Full text : 2.1949/50 (0002)

Jahrgang 2 *

geben ist. Je weiter fortgeschritten
der tuberkulöse Prozeß ist, desto
schlechter sind die Heilungsaussichten.
 Eine geschlossene, aber aktive
Tuberkulose kann in vielen Fällen
durch eine rein konservative Heilstättenkur
 zur völligen Vernarbung
gebracht werden. Mit Offenwerden
des Lungenprozesses, d. h. mit Eintritt
der Ansteckungsfähigkeit, sind die
Heilungsaussichten schlechter geworden.
 Die Aufgabe der Lungenkranken-Fürsorge
 besteht also darin. den Kranken
 so früh als möglich in Betreuung
 zu bekommen, um ein Offenwerden
 zu verhüten. bzw. die offene
Tuberkulose durch enisprechende
aktive Therapie in eine geschlossene
zu liherführen

Wann kann von einer rechtzeitigen
Erfassung gesprochen werden?
Eine rechtzeitige KEriassung liegt
erst dann vor, wenn der Tuberkulöse
der Fürsorgestelle zu einem Zeitpunkt
bekannt wird, in dem er noch nicht
ansteckungsfähig ist. Somit
hängen alle Erfolge der
Tuberkulose - Bekämpfung
einzig und allein von der
“rühzeitigen Erkennung der
Lungentuberkulose ab

Um möglichst viele Früherkrankungen
 zu gewinnen werden durch die
Gesundheitsfürsorgerinnen im Hause
eines jeden Offentuberkulösen sämtliche
 Familienmitglieder, Arbeitskameraden,
 Bekannte usw. der röntgenologischen
 Untersuchung zugeführt.
 Diese Umgebungsüberwachung
wird so lange durchgeführt, bis eine
tuberkulöse Ansteckung nicht mehr zu
befürchten ist.

Außer der Umgebungsuntersuchung
dient zur Ermittlung der Frühfälle
bei Schulkindern die Einreibung mit
Tuberkulinsalbe, die eine einmal
stattgehabte Infektion mit Tuberkulose
 anzeigt. Die sogenannten „Moro
positiven Kinder” werden
röntgenologisch untersucht und im
Falle der Erkrankung fürsorgeärztlich
 erfaßt. Bei Feststellung einer
Lungentuberkulose erfolgt sofort die
Fürsorgebetreuung, sowie die Ermittlung
 der Infektionsquelle und die
ausgedehnte Umgebungsuntersuchung.
Zu diesen Umgebungs-Exponierten
kommt noch eine große Anzahl von
Personen, die durch das Befallensein
ma einer anderen Krankheit besonders
 gefährdet sind. Unter diese, zu
Lungentuberkulose disponierenden
Erk. ankungen, fallen vorwiegend:
T :berkulose anderer Organe, besonders
 die isolierte nasse Rippenfellentzündung,
 Staublunge, Zuckerkrankheit,
 Lungenabszeß und Asthma
Oronchiale

‚Arheit und Wohlfahrt des Saarlandes

Im Hinblick auf die Wicht:gkeit der
Früberfassung der Lungeniuberku-Ose
 wird auf eine mögliche
Aenderung des Gesetzes zur
Meldung ‚ übertragbarer
Krankheiten hingewiesen. Z. Zt.
wird in unserem Lande jede Erkranzung
 und jeder Verdacht einer Er«-srankung
 an ansteckender Lun zenınd
 Kehlkopftuberkulose Haut- und
Tuberkulose anderer Organe, semeijet,
 Eine vollständige Fruüh->rfassung
 jeder aktiven ({ortschreitenden
 Tuberkulose kann nur
lurch Ausdehnung der Meldepflicht,
 auch auf die
nicht ansteckende, aber
ıktive Tuberkulose. BeWÄNTleistet
 sein. Wir sind überzeugt. daß
Yeser Forderung auch in unse:em
Lande bald Rechnung geirazen wird
zumal Früherfassung Verhütung der
Ansteckungsfähiz eit, und somi{1
Schutz vor Weiterverbreitung bedeuet.
 Das Bekanntwerden der nicht ansteckenden
 Tuberkulösen gibt auch
lem Gesundheitsamt die Mög] chkeit,
"echtzeitig die sozialen Hilfsmaßiahmen
 für die Kranken einzueiten.


Leder ist die Verhütung der
Ausbreitung der Tuberku-‚Oseseuche
 sehr schwer. In
Anbetracht der teilweise noch sehr
Nangelhaften Wohnverhältnis:e ist
ine große Gefahr der Krankheitsibertiragung
 gegeben. Das Problem
jer Wohnungsnot ist eng mit
jem Tuberkuloseproblem verkeitet
Wenn auch durch den Bau von Siedungswechnungen
 eine Hilfe im Kampf
zegen die Tuberkulose gegeben ist
30 ist die Wohnungsfrage heute leide
ıoch das schwärzeste Kapitel in der
Bemühungen der Lungenkrankenfür
;orge, denn, soweit wie irgend möglich
muß jeder Tuberkulöse in seiner
Forderung nach hygienischen
Wohnverhältnissen. unterstützt
 werden. Die Schaffung
hygienisch einwandfreier
Wohnungen ist immerhin
ım ein Vielfaches billiger,
als die Dauer unterbringung
ijer Tuberkulösen in Krantzen-
 oder Siechenhäusern
\ußerdem ist die Asylierung Schwerzranker
 in unserem Lande. infolge
ler geringen Bettenzahl, mit erhebichen
 Schwierigkeiten verbunden, so
ijaß die Trennung der schwerkranken
Dffentuberkulösen von seiner stark
zefährdeten Umgebung oft eine außerordentliche
 Härte für das Einzelschicksal
 bedeutet, Trotz eifriger Bemühungen
 unserer Gesundheitsimter
zefährliche Bazillenstreuer durch
Interbringung in geeigneten Kranzenanstalten
 zu isolieren. ergibt de
Statistik. daß über 100 Kranke in

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nserem Lande zurzeit noch nicht ge.
nügend asyliert sind und eine große
Gefahr für ihre Umgebung bedeuten


Nach dem Reichsseuchengesetz wird
iurch die Tuberkulose-Fürsorge eine
kostenlose laufende Desin fektion
und beim Erlöschen der Infe!ır9 9
quelle eine Schlußdesinfekiior 17 m
geführt Eigens für Wäsche UG de
<leidungsgegenstände geeignele Sinfektionsmittel
 können von den Anzehörigen
 des Erkrankten kostenlos
oei der Lungenfürsorgestelle abgeholt
werden.

Zur Verhütung der "7 iterverbreiung
 der Tuberkulose seien ff“ ner
lie laufenden Röntgen-Reihen.
kontrollen derjcn 2en Pers en
?rwähnt die im Lebensmittei.-zewerbe
 beschöftigt sınd. Fisver«
zäufer, Metzger, Bäcker und as
Personal der übrigen Leb:n mı: Ol=Jetriebe,
 werden einmal °h ich
‘öntgenologisch untersucht. Rei der
Feststellung eıner anst.c':e den
Tuberkulose erfolgt sofortige Hıra vv.
ziehung aus seinem Beruf durch Meldung
 an das Gewerbeamt. Mach
[rühzeitiger Erfassung des Frirar n
ınd dessen Ausheilung kann ene
Wiedereinstellung bei dauernder Kon-Tolle
 durch die Lunvsenfürsorse er-‘olgen,
 Ansteckungsfähige Lehr3:r:0oıen
 Oder Schulkinder werden bis zur
Gesundung vom Schulbesuch fen e->alten.
 Angestellte und Beamte mit
Publikumsverkehr werden im Ein“ re
ıehmen mit dem Arbeitgeber auf eire
Dienststelle versetzt, bei welcher die
Gefahr. ih - Lurngentuberkulose auf
ihre Umgebung zu ühertrascn, austeschaltet
 wird

Leider herrscht in Laäsekrescnh
noch eine mangelhafte, teilweise so-ar
irrtümliche Vorstellung über das
Wesen der Tuberkulose, Die Auffassung,
 daß der mit Tuberkulose Behrf.
tete möglichst unerkannt unter s’inen
 Mitmenschen untertauc’ en
soll, ist ebenso unsinnig wie vorantwortungslos,
 Die Luns >nkranken
 - Beratungsest ‘’'en
arziehen den kranken Menschen zu
ziner gesunden und vernünftigen Ansicht
 über sein Leiden, Weit entfernt
von übertriebener Aengstlichkeit. soll
der Tuberkulöse im Verk2i, mit seiner
 Umwelt bedacht und v =“ unftmäßig
 handeln. Eine offene ingentuberkulose
 wird bei der Feststellung
selbstverständlich dem Erkrankten
mitgeteilt. Zugleich erfolgt die Aufklärung
 über das Wesen seiner
Erkrankung und die Berat vg
über das notwendisce, zwechm5" ve
Verhalten. Durch Geheimhalten e'ner
ansteckenden Tuherkulose würde
nicht nur dem Kranken sandern auch

W. MERL
Metallgesellschaft m. b. H., Saarbrücken 3
Büro: Kantstrasse 5 Telefon 536861 —- 5362
Werk: Brauerstrasse 14-—16 mit Gleisanschluss
Metallarosshande! —- Metallschmelzwerk — Metallgiesserei
            
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