Title:
Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich
Creator:
Horstmann, Philipp Bernhard
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-2855
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-5023
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der Troß der Franzosen in der größten Furcht und Verwirrung 
gegen die Stadt herstürmte. Einen imitiern und lächerlichern Auszug 
kann man sich nicht denken. Marketenderinnen, welche heulten, 
Commissärs, die auf prächtigen geraubten Pferden ausgezogen 
waren, demüthig im Koth einherwandelnd, Reuter zu Fuß, Pferde 
ohne Reuter, und Infanteristen zu Pferd und zu Fuße, unzählige 
Wagen, wovon immer einer dem andern zuvorzukommen suchte, 
alles schrie und wehklagte und kündigte mit dolenter Stimme den 
entsetzlichsten Verlust, die Nähe des Feindes an. Dieses Getümmel 
währte die ganze Nacht. Ehrmann war in Verzweiflung, und um 
dieser eine Diversion zu machen, vermuthlich aber auch um uns 
in Schrecken zu setzen und uns abzuhalten von der Verwirrung 
Gebrauch zu machen, ließ er am I ten December Morgens den 
lahmen Spion, welchen die Generals des Tods nicht würdig 
achteten und welcher bisher nachlässig bewacht auf der Wache ge¬ 
sessen, öfters auf dem Schloßplatz herumgewandelt und in den 
nahgelegenen Häusern Essen gebettelt hatte, auf dem Schloßplatz 
erschießen, zu welcher Executiou er jedermann durch die Schelle 
und Ausruf hatte einladen lassen. 
Die immer schaarenweis ankommenden Flüchtlinge bestätigten 
immer mehr die Auslage der erstern und gegen Mittag kamen die 
Artillerie-Knechte mit ihren Pferden an und verkündeten, daß die 
ganze Artillerie den Feinden in die Hände gefallen und ihnen nur 
noch so viel Zeit übrig geblieben sei die Stränge abzuschneiden 
um sich und die Pferde zu retten. Und wenn dieses wiederholte 
Zeugnis nicht hinreichend gewesen wäre, so würden wir bald ein 
überzeugenderes gehabt haben. Um Mittag fing der Zug der 
Blessirten an; da zu ihrer Menge nicht Fuhren genug aufzubringen 
waren, so mußten alle, welche sich noch fortschleppen konnten, zu 
Fuß marschieren. 1100 derselben kamen am Iten an, welche in 
die Häuser in der Stadt einquartiert wurden, und die große Menge 
der Schwerblessirten werden Sie daraus beurtheilen können, daß 
ich den Isten und 2ten 274 schwer-, mit 10 bis 12 Mann, be¬ 
ladene Wagen selbst gezählt habe ohne die, welche während den 
2 Nächten durchgefahren wurden. Es war ein jämmerlicher An¬ 
blick, welcher uns, so sehr die Franzosen alles Mitleid gegen uns
        

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