Title:
Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich
Creator:
Horstmann, Philipp Bernhard
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-2855
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-3902
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viehischen Begierden werden. Sie wurden von herzugerufenen 
Gensd'armes arretirt und zu ihrem Corps geführt. Hier wurden 
sie — gestraft? Nein! losgelassen, und der klagende Vater und die 
Gensd'armes mit Schmähungen überhäuft, daß sie diese bons 
patriotes in der verdienstlichen Fabrikation eines jungen Republi¬ 
kaners gestört hätten. Und diese Leute haben wir in unsern 
Häusern! Unter ihnen müssen wir aus den Straßen wandeln! 
Rauben und Stehlen ist ä l’ordre du jour. Alle in dem Um¬ 
kreis hiesiger Stadt und der Nähe der verschiedenen französischen 
Lager und Vorposten befindlichen einzelnen Wohnungen, Höfe und 
kleineren Dörfer sind rein ausgeplündert, besonders das Dorf 
Malstatt, wo ein Detachement auf dem Kirchhof postirt war, welches 
sich aber bald in die Kirche einquartierte, alles Holzwerk darin 
verbrannte und die Orgel verstörte. Sie scheuten sich so wenig 
bei diesen Handlungen und waren für Strafe so sicher, daß sie 
vielmehr, wenn sie bei der Ablösung durch die Städte ins Lager 
zurückkehrten, die Orgelpfeifen mitbrachten und mit solchen im An¬ 
gesicht der Generals und Repräsentanten musicirten und von 
letztern mit Händeklatschen belobt wurden. Hat jedermann alle 
List und Verstandskräfte aufgeboten um seine besten Habseligkeilen 
vor ihrer Raubsucht zu verbergen, so bieten sie nicht minder alles 
auf um solche zu finden. Und leider! glückt es ihnen meistens. 
Manche haben Kasten in ihren Gürten oder im Feld in die Erde 
vergraben und die Oberfläche mit Gemüs bepflanzt. Diese Vor¬ 
sicht sicherte solche nicht. Tag und Nacht ziehen die Soldaten um¬ 
her und stoßen ihre langen Säbel oder spitzige Eisen in die Erde 
und sondiren mit solchen. Ekel und Abscheu hält sie nicht vom 
Rauben ab. Der Pachter auf einem etliche Stunden von hier ge¬ 
legenen Hofe barg, als er Nachricht erhielt, daß ein Trupp solcher 
Plünderer sich seiner Wohnung näherte, seine besten Habseligkeiten 
in eine Bettlade, bedeckte solche mit Stroh, legte die stinkenden 
Leichname vier seiner Kinder, welche in einigen Tagen nachein¬ 
ander an der Ruhr gestorben waren, auf dieselbe und glaubte jene 
dadurch sicher. Aber die Räuber warfen die Leichname in die 
Stube, durchwühlten das Stroh und fanden die Habe des armen 
Mannes.
        

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