Title:
Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken
Creator:
Dasbach, Georg Friedrich
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-7200
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-7793
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gaben sie keine Antwort. Auch der Kunz sei verboten worden, erklärte 
sie, zu sprechen. Das; dies Verbot durch N e u r e u t e r erfolgt sei, hat 
keines der Kinder mir gesagt. Die Leist erwiderte mir auf meine 
Fragen: wir dürfen Nichts sagen, es ist uns verboten worden. Die 
Kunz erklärte dazu, dies Verbot sei so zu verstehen, das; sie bis zu die¬ 
sem Tage nichts sagen dürften." 
P r ä s.: „Man hat vielleicht gefürchtet, die Sache werde ihm über 
den Kopf wachsen." 
Zeuge: „Ich glaube, es geschah, damit die Kinder sich nicht in 
Widersprüche verwickeln sollten." 
Verth. Bachem: „Ich möchte die Frage gestellt sehen, ob Zeuge 
an dem Tage, als die Ereignisse begannen, nämlich am 3. Juli 1876, 
in St. Wendel gewesen sei." 
Zeuge: „Nein." 
Bachem: „Ob ferner Zeuge eine Klage gegen Neur. hat, ob er 
ihm nicht die Schnl-Jnspektion über einige vakante Schulen angetragen, 
habe." 
Präs.: „Ich möchte der Vertheidigung bemerken, das; ich diese 
Verwaltungsangelegenheiten nicht gern in die Debatte ge¬ 
zogen haben möchte. Ich bitte den Zeugen, sich zu äußern, wie er sonst 
mit dem Pastor Neureuter zufrieden war." 
Zeuge: „Was das Schulwesen betrifft und auch sonst im Allge¬ 
meinen hatte ich fei:.e Klage über ihn zu führen; er neigt aber meines 
Erachtens zur Schwärmerei und Mystizismus hin und versteht es viel¬ 
leicht nicht, immer sich vollständiger Selbständigkeit zu wehren." 
Dr. Thömes: „Laut einer amtlichen Bekanntmachung vom 9. 
Nov. 1876 sollen die Kinder „Alles, was sie gesehen, gehört und ge¬ 
fühlt haben wollten", widerrufen haben. Nun ist aber Niemals be¬ 
hauptet worden, daß die Kinder hinsichtlich der Erscheinung Etwas „ge¬ 
fühlt hätten. Ich wünsche aufgeklärt zu sehen, wie es kommt, daß. 
ein derartiger Ausdruck in eine amtliche Bekanntmachung einge- 
flochten wurde." 
Die Vertheidigung erkürt, das; sie an der Ermittelung dieses That¬ 
bestandes kein Interesse habe. 
Ehe der Zeuge Jansen aus Westfalen verhört wird, gelangt zur 
Verlesung ein Brief cut§ den Akten, den dieser Zeuge seiner Zeit an 
Herrn Pastor Neur. geschrieben, und mit welchem zugleich er ihm 30 JC-
        

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