die Katholiken an gemeinsame Auswanderung21. Priesterbesuche in Bübin¬ 
gen, etwa bei Kranken, wurden vom Grafen mit allen Mitteln unterbunden; so durch 
Überwachung und Geldstrafen. Auch war verboten, Kranke zu auswärtigen Priestern 
zu bringen. Die katholischen Kinder wurden in die Kinderlehre gezwungen23 24 25. 
Dompropst Damian Hartard konnte die Angelegenheit schon von seinem Anspruch 
als Mitgemeinsherr her nicht auf sich beruhen lassen. Seiner Überzeugung nach 
gehörte Bübingen zur alten Baronie Kriechingen und nicht zur Grafschaft Saar¬ 
brücken. Es lag mehr als nahe, daß er auf dem Höhepunkt des Streits bei seinem kur¬ 
fürstlichen Bruder Hilfe suchte, und beide wandten sich im weiteren Verlauf deswe¬ 
gen an D'Aubusson als OrtsbischoF. Auf diesen Weg hatte der Forbacher Amtmann 
Brandt seine Herrschaft, die Vorbesitzer von Bübingen, die Fürsten von Hohenzol- 
lern-Hechingen, bereits 1665 hingewiesen. Die Idee dazu war nachweisbar bischöf- 
lich-metzischen Ursprungs bzw. entstammte Metzer Parlamentskreisen26. 
Erzbischof und Bischof geißelten scharf das gewaltsame Vorgehen des Grafen. Der 
Kurfürst verlangte Gewissensfreiheit. Beide brachten sie ihre geistliche Jurisdiktions- 
gewalt ins Spiel. Kurfürst Karl Kaspar verwies auf seine Metropolitanrechte27. Das ist 
sicherlich nur verständlich im Zusammenhang mit der Rechtsposition, die der Metzer 
Bischof einnahm. Sie war völlig identisch mit der eingangs erwähnten französischen 
Haltung. 
23 Sie wurde nach der Eingliederung Bübingens in die Grafschaft Saarbrücken 1670 zur bitteren 
Wirklichkeit. Erst 1682 konnten die Katholiken zurückkehren (vgl. Bübingen S. 193 f.). 
24 Bei der Bübinger Konferenz 1669 äußert die nassauische Seite, man zwinge niemanden in die 
Kirche, doch wolle man wenigstens die Kinder im Christentum unterweisen lassen, daß nicht 
gar ein Barbarei erfolge (LA Sbr., NSbr. II 2513, S. 86). 
25 Zugrunde gelegt wird Waal 2949/87; ferner Waal 2951/14 (Schreiben des Bischofs an Freiherr 
Damian Hartard von der Leyen vom 30.4.1669:. . .Ego autem pro meis viribus adnitar in visi- 
tatione mea, quae imminet in his partibus, ut opus, quod tarn pie aggressus es, plene conficiatur. 
Spero, quod comes de Nassau monitionibus meis persuasus res in integrum restituet iuxta placi- 
ta tractatus Monasteriensis, sin vero obsistat potestatem regis supremam implorabo . . .). 
26 Brandt am 31.8.1665 an den Fürsten (Sigmaringen A 130, S. 131): Beide Orte, Bübingen und 
Rösseln, lägen im Metzer Bistum. Wenn der Fürst, so der Rat eines Mons. Hottin, den 
Bischof in einem kleinen Schreiben ersuchen würde, so werde dieser sich samt dem Metzer 
Parlament gleich der Sache annehmen und ihm gutes Recht verschaffen. Dasselbe habe er, 
Brandt, von Jesuiten erfahren, die in Forbach visitiert hätten. - Bereits in seinem Schreiben 
vom 14.7.1665 hatte Brandt auf diesen Weg hingewiesen (a.a.O. S. 125). - Vgl. auch Bübin¬ 
gen S. 146. 
27 Ausdrücklich bereits in seinem Schreiben vom 12.4.1669 an den Grafen (Waal 2307, Nr. 15,1). 
In seinem Antwortschreiben vom 6./16.4.1669 wies Gustav Adolf dies zurück (Waal 2307/22); 
weiterer Briefwechsel Waal 2307/23,26, 31, auch LA Sbr., NSbr. II2513, S. 19 ff. 
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