Title:
Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken
Creator:
Dasbach, Georg Friedrich
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-7200
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-8060
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bettn so belogen hätte. Sie antwortete: „Ich wäre gerne heim gewesen." 
— Der Zeuge verbreitet sich dann unter Anderm in längerer Rede 
auch über seinen Standpunkt zum Wunderglauben; er betont, dak er 
mit einem gewissen Favor, mit Neigung zum Glauben an 
die Wirklichkeit der MarpingerErscheinungen,an deren 
Untersuchung herangetreten sei. An die Marpinger Erschei.rungen aber 
glaube er (der Zeuge) nicht; die Lügen der Kinder hätten ihm das un¬ 
möglich gemacht. Er habe sich nämlich gefragt: „Warum sollte die 
Gottheit sich zur Verwirklichung ihrer Absichten solcher Kinder bedienen, 
welche im Lügen eine Frechheit und Impertinenz zeigen, wie ich sie noch 
nie bei sinem Verbrecher gesunden habe?" — Zeuge versucht dann in 
längerer Darlegung seine Verurtheilung der Kinder nnd der ganzen 
Sache zu begründen. 
Präs.: „Wir möchten nicht weiter auf Ihre Gefühle eingehen; 
die Kinder haben bald so bald s o referirt, genug, nach Ihrer Ueber¬ 
zeugung haben die Kinder Sie von Anfang bis zu Ende in solcher Weise 
belogen und so frech die Lügen vorgetragen, wie Sie es bei keinem Ver¬ 
brecher gefunden haben." 
Zeuge bemerkt weiter: „Dem Pastor Neur., der ihm immerein 
sympathischer Mansch gewesen und es auch jetzt noch sei, habe er später 
in Schisfweiler in Gegenwart des Pastors Rath und einiger anderen 
Geistlichen das Ergebniß seiner Verhöre mitgetheilt und ihm in nach¬ 
drücklichster Weise den Stand der Sache klar gemacht. Herr Neur. habe 
darauf gesagt: „Und wenn das Alles wahr ist, was Sie sagen, ja, 
wenn Sie mich versicherten, daß die Kinder, seitdem sie von der Sache 
sprechen, nur die Unwahrheit gesagt, so glaube ich doch an die Erschei¬ 
nung. „Das war eben, sagt Zeuge, bei Neur. ein unbegreiflicher 
Glaube." 
Aus Befragen des Präsidenten an den Pastor Neur., ob er in 
Schisiweiler gewesen, und die Erklärungen des Dr. Strauß gehört, er¬ 
widerte er: „Ja." 
Pastor Schneider ist ebenfalls zugegen gewesen. Er erklärt, auf 
seine Bemerkung den Kindern gegenüber: es sei ja doch aus¬ 
fällig, daß die Muttergottes in sitzender Stellung ihnen erschie¬ 
nen sei, hätten sie erwidert, wenn sie dieselbe ansähen, so sähen sie die 
Erde nicht." Diese Antwort sei für ihn von der größten Bedeutung 
gewesen, und weitn er dieselbe erörtern wollte, so müßte er in das 
Gebiet der Mystik eintreten.
        

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