Title:
Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich
Creator:
Horstmann, Philipp Bernhard
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-2855
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-3727
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ist gänzlich und auf die schändlichste Art ruinirt worden. Daß 
dieses absichtlich geschah, ist gar keinem Zweifel unterworfen. Die 
unnöthige Ausdehnung des Lagers beweist solches, und eine Ecke 
Feld, welche nicht occupirt war, mußte die ganze Armee beim Ab¬ 
marsch mit der Artillerie und dem ganzen Bagagetrain durchziehen 
und das Getreide ebenfalls verderben, ohngeachtet solche bequemer 
auf der nebenherziehenden Chaussee hätte marschieren können. Da 
überdies kein Feind in der Nähe ist und also nicht nöthig war 
eine sichere Position für das Lager zumal blos für eine Nacht zu 
wählen, so hätte die Armee gar füglich und wegen der Nähe des 
Wassers weit bequemer auf den geräumigen Wiesen an der Saar 
kampiren können. Unsere Hoffnung zur Ernte ist also völlig ver¬ 
eitelt, und der traurige Gedanke, wo werden wir Brod hernehmen, 
trübt unsere Seele, da auch der ganze Saarbrücker Bann durch 
die auf den Anhöhen postirten Truppen, den Artilleriepark, die 
Fuhrknechte und die französischen Bauern aus den benachbarten 
Dörfern schon lange verheeret ist und nach den bekannten Dekreten 
des Nationalconvents aus dem benachbarten Lothringen keine 
Früchte bei Lebensstrafe aus und uns zugeführt werden dürfen. 
Das Wehklagen der hiesigen Bürgerschaft ist außerordentlich, 
und zur Ehre der Franzosen sei es gesagt, der größte Theil der 
gemeinen Soldaten mißbilligt diese Schandthat öffentlich und nennt 
solche bei ihrem rechten Namen. Und eben so eine andere, welche 
man aber weniger auf Houchards als die Rechnung andrer Böse- 
wichter unter seiner Armee schreiben muß. Diesen war's nicht ge¬ 
nug, daß wir uns ihrer Anwesenheit mit Abscheu erinnern sollten, 
auch unsere Nachkommen sollten es thun, und deswegen steckten 
sie den schönsten jungen Stadtwald in Brand, der auch größten- 
theils vom Feuer verzehrt und verdorben wurde, ehe die Bürger¬ 
schaft löschen durfte und konnte. Man sagt, ihre Absicht sei ge¬ 
wesen Weibspersonen, die sie hier bei einigen entstandenen Bränden - 
sehr beschäftigt gesehen hatten, auch zu diesem Waldbrand zu locken.__ 
Viele glauben, daß Houchard aus einem alten Groll gegen 
St. Johann so gehandelt, daß das Andenken an die Prügel, welche 
er ehemals in dieser Stadt als Weißgerberjunge wegen seiner Bos¬ 
heiten von seinem Lehrherrn erhalten hatte, noch jetzt seine Rach-
        

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