Title:
Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich
Creator:
Horstmann, Philipp Bernhard
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-2855
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-3855
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Blieskastel und St. Ingbert sind stark besetzt, und an beiden Orten 
werden Verschanzungen angelegt, wovon die Franzosen Wunder¬ 
dinge erzählen, die wir ihnen auf ihr Wort glauben müssen, da 
uns die Neugierde nicht reizt solche zu beaugenscheinigen. Und 
wäre der Reiz stark genug dazu, so würde das Verbot unsere 
Stadtgrenzen zu überschreiten solchen genugsam dämpfen. So 
fürchterlich kriegerisch sind wir von außen verwahrt, nicht minder 
im Innern. Die Zugänge zu unsrer Stadt sind mit Wagenburgen 
verwahrt, wozu die armen Ackerleute ihre Wagen haben abgeben 
müssen, von welchen eine Menge bereits von den wachthabenden 
Soldaten verbrannt worden ist um das Eisen verkaufen zu können; 
welche dann immer wieder durch andere ersetzt werden müssen. 
Auf dem Winterberg zwischen Saarbrücken und St. Arnual find 
neue Batterien angelegt, und oben im Schloßgarten Kanonen auf¬ 
gepflanzt so wie am Eingang des Lustgartens, welche die Brücke 
bestreichen sollen, zu welchem Ende ein beträchtliches Stück der 
Brustmauer von derselben abgehoben worden ist. So breit und 
bequem diese Brücke auch ist, haben die Franzosen solche doch nicht 
zureichend gefunden, sondern einige tausend Schritte oberhalb der¬ 
selben gegen Monplaisir zu noch eine Schiffbrücke geschlagen. Der 
Endzweck derselben soll ihrer Aussage nach der sein, um den Aus¬ 
marsch der Armee gegen den Feind zu erleichtern. Allein Spötter 
unter ihnen sagen, daß solche vielmehr zur Erleichterung des Rück¬ 
zugs dienen solle, im Fall die Deutschen sie angreifen und schlagen 
würden. Auf allen Fall ist die Fürsicht nicht zu tadeln. Zur 
Nachahmung der Operationen bei Festungen, welchen eine Belage¬ 
rung bevorstehet, sind auch die Gartenhäuser, Zäune und Mauern 
demolirt und die Obstbäume in den Gärten und die Lindenbäume 
an den Straßen abgehauen worden. Wir Laien in der Kriegskunst 
glauben zwar, daß solche ohne allen Nachtheil hätten stehen bleiben 
mögen, aber das verstehen die Citoyens besser, und gegen die Ant¬ 
wort, welche mir ein Offizier gab, man müsse dem Soldaten Be¬ 
schäftigung und Zeitvertreib geben, damit er über seine Lage nicht 
nachdenke, läßt sich wohl nichts gründliches einwenden. Wirklich 
haben solche auch ihren herzlichen Spaß bei diesem Geschäfte, kein 
bretternes Gartenhäuschen stürzt ein, kein zolldickes Bäumchen fällt
        

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