Title:
Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich
Creator:
Horstmann, Philipp Bernhard
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-2855
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-5083
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Falle! Nun sitzen wir darin. Haben wir's nicht gesagt! die 
Preußen beziehen nur eine andere concentrirtere Stellung, schrieen 
die ersteren. Haben wir's nicht gesagt! man solle erst die Ver¬ 
stärkung der Ardennenarmee abwarten, ehe man sich so weit engagirte. 
Allein sie waren nun einmal so weit engagirt. Was auch die 
vernünftigen Offiziers rathen mochten, die Repräsentanten wollten 
sich kein âàtznti geben, wollten sich nicht vor ganz Frankreich 
zum Gelächter machen, wenn sie nun vor dem Feind, dessen Flucht 
sie mit der des furchtsamen Hasen vor dem Jäger verglichen, den 
sie — zwar nur in ihren Berichten — auf der Flucht aller 
Orten geschlagen, und ihm seine Kanonen abgenommen hatten 
u. s. w., ohne Schwertstreich zurückfliehen sollten. Und dann über¬ 
legten sie die Gefahr des Rückzugs, durch die engen Pässe, auf 
welchem die ganze Armee zu Grunde gerichtet werden konnte. 
Dieses letzte wurde den Soldaten ad oculos demonstrirt, ihnen 
der Sieg leichter als die Retirade vorgespiegelt und durch aus¬ 
getheilten Brandewein ihr Muth erhoben, oder vielmehr ihre Be¬ 
sinnungskraft betäubt. *) So geschahe der Angriff ans Eigensinn 
der Repräsentanten, welchen ihre Ehre theurer war als das ver¬ 
*) Ich finde in den Zeitschriften einen heftigen Streit über das Brandcwein- 
trinken der Franzosen. Einige Schriftsteller geben alle ihre Kriegs-Thaten für 
eine Wirkung desselben aus. Andere läugnen dessen planmäßigen Gebrauch 
gänzlich. Beide Theile gehen zu weit. Wahr ist, daß den französischen Sol¬ 
daten in Saarbrücken, während der Anwesenheit der Preußen vor der Stadt, 
und zwar denen, welche zu einem Angriff bestimmt waren, auf Kosten der 
Republik Brandewein ausgetheilet wurde; dies haben ich und 1000 Zeugen ge¬ 
sehen, und es war so wenig ein Geheimnis, daß Offiziers und Gemeine sich 
laut zuruften: das oder jenes Bataillon, die oder jene Compagnien müssen 
vor den Feind, man hat ihnen Brandewein ausgetheilt. Daß diese Austheiluug 
eine höhere Absicht hatte, schlossen wir daraus, weil in den Magazinen kein 
Ueberfluß davon war und der Soldat sich ihn damals noch in der Stadt verschaffen 
konnte. Daß der Brandewein verfälscht war, ist wahrscheinlich: Offiziers 
nahmen keinen aus den Magazinen, was ihnen doch frei stund, sondern kauften 
denselben lieber viel theurer bei den Marketendern oder in der Stadt. Mußten 
sie in den Magazinen nehmen, so forderten sie schriftlich: Lau de vie sans feu, 
ein Ausdruck, den sie mir niemals erklären wollten, und auch dann tranken sie 
ihn nicht ohne ihn vorher mit einem Pulver, daß sie sympathetisch nannten, 
probirt zu haben. Ein hoher Offizier warnte einen meiner Freunde Magazin- 
Brandewein zu trinken, weil er schädlich sei.
        

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