Title:
"Deutsch die Saar, immerdar!"
Creator:
Becker, Frank G.
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-175661
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-175836
tionalsozialistischen „Machtergreifung“ feststellen, wo finden sich Kontinuitätslinien 
und wie verbreitete der gleichgeschaltete Bund unter den neuen Rahmenbedingungen 
sein Konzept der „Deutschen Saar“? 
Als vergleichsweise gut erforscht kann die Vereinskultur des Kaiserreichs und der 
Bundesrepublik gelten, während Ausprägungen des Vereinswesens in der Zwischen¬ 
kriegszeit weniger bekannt sind23. Ersten Ansätzen einer systematischen Untersu¬ 
chung wurden durch die nationalsozialistische „Machtergreifung“ ein Ende gesetzt. 
Entsprechend lückenhaft ist daher auch die Forschungslage zur Vereinskultur wäh¬ 
rend des Dritten Reiches24. Als kleinster gemeinsamer Nenner verschiedener in der 
Literatur angebotener Definitionen soll unter einem „Verein“ ein auf Dauer konzi¬ 
pierter freiwilliger Zusammenschluß von natürlichen und juristischen Personen zur 
Erreichung mindestens eines gemeinsamen, alle Mitglieder verbindenden Ziels 
innerhalb eines organisatorischen Rahmens verstanden werden25. Vereine erfüllen 
unterschiedliche Funktionen - primär natürlich für das ihnen angeschlossene Mit¬ 
glied, aber ebenso für die Gesellschaft: 
* sie befriedigen das Bedürfnis nach Freizeit, Geselligkeit und Geborgenheit; 
* über die Mitgliedschaft in Vereinen kommuniziert das Individuum mit Menschen 
auch außerhalb seines eigenen Arbeitsbereiches; 
* die Vereinsmitglieder stützen sich wechselseitig bei der Umsetzung gemeinsamer 
Interessen; 
* Vereine stärken das Selbstwertgefühl der Einzelmitglieder als Teile einer größeren 
Gemeinschaft; 
* die Zugehörigkeit zu einem Verein kann das lokale Ansehen und den Einfluß von 
Mitgliedern erhöhen, selbst wenn sie keine leitenden Funktionen innehaben; 
* innerhalb der Ortsgruppen können Fähigkeiten erlernt und Fertigkeiten weiter¬ 
entwickelt werden; 
* durch die Übernahme von Wertvorsteiiungen der Gruppe reduzieren sich kom¬ 
plexere Sachverhalte für die Mitglieder26. 
Mit graduellen Abstufungen treffen diese Aussagen auch auf die Saarvereine der 
Zwischenkriegszeit zu. 
23 Vgl. WlRSCHING: Die Weimarer Republik, S. 93. Vgl. zur Weimarer Republik die grundlegenden 
Arbeiten von BRACHER: Die Auflösung der Weimarer Republik; DERS./ FUNKE/ JaCOBSEN (Hrsg.): Die 
Weimarer Republik 1918-1933; MOMMSEN: Die verspielte Freiheit; SCHULZ: Zwischen Demokratie 
und Diktatur, Bd. 1-3; WEHLER: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 4. S. 227-593 und S. 1028— 
1093; WINKLER: Weimar. 
24 Vgl. SlEWERT, S. 158-166. Zu den allgemeinen Forschungsdefiziten vgl. FOLTIN, S. 9-14. 
23 Vgl. ebd,, S. 5-8; GORDON/ BabCHUK; Sahner, S. 14-27. Vgl. hierzu allgemein den im Nachklang des 
Münsteraner Historikertags 1982 von Otto DANN herausgegebenen Sammelband „Vereinswesen und 
bürgerliche Gesellschaft in Deutschland“. Zeitgenössische Stimmen zu Vereinen, Gruppen und 
Verbänden: Vgl. BOEHM; VON Wiese, S. 405^62 und S. 482-507. 
26 Vgl. die idealtypischen, auf Freizeitvereine bezogenen Ausführungen bei: Wehling, S. 90 f. Eine 
ähnliche Typologie vgl. auch bei BÜHLER/ KANiTZ/ Siewert, allerdings erkennen sie ebenso dysfunk¬ 
tionale Elemente wie beispielsweise die Exklusivität von Vereinen, 
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