Full text: Die alte Diözese Metz

geistliche Jurisdiktionsgewalt in demjenigen Teil seiner Diözese auszuspielen, in dem 
die lutherische Lehre Fuß gefaßt hatte. Er hatte ferner Gelegenheit, seinem Metro¬ 
politen zu Hilfe zu kommen, dem Trierer Erzbischof und Kurfürsten Karl Kaspar von 
der Leyen. 
Das moselländische Haus von der Leyen war seit dem Spätmittelalter auch an der 
Blies begütert. 1660 hatte es von Kurtrier das Amt Blieskastel als Lehen erhalten12. In 
den Jahren davor und danach waren eine ganze Reihe von Einzelerwerbungen hinzu¬ 
gekommen, darunter Ende 1667 alte kriechingische Besitzungen in und bei Forbach. 
Dörfer an der unteren Blies, dazu Großrosseln und Bübingen11. Die beiden letztge¬ 
nannten Orte waren Gemeinbesitz mit Nassau-Saarbrücken. Der Streit, der seit hun¬ 
dert Jahren beim Reichskammergericht anhängig war, ging um das Dorf Bübingen, 
heute südlichster Vorort von Saarbrücken. Die Pfarrei gehörte dem Stift St. Arnual; 
sie war wahrscheinlich noch vor 1565 mit ihm evangelisch geworden14; offensichtlich 
nur indirekt im Gefolge des Konfessionswechsels der Grafschaft Saarbrücken. Nas¬ 
sau könne sich allenfalls auf sein Patronatsrecht berufen, so die Position der leyen- 
sehen Seite, nicht auf sein Jus reformandi15. 
12 Vgl. Jacques Gayot, Histoire de la seigneurie de Bliescastel, in: Bull, de la Soc. des amis de 
la Sarre 2, 1925, S. 59 ff., hier S. 145 ff. Ein zusammenfassender Überblick über die vielfälti¬ 
gen Erwerbungen fehlt bislang. Vgl. Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes, Bd. 2, hg. 
von Kurt Hoppstädter und Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1977, S. 404 ff.; H. 
P. Barth, Die Erwerbung des Amtes Blieskastel durch das Haus von der Leyen, in: Zeit- 
schr. f. saarl. Heimatkde. 5,1955, S. 25 ff., hier S. 30 f.; W. Krämer, Die Erwerbung St. Ing¬ 
berts durch die Familie von der Leyen, in: ebenda 4,1954, S. 97 ff. 
13 Vgl. Bübingen S. 146. Zu den Auseinandersetzungen um die Herrschaft vgl. S. 135 ff., zu von 
der Leyen S. 146 ff. 
14 Die Bübinger katholischen Mitgemeinsherren, Kriechingen und später Baden, scheinen eine 
völlige Durchdringung zumindest gehemmt zu haben, denn erst 1662 ließ Graf Gustav Adolf 
gegen badischen Protest Heiligenbilder aus der Kirche entfernen (Bübingen S. 142, 160). - 
Bislang wurde übersehen, daß Bübingen zumindest 16S6 eine eigene katholische Pfarrei 
gebildet hat (Patron St. Markus); das geht m. E. eindeutig aus dem Visitationsprotokoll dieses 
Jahres hervor (vgl. Jean-Pierre Kirch, Visite canonique de 1686 dans les archiprêtrés de 
Bouquenom, Saint-Amouald. Hornbach et Neumünster, in: Revue ecclésiastique de Metz, 
1923, S. 83 ff., 134 ff., 183 ff., 393 ff., 1924, S. 28 ff., 70 ff., 130 ff., hier 1924, S. 74). Kirch 
identifiziert den Ort mit unserem Bübingen. Folgendes kann zur Erhärtung herangezogen 
werden: Einmal das Itinerar selbst, ferner die Tatsache, daß das nahegelegene Gaubivingen 
nicht in Frage kommt, weil es damals Filiale von Folklingen war (1924, S. 190 f.). Weiterhin 
ist zu beachten, daß bei der Visitation von St. Johann (1924, S. 192 ff.) eine Filiale Güdin¬ 
gen/Bübingen nicht genannt wird. - Anläßlich der Vorvisitation des Archipresbyterats 
St. Arnual im Mai hatte der Blieskasteler Pfarrer als Archipresbyter gerade den Bübinger 
Pfarrer Dieudonné als einziges schwarzes Schaf seines Bezirks namentlich erwähnt (1924, 
S. 133 f.). Der Visitator fand am 28. September schlimme Zustände in Bübingen vor: Die 
Hostien im Silberkelch waren verrottet, Heiliges Öl, Taufbrunnen und Taufwasser fehlten. 
Pfarrer Dieudonné, selbst nicht anwesend (wie gewöhnlich alle, die etwas auf dem Kerbholz 
hatten), wurde ein schlechter Lebenswandel bescheinigt; er ließ die Messe an Sonn- und Fei¬ 
ertagen meist ausfallen, hielt keine Predigten und keinen Katechismusunterricht, dies alles 
mit der Begründung, er erhalte vom Ort keinen Zehnten, nur eine königliche Pension. Er 
fluchte, beschimpfte seine Pfarrkinder, war oft betrunken und gab so ein denkbar schlechtes 
Bild eines katholischen Pfarrers ab, gerade den Protestanten und Neubekehrten gegenüber. 
Möglicherweise war der Pfarrei deshalb keine lange Lebensdauer beschieden. - Sonderbarer¬ 
weise fehlt im Bericht jeder Hinweis auf die simultane Nutzung der Kirche; wie in anderen 
Fällen wurde sie vielleicht als selbstverständlich nicht eigens erwähnt. Oder sollte Bübin¬ 
gen/Güdingen als eine Pfarrei betrachtet und die Bübinger Kirche den Katholiken, die 
Güdinger den Protestanten übergeben worden sein? Das Bübinger Simultaneum wurde erst 
1930 aufgelöst. 
15 Waal 2949/47/64. 
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