Full text : 2.1949/50 (0002)

gespeist wurde, handeim konnte, Ortsbesehungen
 Neßen den Verdacht anfkommen,
 daß die im Abwasser führenden
 Straßengraben verlegte Wasserleiing
 gebrochen war, Durch Wassermangel
 traten in der Leitung und
im Zwischensammelbehälier erheblich
Pruckschwankungen auf, Die Leitung
selbst hatte ursprünglich die normale
übliche Verlerungstiefe, jedoch war
dureh Erosion die Tiefe der Verlexung
im Laufe der Zeit his zu 20 bzw, 30 em
yerringert worden, Kine im Zwischennehälter
  entnommene Wasserprobe
wurde mit Membhranfiltermethade un-‚ersucht
 ne ervahb am zweiten Tag
den Nachweis von Paratyphus-D-Bak--erien.
 Schon hei der Ortshesichtieung
wurde Aureh den zuständiven Kreisarzt
 veranlaßt, daß der in Frage kommende
 Endstrane an «der Ahzweigung
des Hauptstranges freivelest und ahreschnitten
 wurde, Spätere Feststellimzen
 ervahen dann, daß, trotzdem keine
Wasserzufuhr in «den KEndstrang mehr
stattfand. dieser sich immer wieder mit
Irühem Wasser füllte, das durch einen
Bruch oberflächlich in die Leitung eingelrunzen
 sein mußte, Somit lasven
schon am 1. Tag Ursache und Aus'ehnune
 der Kpidemie fest.
Mit der Ortspolisxei wurden nun folsende
 seuchenhygienische Maßnahmen
festgelegt:
ij. Ahsolute Iolierunz des aanzen
Straßenzuges (polizeiliche Veber- wachung),

7 Versammlunesverbet für den ganzen
 Ort, Schulverbot uml Kirchbesuchverhot
 für «den hefallenen
Ortsteil,
3. Ahlierernnzsverbot von Milch,
Olet und Gemüse für den yanzen
Ort.
1 Versorgung des ubresperrten Ortsteils
 mit Trinkwasser durch Wasserwaren,.

5. Strengste Abkochvorschrift für den
übrigen Ort,
x Lebensmittellieferung unter Ausschaltung
 direkter Berührung durch
ein ylücklicherweise im Sperrgebiet
 vorhandenes Lehensmittelgeschäft.


Die Lebensmittel werden in von die-‚m
 Geschäft bereitgehaltenen Körben
Mer Gefäßen in Empfang genommen,
Die Anlieferer kommen mit niemand
n Berührung.
Am selben Tag wurde Phagogene
4, N. CC. — Aerosol angewenJet, Aus
Materialmangel konnte zunächst aur
äamal täglich vernebelt werden, bis
sach zwei Tagen genügend Phagogene
rorhanden war, so daß zweimal täglich
sine Vernebelung durchgeführt werden
konnte und zwar wurden die Zimmer
Mit den Kranken und in der Nähe liezenden
 Gelasse, sowie Familienangehöge
 ausgiebig dem Aerosol ausgesetzt.
Dazwischen wurden auch Bebhandlungen
 der Flächen mit Phagogene-Spritz-Pistole
 durchgeführt, Selbstverständich
 mußten die Desinfektionsmaßnahnen
 zur Desinfizierung der Hände der
Kranken und der Pfleger,” sowie die

*omlahrt_des Saarlandes”

jesinfektion der Ausscheidungen, die
)jesindektion der Hauskläranlagen und
les Abwassergrahbens mit Hille von seöschtem
 Kalk täglieh durchgeführt
’erden, Diese Desinfektionamethoden
önnen nicht durch die Phagogene-'‚ernehrlungsmethnde
 ersetzt werden.
jei täglicher Durchführung dieser
Taßnalımen trat nach 4 bis 5 Tayen
ei Jen meisten der 20 Erkrankten beeitx
 eine wesentliche Besserung mit
larem Temperaturabfall und Appetitteigerung
 ein. Leılielich zwei Neurkrankumgen
 traten noch in den beien
 ersten Tagen hinzu, die aber ebenals
 nach 4 his 5 Tayen entfebert und
vesenilich vehessert waren, <o daß nach
täyirer Vätirkeit die Kpirtlemie als ab-’‚eschlo=sen
 und heherrscht hefrachtet
verden konnte,
Mit ausschlauzchen«d für die Möyheheit
 der Anwendung «dieser neuen Meanden
 und den Erfolge war jerloch die
Adntorisiernne der Orvane ‚der Öffent-‘chen
 Gesumdheitshehörden. die ein sonrtiyes
 Kinereifen md die tägliche
Tehberwachumez und Veberprüfung erst
arme iehten.

Diese Para yphus-B-Epidemie, bei der
hagerene als Aerosol angewendet
vurde, zeit in ihrem Ablauf zroße
‚ehnlichkeit mit der Gärtner-Epidemje
2 unserm Tierstall, die wir durch Pha-‘oeene-Kinsatz
 in «drei Tagen abstop-‚en
 könnten, A
Auch beim Eiasatz des neuen Phaogene
 HA. N, C.-Aerosols während
iner Scharlachepidemie in einem Waienhaus
 konnten wir ähnliehe Ergebisse
 wie hei der Paratyphus-B-Epideie
 erzielen. Am 13, 6. 1950 trat dort
je erste Seharlacherkrankung auf, Die
‚ächste Erkrankung begann am 17. 6.
050. Dann crfolgte eine Raffung der
irkrankunesfälle in der letzten Jumizoche,
 so daß feststand, daß ein Epiemiestadium
 herrschte, Die Ahgrenung
 der Epidemie bog in diesem Falle
‚eine Schwierigkeiten. da abgenommen
verden konnte, daß alle Anstaltsinsasen
 gleichermaßen krankheitsverdächig
 waren; es wurde also eine strenge
‚usgehsperre und die bisher üblichen
fethoden zur Händedesinfektion eingeetzt.
 Die Erkrankten wurden in statioäre
 Krankenhausbehandlung gegeben
x so isoliert.
Scharlach als Virus- und Streptocoeeninfektion
 wird neben Kontakt hauptächlieh
 als Tröpfeheninfektion durch
ie Luft übertragen. Hier ist der Einvirkungsmechanismus
 des Phagogene
I. N. C.-Aerosols als spezifisch anzuehen
 und der Einsatz des Verfahrens
schien besonders erfolgversprechend.
Am 30. 6. 1950 wurden alle noch im
Vaisenhaus anwesenden Kinder . im
‘Braum versammelt und zweimal tägieh
 eine Stunde lang dem Phagogenejebel
 ausgesetzt. Zugleich wurde das
-anze Haus zweimal täglich aerosoliert,
*ßböden, Schubladen, Spielzeug und
'ußleisten mit Phagogene-Spritzpistole
‚esinfiziert, Diese Maßnahmen wurden
jrei Tage hintereinander durchgeführt.
Später wurden dann nur mehr täglich

_Seite _109

ille Räume des Hauses aerusoliert, olae
laß dabei «die Kinder eine Sinnde jang
lein Nebel auszesetzt wurden. Nach
ner Zwischenkontrolle wurden, da
ach einige Kinder aaf Streptococeen
wsitiv waren; ‘die Kinder nochmals
“ne Stunde ‚lem „Aerosolnehel von
agogene ansgeseizt, Bei diesen Maßıahmen
 trafen keie Nenerkrankungen
yehr auf.

Wenn wir alı letzten Erkrankungsfahl
20), 6. 1950) die hei Scharlach übliche
nkubationszeit von 7 bis 10 Tagen errankungsfrei
 überstanden haben, kön.
jen wir heute abschließen) sazen, daß
vir dureh alleinigen Finsatz des Phazogene-
 Aerosols slimse Hausepiemie an
Scharlach erfolgreich bekämpft haben.

Hier lagen, wie vorstehend schon ervähnt,
 durch «den Uebertragungsmodus
ler Scharlach hedingt, die KEinwir-‚ungsmöglichkeit
 «des A\erosols günstiver.
 als dies hei Erkrankunzen der
"yphus-Paratyphus-Enteritidis - Gruppe
ler Fall ist. Auch hier scheint, wenn
vir das restlose Sistieren der KErkrannngsfäHe
 nach Einsatz des Pharogene-\erosols
 beachten, eine desinfizierende
Virkung auch auf den Organismus
tattgyefunden zu haben. Diese Paralelität
 unserer bisherigen Beohachtun-‚en
 gibt uns Anlaß, an eine therapeujsche
 Wirksamkeit des Phazocene
1 N. CC zu denken.

Diese Annahm. bedeutet einen weentlichen
 neuen (jesichtspunkt in der
zanzen Seuchenhekämpfung und stellt
jas Desinfektionswesen anf eine neuere
virksamere Basis und macht diese
anze Organisation zu einem wichtigen
Ygemein- und stantsmedizinischen In-Irument,
 dessen vorhbeuzende um heiade
 Tätigkeit vielen Menschen und
mit dem Staate selbat zugntekommt
Beitragsermässigung für Lehrlinge
Der Arbeitsminister des Saarlandes
at mit Zustimmung des “Sozialpoliti«
chen Ausschusses des Landtages angerdnet,
 daß mit Wirkung vom 1. Juli
950 ab der Beitrag zur Kasse für
'amilienzulagen für Lehrlinge, Anlerninge
 und Praktikanten von 14 %s auf
' 8/4 Prozent des Grundlohnes herab-'jesetzt
 wird. Diejenigen Arbeitgeber,
ür deren Beschäftigte die Beiträge nach
‚ohnstufen berechnet werden, können
je neuen Gesamtbeiträge für Lehrlinge,
\nlerniinge und Praktikan:en aus der
eit l. 1. 1950 gültigen grünen Beitragsabelle
 ‚der L.V.A, ablesen, und zwar
ınter Zuhilfenahme derjenigen bisjerigen
 Beitragsgruppen, die in der
»rozentualen Höhe des Gesamtbeitrags
len neuen Beitragsgrupper für Lehringe,
 Anlernlinge und Praktikanten entprechen.
 Diejenigen Arbeitgeber, für
leren Beschäftigte die Beiträge nach
lem wirklichen Arbeitsverdienst berechjet
 werden, erhalten durch besonderes
Schreiben der zuständigen K.V.A. AufıJlärung
 darüber, wie die neuen Beiträge
ir Lehrlinge, Anlernlinge und Prakikanten
 zu errechnen und in den monatichen
 Beitrags- oder Lohnnachweisun-;en
 zu erfassen sind.

Do u nz ———
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