Title:
Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich
Creator:
Horstmann, Philipp Bernhard
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-2855
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-5097
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brüderte Blut vieler Tausend Republikaner, welches sie durch 
ihren Rückzug hätten sparen können. Der Angriff geschah mit 
aller Wuth, die man von französischen Truppen erwarten konnte. 
Bei Tage mit großem Verlust zurückgeschlagen, lagen sie die 
Nächte unter den Todten und Verwundeten auf dem Schlachtfeld, 
ohne Speise und Brod, ihre einzige Nahrung war Brandewein, 
welcher ihnen reichlich ausgetheilt wurde und ihre Kräfte unter¬ 
hielt. Am dritten Tag waren diese erschöpft — der größte 
Theil ihrer Artilleristen getödtet, ihre Munition gänzlich verbraucht, 
und kein Mittel den Abgang zu ersetzen. Ein Beweis, daß der 
Angriff von Lautern keinen größern Endzweck hatte, weil sie solchen, 
wenn ihre Absicht die Deutschen zu delogiren auch erreicht worden 
wäre, doch wegen diesem wesentlichen und unersetzlichen Mangel 
hätten aufgeben müssen. 
Ihr Rückzug war eiue förmliche Flucht, da jedem Individuum 
die Gefahr des Auswegs vor Augen lag und seine Füße, so 
lang seine erschöpften Kräfte aushielten, beflügelte. Allein diese 
hielten nicht lange aus. Der übermäßige Genuß des Brandeweins 
und der Mangel an Speise hatten gänzliche Entkräftung und 
Tod zur natürlichen Folge, und nach der glaubhaftesten Versiche¬ 
rung beträgt die Anzahl derer, welche auf den Straßen, dem Feld 
und in den Gebüschen und Wäldern mehrere Stunden vom 
Schlachtfeld entfernt ohne Wunden todt gefunden wurden, *) 
wenigstens ein Viertheil der ganzen Summe der Todten. Diese 
betrug nach den Listen nahe an 6000 und meistens alte Linien¬ 
truppen. Vermuthlich glaubten die Repräsentanten, daß deren 
Blut noch nicht ganz republikanisch und also weniger an ihnen 
als an ächten Sanskülotten verloren sei, weswegen jene bei dem 
Angriff zu Lautern immer vorn an marschieren mußten, eine 
Ehre, die sonst letztem zu Theil ward und welche sie auch während 
der ganzen Verfolgung genossen hatten. Das schöne ehemalige 
*) Sie hatten alle ihre Gewehre von sich geworfen, aber ihre Tornister 
mit sich geschleppt, bis sie starben. Und in den meisten derselben fanden die 
Chasseurs de Rheims, die die Arrieregarde machten, bei der Untersuchung nichts 
als altes Eisen, welches die armen Tröpfe mit nach Haus schleppen wollten.
        

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