Title:
Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken
Creator:
Dasbach, Georg Friedrich
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-7200
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-8024
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Brust. Die ganze Gestalt war einem Madonnenbilde ähnlich. Erschreckt 
lief ich nach Hause und erzählte es meinen Eltern, die mir nicht glau¬ 
ben wollten. Als ich einmal vor die Thür trat, kam ein Mädchen und 
fragte mich, ob wir etwas gesehen hätten : andern Tages sollten wir 
wieder in den Wald gehen und sagen, wir hätten etwas gesehen, uns 
die Erscheinung hätte gesagt, es solle eine Kapelle gebaut und gebetet 
werden; wir brauchten das nicht umsonst zu thun. Auf die Frage, was 
wir bekämen, sagte es: Ja, Ihr kriegt etwas. — Das Mädchen wohnt 
am Eulenwalde in Marpingen; es trug eine Jacke."" So sagte Kunz 
zu mir. Ich (Zeuge) fragte nun die Margaretha Kunz nochmals unter 
den heftigsten Worten, ob das wahr sei, und sie erwiderte: „„So 
wahr ist das, was ich Ihnen gesagt, daß, wenn der liebe Herrgott 
s.lber vor mir stände, ich so sagen würde."" Tie Kunz erzählte dann 
weiter: „„Ich ging zum zweiten Male in den Wald, stellte Fragen, er¬ 
hielt aber keine Antwort, erzählte aber ganz so, wie mir das Mädchen 
gesagt hatte. Am dritten Tage bin ich wieder hingegangen, am 4. noch 
einmal, und ani 5. Tage kamen die Soldaten, und da habe ich nichts 
mehr gesehen."" — Ich (Zeuge) fragte nun das Kind nochinals: „„Ist 
das die reine Wahrheit? Kann ich davon Gebrauch machen, wenn ich 
in der Lage bin, mich äußern zu müssen?"" Da sagte Kunz ungefähr 
wörtlich: „„Sagen Sie es nur nicht meiner Mutter und dem Pastor 
Neureuter, die werden böse."" Am andern Tage fuhr ich mit ihr nach 
Marpingen. Als ivic in Urexweiler am Hause des Pastors vorbei¬ 
fuhren, da (das ist für später iehr wichtig) sagte ich: „Sieh', da habe 
ich bereits mehrere Monate gewohnt; da wohnte der Gpmnasialdirektor 
Schue bei seinem Sohne, dein Pastor, welcher mir den ersten lateinischen 
Unterricht ertheilte." — Der Zeug« berichtet nun, wie sie, er mit 
der Margaretha in Marpingen angekommen, wie das Kind von seiner 
Mutter und seinen Verwandten begrüßt worden sei, und gesteht, daß 
wohl bei dieser Gelegenheit ein heimliches Wort zu dein Kiilde habe 
geredet werden können. 
Der Hr. Präs. bemerkt, ein erfahrener Untersuchungsrichter würde 
das vermieden haben. 
Dann berichtete der Zeuge der Mutter, daß sie von ihrer 
Tochter getäuscht morden sei. Den Eindruck dieser Mittheilung 
schildert der Zeuge wie folgt: Die Mutter gerieth nach dieser Eröffnung 
in ein konvulsivisches Zucken, schlug sich an die Stirn und sagte: „„Wenn
        

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