Title:
Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich
Creator:
Horstmann, Philipp Bernhard
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-2855
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-5004
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und da der Holzmangel, so wie der der Bedürfnisse aller Art da¬ 
selbst sehr groß ist, das Klafter mit 100 Livres bezahlt wird, 
eine herrliche Rente für die bedürftige Republik, welche aber der 
Stadt eine wöchentliche Ausgabe von 500 Livres in Geld für 
Holzhauerlohn, die Freifuhr ungerechnet, verursacht. *) 
Unsern Kaufleuten ist heute ein tödtlicher Schrecken verursacht 
worden, indem ihnen anbefohlen wurde ihre sämtlichen Handels¬ 
bücher an den Repräsentanten abzuliefern. Ob dieses gleich dem 
Vernehmen nach nur zu dem Ende geschehen soll, damit sich der¬ 
selbe mit eignen Augen überzeugen könne, ob sie die Frankfurter 
Passiva richtig angegeben haben, so ist es ihnen doch äußerst ver¬ 
drießlich, da sie bekanntlich ihre Bücher, und das nicht ohne ge¬ 
gründete Ursache, als Geheimnisse vor jedem profanen Auge ver¬ 
bergen. Wenn aber, was andere vermuthen und fürchten, solche 
behalten und nach Frankreich gebracht werden, vielleicht gar ver¬ 
loren gehen sollten, so wäre ihr Schaden nicht zu übersehen, und 
manches Mannes ganzes Glück würde zu Grund gerichtet sein. 
Wenn ein bekannter lateinischer Weidspruch Wahrheit ent¬ 
hält, welches ich im Vertrauen gesagt niemals gesunden habe — 
ein Uebel, das mich allein betraf, war mir immer minder schwer 
zu tragen als eins, in welchem meine Freunde mit leiden mußten, 
so würden unsre in der Gefangenschaft zu Metz befindlichen Freunde 
dieses Trostes in reichem Maaß genießen, da die Zahl ihrer Un- 
glücksgesährten sich beträchtlich vermehret hat. In Blieskastel und 
Zweibrücken haben die Franzosen bei ihrer Ankunft eine Menge 
selbst unvermögender Bürger cirretirt und nach Metz gesendet, 
welche dieser Tage durch unsre Gegend gekommen sind. Auf eine 
drolligte Art ist dem hiesigen Kaufmann Fröhlich gleiche Ehre 
widerfahren. Derselbe reiste nach dem Rückzug der Deutschen 
mit den Franzosen nach Zweibrücken um seinen Bruder, einen 
Kaufmann daselbst, zu besuchen. Dieser hatte sich vor Ankunft 
der Franzosen entfernt, er sollte als Geisel aufgehoben werden, 
und da man ihn nicht fand, wurde der Saarbrücker als bonne 
*) Dieser Holzhandel dauerte noch zu Anfang des März 1794 und 
kostete die Stadt bereits über 8000 Livres an Holzhauerlohn.
        

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