Title:
Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich
Creator:
Horstmann, Philipp Bernhard
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-2855
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-3891
88 
die Verrüther sein als die Leute von der proscribirten Caste? Es 
kann sein, daß es den Machthabern gelingt dadurch den Muth 
des gemeinen Soldaten wieder auf einige Zeit aufzuwecken. Etwas, 
das auch wenigstens Nebenabsicht zu sein scheint, haben sie aber 
bereits völlig erreicht, nämlich das, den kleinen Ueberrest oder viel¬ 
mehr Schatten von Ordnung und Subordination, welcher noch 
unter den Truppen vorhanden war und welchen jene Männer er¬ 
hielten, gänzlich zu vernichten. 
Alle Ehrfurcht und Gehorsam, welche der Soldat seinem Offi¬ 
zier wenigstens des Wohlstands wegen erzeigen sollte, fallen weg. 
Mit meinen Augen habe ich zehnmal gesehen, daß Abends bei dem 
Appel die Soldaten ihre Offiziere neckten, ihnen die Hüte von den 
Köpfen stießen, sie in die Waden zwickten und ihnen auch wohl 
einen Klatsch vor den Hintern gaben; und dies hatte keine weiteren 
Folgen als ein — wieherndes Gelächter der ganzen Compagnie. 
Diesen süßen Genuß republikanischer Freiheit könnten wir ihnen 
gönnen. Allein die Zügellosigkeit bringt uns auch Unsicherheit 
unsers Eigenthums und was noch mehr ist, unsers Lebens. Vor 
einigen Tagen war ich Augenzeuge, daß ein Carabinier einen 
armen Marketender, den er ins Wirthshaus geschleppt und ge¬ 
zwungen hatte ihm fünf Bouteillen Wein zu bezahlen, als sich 
solcher unter Vorschützung seines Unvermögens weigerte ihn weiter 
zu regaliren, bei den Haaren auf die Straßen zog und ihn nöthigen 
wollte sich wegen der ihm zugefügten Beleidigung mit ihm zu 
schlagen. Der Arme bat und flehte fußfällig, schützte seine Wehr¬ 
losigkeit, seine Unbekanntschaft mit den Waffen vor, und der Bar¬ 
bar zog seinen Säbel, stieß ihn dem Unglückseligen fünfmal durch 
den Leib und tödtete ihn auf der Stelle. Dies geschah am hellen 
Mittage, auf öffentlicher Straße, in der Stadt. Wenigstens hun¬ 
dert Soldaten, eine ganze Thorwache und zehen Offiziers waren 
Augenzeugen davon. Und was glauben Sie, daß dem Mörder 
geschah? Er wischte mit einem teuflischen Lachen seinen Säbel ab, 
steckte ihn ein und ging mit Heldenschritt seiner Wege, und es 
war weiter keine Frage davon. So wurde die Tochter eines Auf¬ 
sehers auf dem Ludwigsberg von einigen Soldaten überfallen, mit 
dem Kopf in ein Ofenloch gezwängt und sollte ein Raub ihrer
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.