Full text: 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

5.2. ,Nordwörter4 
Nr. 1 
Adebar m. ,Storch4 
A. Beeden (Hb): 1503 or. dt. bym odewerss nest (LA Sp В 2/724 fol 3). 
Bierbach (SI): 1565 or. dt. beim ewigers nest (KSA Zw Wörschweiler 1565), 
1596 or. dt. beim ewigers nest (KSA Zw Worschweiller 1596 fol 17), 1596 or. 
dt. das ewiger nest (KSA Zw Worschweiller 1596 fol 18). Einöd (Hb): 1565 
dt. beim ewigersnest (LlPPS Flurnamen Einöd, 21), 1579 dt. das ebigers nest 
(LlPPS Flurnamen Einöd, 21), 1596 dt. beim ewigers nest (LlPPS Flurnamen 
Einöd, 21), 1596 dt. beim ebigers nest (LlPPS Flurnamen Einöd, 58), 1621 dt. 
ewigers nest (LlPPS Flurnamen Einöd, 21), 1686 dt. des ewigers nest (LlPPS 
Flurnamen Einöd, 21), 1719 dt. des klosters ewigers nest (LlPPS Flurnamen 
Einöd, 21), о Im Ewignest [s 'ewij" nejt]. Folschviller (SA): о Otternest / Od¬ 
ers nitsch [o:dnJ nejt]. Guerting (Bo): 1698 or. dt. in odmers nost (AD Mos 4 
E 227). Lisdorf (Sl): 1357 or. dt. gen dem odebore neste (LHА Ko 218/215). 
Metzeresche (Mv) 1685 or. frz. odenbourger nist ou nid de cygogne (AD 
Mos 4 E 371). 
(Vgl. Abb. 3) 
B. Die besonders norddeutsch und westmitteldeutsch verbreitete Bezeichnung 
des Storchs ist Adebar m., ahd. ötibero, odobero, odoboro, odofaro, mhd. 
odebar, odevare, ödeber, ödever, edebar, edefare, adebar, adeber, adebor 
etc., mnd. ädebär, edeber(e), ëdebär, ödever, mnl. odevare, oudevaer, 
oid(e)ver etc.,16 neuwestfries. earrebarre, eibert (DWB NEUBEARB. 1, 1457L; 
Graff 3, 155; Kluge 15f.; Lexer 2, 141 f.; MndHdWb 1,13 und II, 1, 1128; 
MnlWb 5, 9f.; Splett I, 2, 691; Starck/Wells 454). 
Adebar ist seit dem 11 ./12. Jahrhundert in althochdeutschen Glossen belegt. 
Die Verbreitung des Wortes hat sich in althochdeutscher Zeit auf den mittel¬ 
fränkischen Raum konzentriert, wie die selbständigen Glossierungen einer 
Trierer und einer Darmstädter Handschrift zeigen. In oberdeutsche Hand¬ 
schriften kann das Wort hingegen durch Abschrift gelangt sein. Die Zeugnisse 
des 14./15. Jahrhunderts stammen überwiegend aus niederdeutschen Glos¬ 
saren (NEUß 1973, 130f.; Suolahti 1909, 369). 
Das Wort ist nicht eindeutig zu analysieren. Weder der Vorschlag Jacob 
Grimms, Adebar aus *ödaboro ,GlücksträgerJ' (aus asächs. öd, ahd. öt 
16 Z. B. Limburg 1240: odeuare. Die mit oude- gebildeten Formen (mit volksetymo¬ 
logischer Interpretation als nl. oud ,alt‘?) stammen aus Westflandem, z. B. 1287 
oudevare (VroegMnlWb 3, 3376). 
1 Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. 2. Bd., Nachdruck der 4. Ausgabe, besorgt 
28
	        

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