Full text : 1.1948/49 (0001)

Jahrgang 3 Nr. 2

pichts anderes als die ehemalige Gezamtleistung,
 von der sie sich in der
Höhe kaum unterscheidet. Durch die
knappschaftliche Rentenversicherung
hat sich micht nur verwaltungsrechnerisch
 eine Vereinfachung ergeben,
sondern sie ist auch psychologisch von
Bedeutung. Insbesondere hörten die
ständigen Klagen und Beschwerden
der Rentner auf, die es als Unrecht
ansahen, wenn bei Gewährung der
invalidenrente. der knappschaftliche
Grundhetrag wegfiel und der knappschaftliche
 Steigerungsbetrag KEkürzt
 wurde.
Die Aufwendungen in der knappsehaftlichen
 Rentenversicherung sind
relativ viel höher als in der Invaligenversicherung
 oder Angostelltenversicherung,
 Dieser: Umstand ist
nicht. allein auf die Doppelversicherung
 der Bergarbeiter, sondern auch
auf das größere Risiko im Berghau
zurückzuführen. Die schwere Arbeit
and ‚die ungesunden Arbeitsbed’nsungen
 in der Grube brimzen es mit
sich, . daß. die Berufsunfäh‘gkeit mit
stwa 50 Jahren eintritt.” Der‘ Bergmann
 ist dann zwar nicht erwerbsonfähilg,
 es ist ihm aber in diesem
Alter rmheist nicht möglich, ‘in einem
anderen Beruf unterzukommen, so
daß er auf Gelegenheitsarbeiten anvewiescn..
 ist. Jedenfalls wird er in
der ‚Regel ein weit geringeres Einkommen
 haben als bei Ausübung
seiner Berußfsarbeit. Allein auf die
Zigenart seincs Berufes ist. es zurückzuführen,
 daß der Bergmann bereits
m rüstigen Alter seinen Lebenshberuf
aufgeben muß. Es ist daher billig
and sozialpolitisch notwendig, für ciacn
 finanziellen. Ausgleich zu sorgen
der so bemessen sen muß, daß deı
berufsunfähige Bergmann zumindesi
ain bescheidenes Auskommen findet
Diesem Zweck ‚dient .die Knappschaftsrente,
 die insoweit den Charakter
 einer Lohnausgleichsrente hat
Bei Eintritt der Erwerbsunfähigkeit
 oder bei ‚Erreichung des 65, Lebensjahre
 erhält der Bergmann die
Kprappschafisvollrente, die ihm den
weiteren Lebensunterhalt zewährleisten
 söll. Auch für die Hinterbliebenen
 muß in entsprechender Weise £0-sorgt
 werden, zumal die Berufsge-"ahren
 im Bergbau häufiger als sonst
ien Tod des Versicherten in frühetem
 Lebensalter bedingen. Die Reg2-lung,
 wonach die Witwen- und Wailscnrenten
 naeh‘ dem Tod des Vers’cherten
 ohne weiteres zu gewähren
Sind, ist von alters her überkommen.
 Die Witwenvollrente wird. gezahlt
 unter den gleichen Bedingunven
 wie die Witwenrente in er
Invalidenversicherung.
In der knappschaftlichen Rentenversicherung
 beläuft sich die Zahl
der Versicherten auf rund 68400, die
Zahl der Rentner auf rund 61 6080.
Dieses ungünstige Verhältnis hat seinen
 Grund in der Ueberalternug derBeo-‚egschaft.
 In früheren Jahren’ ist nicht
immer für einen : gleichmäßigen
Nachwuehs ‚auf den Gruben gesorgt
worden. Im allgemeinen war das
auch Sar nicht‘ möglich. da die jugendlichem
 Arbeiter sieh anderen
Berufen zuwaändten. Die Bereitwilligkeit,
 Arbeit im Bergbau aufzuneh«
men, ‚richtet sich danach, inwieweit
Yılnaliena Taheanchedineunnegen filtr dan

‚Arbeit und Wohlfahrt des Saarlandes"

Seite 23

iktiven Bergmann und eine zufrietenstellende
 Versorgung im Falle der
Zerufsunfähigkeit und der Invalidiät
 geboten werden. Gerade auf die
/’ersorgung wird im Saarland, wo es
ich um eine bodenständige Bergırbeiterbevölkerung
 ‚handelt, besonierer
 Wert gelegt. Bei der heutigen
\lterszusammensetzung der Belegchaft
 wird die Zahl der Rentner
ıöoch weiter ansteigen, ferner ist ein
;rhöhter Zugang von Kyriegshinter-»liebenen,
 insbesondere solchen, wo
ler Ernährer vermißt ist, zu crwaren.


nissen wird der Durechschnittsentgeld
für Neuzugänge von Renten im Verlauf
 von 30 bis 35 Jahren auf 229006
Frs. steigen, wobei davon ausgesanzen
 ist, daß V/m der Belegschaft (Unlertagearbeiter)
 mit einem Durchschnittsilehn
 von annähernd 25 000
Frs. und vw der Belegschaft (Ueboerb+agcarbeiter)}
 mit einem Durchschnittslohn
 von 15000 Frs. vor
sichert sind. Der Durchschnittsentgelt
 für den Rentenbestand wird mi{f
Rücksicht auf die Bezugsdaucr der
Renten die gleiche Höhe erst 15 bis 20
Jahre später erreichen. Im gleicher
Verhältnis wie der Durchschnittsentzelt
 erhöhen sich auch die Aufwenlungen
 der Kasse, so daß sich — imner
 bei unveränderten Voraussetzunzen
 --—- die Belastung der knappschaftlichen
 Rentenversicherung in 5
Jahren nahezu verdoppeln würde.
Weiter ist noch zu berücksichtigen.
Aaß die Belegschaft überaltert ist und
Jaher die Zahl der Rentnez anwachsen
 wird Die aus den überalterien
Jahrgängen hervorgehenden Rentner
werden aber allmählich wirder ausscheiden
 und durch Rentner aus der
schwächer besecizten Jahrgängen Crjetzt
 werden. Dann wird eine rück-Aufige
 Entwicklung einsetzen. wOlurch
 etwa zwei Jahrzehnt: lang die
Ausgaben ständig zurückgehen wWwTricn,
 denn die Entlastung durch den
Rückgang der Zahl der Leisungsampfänger
 wird gegenüber der durch
die Erhöhung des Durehschnittsentgelts
 bedingten Mehrbelastung bald
überwiegen. Der Wendepunkt ist im
etwa 20 Jahren zu erwarten. Bis dahin
 wird sich der Durehschnittsentrelt
für den Rentenbestand auf 19 000 Frs,
belaufen und die Zahl der Rentner
wird schätzungsweise um 15 Prozent
zugenommen haben. Das bedeutet in
20 Jahren eine Renienlast, die um
stwrg 20 Prazent höher liest ala heute

Durch die Zunahme .der Zahl deı
lentiner werden die Aufwendungen der
cnappschaftlichen Rentenversicherung
teigen. Die Belastung wird dartiber
 hinaus noch weiter wachsen.
la sich die Renten im EinzeMall allnählich
 erhöhen. Die Höhe der Reat:
‘ichtet sich nach ‚dem ‚Entigell, da:
ıer Versicherte während seiner gan-‚en
 Versicherungszeigt verdient hat
der für die Rentenberechnung maß-:cbende
 Lohn ist für die Zeit vor
em 1. 7. 26 auf 150 RM = 9000 Frs.,
om 1. 7. 26 bis 31. 3. 35 auf 175
IM = 10500 Frs. festgesetzt, Für
lie Zeit nach diesem Termin wird
ler wirkliche Lohn zugrunde gelegt
nd.zwarc ab.l. 4, 35 bis höchstens
50 RM — 15000 Frs, ab 2. 4 38 bis
zöchstens 400 RM -— 24000 Frs., ab
0. 11. 47 bis höchstens 25000 rs.
Für einen Versicherten, der 30
Dienstiahre zurückgelegt und immer
ien höchsten Lohn verdient hat, be-;rägt
 der Durchschnittsentgelt auf
Arund der vorstehenden Zahlen:
Ende 1938 rund 10 509 Frs.
Ende 1948 vund 15500 Frs
Ende 1958 rund 20 700 Frs
Ende 1968 rurd 24700 Is.
Ende 1978 .... 25000 Frs,
Bei sonst slaichhleibenden Verhäh:-Laufender

 Fehlbetrag von 63 Mill. Francs

Die Lage der _Knappschaftlichen
Icntenversicherung hat sich in den
eizten Monaten ungünstig entwickelt.
Frotzdem sich die Beitragsuinnahmen
schöht haben, sind seit August erhebiche
 Fehlbeträge aufgetröien. Teils
turch die zunehmende Zahl der Rentıjer,
 in der Hauptsache aber durch
‚eistungsverhbesscrungen sind herächtl
 che Mehraufwendungen enttanden.

Der Umrechnungskurs für die Ren-*en
 wurde rückwirkend ab 1. Ma‘
auf 1 RM -— 60 Frs. festgesetzt, Vorher
 sind die Knappschaftsrenter
und die Witwenrenten mi: 1 RM =
38,5 Frs., die Knappschaftsvollren-:en,
 die Witwenvollrenten und die
Waisenrenten mit 1 RM — 45,5 Frs
umgerechnet worden, Die Mehrbelastung,
 die sich aus der Rentenarhöhung
 ergibt, stellt sich auf moıatlich
 60 bis 70 Millionen Frs,
Zur Zahlung der Ausnahmezulage
war ein Beitrag von 54 Millionen
7rs. erforderlich. .
im’ September wurden ‘ rund 100
Millionen‘ Frs. über die CARTAF
n die westlichen Besatzungszonen
gezahlt. Außerdem ist eine Beiiragserstattung
 von rund 121 Miil-Sarnen
 Fre. veralsgahrf, die von der

Regie des Mines von den. Beitrassüberweisungen
 einhehalten worder
sind.
Im November wurde mit der AuSzahlung
 des Knappschaftzsoldes be-Zzonnen.
 Soweit sich übersehen 185%
kommt der Knappschaftasold m
Frage für eiwa 10080 Altrentner
rückwirkend ab 1. 1. 1948 und für
etwa 2400 -Neuzugänge, für die mit
einer 6monatigen Nachzahlung zu
rechnen ist. Da der Knappschaftssold
 3600 -Frs. monatlich beträgt
ergibt sieh bis Ende 1943 eine Belastung
 von rund 86 Millionen Frs
Die laufende Belastung stellt sich
auf rund 1] Millionen Frs, manat
lich.
Eine weitere Belastung wird durch
lie Verschollenenrenten verursacht,
deren Dachträgliche Zahlumg jetzt
aufgenommen wird, Insgesamt handelt
 es sich um eiwa 2500 Fälle, in
denen mit der gleichen Kinderzahl
gerechnet werden kann. Nimmt man
sic Witwenrente durchschnittheh
Mit 1300 Frs. .an, zu der die Walsenvente
 mit ebenfalls 1500 Frs. kommt,
so erhält man eine Monatsausgabe
von 7,5 Millionen Frs. oder eine
Jahresausgabe von 80 Millionen
Ye Faha die VarschnHenenrenien
            
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