Title:
Die alte Diözese Metz
Creator:
Herrmann, Hans-Walter
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-200257
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-202545
Eigentlicher Inhaber der Herrschaft Blieskastel war der Bruder des Kurfürsten, der 
Trierer Dompropst Damian Hartard von der Leyen, trierischer Gesandter in Regens¬ 
burg und als solcher der französischen Diplomatie bestens bekannt; 1675 wurde er 
Kurfürst von Mainz16. Auch Damian Hartard geriet wie die Vorbesitzer von Bübin- 
gen/Rosseln mit dem Mitgemeinsherrn, dem Grafen Gustav Adolf von Nassau-Saar¬ 
brücken17, wegen der Territorialhoheit in Streit. Er steigerte sich in gefährlicher 
Weise, nachdem eine gütliche Konferenz von Anfang Februar 1669 gescheitert war. 
Zu den Mitteln, die Graf Gustav Adolf anwandte, um seine angebliche Landeshoheit 
und damit Kirchenhoheit zu behaupten, gehörte der Versuch, die Bübinger Katholi¬ 
ken zum Besuch des evangelischen Gottesdienstes zu zwingen. Daß dabei für Gustav 
Adolf primär keine religiösen Motive im Vordergrund standen, zeigt die Tatsache, 
daß er dazu nicht alle Mitglieder einer katholischen Familie zwingen wollte und daß 
er in dem ganz katholischen Dorf Großrosseln auf diesen Kirchenzwang verzichtete18 19. 
Das alte Prinzip des Glaubenszwangs zeigt sich hier noch lebendig und nicht sehr 
überzeugend abgeschwächt, wie seit dem Westfälischen Frieden sonst allgemein im 
Reich17. 
Die Zerrissenheit der Grenzen und das konfessionelle Nebeneinander der Territori¬ 
en, auch eine starke Zuwanderung hatten im Westrich schon bald zu einer konfessio¬ 
nellen Durchmischung der Bevölkerung zumindest in den Grenzsäumen geführt20. 
Die Katholiken der Grafschaft hatten zwar wie diejenigen des reformierten Herzog¬ 
tums Pfalz-Zweibrücken die Möglichkeit, außerhalb des Territoriums die Messe zu 
hören, nicht aber - und das war ein sehr schwerwiegender Umstand - ihre Kinder 
katholisch taufen und erziehen zu lassen. Auch Trauungen und Beerdigungen wur¬ 
den durch den protestantischen Ortspfarrer vorgenommen. Ähnlich scheinen die 
katholischen Territorialherren allerdings mit ihren protestantischen Untertanen ver¬ 
fahren zu haben21. 
Das Beispiel Bübingen22 mag weiteres Anschauungsmaterial liefern. Der Ort, der 
damals ca. 75 Einwohner zählte, davon die meisten Katholiken, lag unmittelbar an 
16 Geb. in Trier 1.3.1624, gest. Mainz 6.12.1678. Vgl. Neue Deutsche Biographie, 1957; Agnes 
Maria Niebecker, Beiträge zum Leben und Wirken Damian Hartards von der Leyen, Erz¬ 
bischof und Kurfürst von Mainz 1677 - 1678, Phil. Diss. Mainz 1955; Die Bischöfe des 
Hl. Röm. Reiches 1648 - 1803. Ein biographisches Lexikon, hg. v. E. Gatz, Berlin 1990, 
S. 272 f. - Porträtabbildung nach Stich vgl. Bübingen S. 147, nach Gemälde im Hess. Landes¬ 
museum Darmstadt vgl. Andreas Ludwig Veit, Mainzer Domherren vom Ende des 16. bis 
zum Ausgang des 18. Jahrhunderts in Leben, Haus und Habe, Mainz 1924, Tafel 16. 
17 Ein Lebensbild Gustav Adolfs findet sich bei Albert Ruppersberg, Geschichte der ehe¬ 
maligen Grafschaft Saarbrücken, II. Teil, Saarbrücken 1910, 2. Aufl., Neudruck, S. 120 ff. 
18 Graf Gustav Adolf an den Kurfürsten von Trier am 6./16.4.1669 (Waal 2949/22). In Rösseln 
lebten 1665 allerdings nur zwei katholische Familien (StA Sigmaringen, Hausarchiv Hohen- 
zollern-Hechingen A 1370 S. 104 ff.). 
19 Heinz Duchhardt, Das Zeitalter des Absolutismus (Oldenbourg. Grundriß der Geschich¬ 
te 11), München 1989, S. 8. 
20 Vgl. Hans-Walter Herrmann, Die Religionspolitik König Ludwigs XIV. in den eroberten 
linksrheinischen Reichsgebieten, in: Bll. f. pfälz. Kirchengesch. und religiöse Volkskde. 52, 
1985, S. 17 ff., hier S. 20 ff. Er stellt fest, daß die protestantischen Gebiete nicht mehr die kon¬ 
fessionelle Einheitlichkeit und Geschlossenheit aufwiesen wie am Vorabend des 30jähr. Krie¬ 
ges, dies aus verschiedenen Gründen, auch aufgrund von Zuwanderung. 
21 Hinweise in LA Sbr., NSbr. II 5321. 
22 Vgl. Bübingen S. 142 ff. - Zur nachfolgend gen. Bevölkerungszahl vgl. S. 160. 
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