Full text : 1.1948/49 (0001)

_ Seite 168

„Arbeit und Wohlfahrt des Saarlandes“

Aufwendung in der Kriegsopferversorgung
Aufwendungen für die Kriegsbeschä- Aufgliederung der Zahl der Kriegsligten,
 Kriegshinterbliebenen und gleich- beschädigten nach dem Grade der
gestellten Personen im August 1949: Erwerbsminderung:
Kriegs- 21612 64 481 593,— Frs. MAE. 20 v. H. = 6609
Rentenver- Zahlder Aufgewendete 5 A
sorgung: Reniner: Summen: 3 135
Kriegs- 2.008
beschädigte 21612 64 481,593,— Frs. 740
Witwen und 48
Witwer 22944 114 957 026,— 408
Waisen 27264 54119 806,— -  -Elternver-
 Summe: 21612
sorgung 6762 19173 306,— „
Heiltürsorge:

rn

serichtigung
in der in Nr. 9 unserer Zeitschrift
vom August veröffentlichten Aufstelung
 über die Aufwendungen in der
Kriegsopferversorgung ist ‚ein Druck-’ehler
 enthalten. Es muß selbstverständlich
 Juli 1949 und nicht 1948 hei-3en.
 D. Red

Heilverfahren 1 366 873,— Frs.
Orthopädische Heilmaßnahmen
 7711242, —
Sonstige Ausgaben 2201 400,—
957 071 246.— Ts.

Das Lohnproblem in Frankreich

im Mittelpunkt der französischen
Regierungskrise steht das Lohnproblem.
 In allen Kreisen der französischen
 Oeffentlichkeit herrscht Einmütigkeit
 darüber, daß die Kaufkraft
 der Massen und vor allen
Dingen die der arbeitenden städtischen
 Bevölkerung unzureichend
ist. Der Lebensstandard der breiten
Bevölkerunsschichten erreicht zur
Zeit kaum 65 Prozent des Vorkriegsstandes.
 Er ist also um etwa ein Drittel
 niedriger als vor dem Kriege, wo
er auch bereits als gering angesehen
wurde. Die Folge dieser Tatsache ist
naturgemäß eine außerordentlich
starke Schrumpfung des inneren
Marktes, die auch zu einer Verminderung
 der Staatseinnahmen führte, obwohl
 die in Frankreich zu zahlenden
Steuern recht erheblich sind. Gerade
die Tatsache, daß die Steuerlasten von
weiten Kreisen des Bürgertums als
zu drückend empfunden werden, hat
nicht wenig dazu beigetragen, diese
Kreise dem republikanischen Staate
zu entfremden und reaktionären und
szaullistischen Kreisen zuzuführen

äZrhöhung nicht möglich mache, ohne
zleichzeitig die Gefahr einer neuer
nflation heraufzubeschwören. Inflakon
 würde aber alle Fortschrifte
HNusorisch machen, die im letzter
’ahre auf wirtschaftlichem und finan-%ellem
 Gebiete erzielt wurden und
lamit auch die Lage der Arbeiter-;chaft
 verschlechtern, statt ihnen eine
/erbesserung ihrer Situation zu brin-/jen.
 Man sei grundsätzlich für die
Jebung der Existenzbedingungen deı
Arbeiterschaft. Diese sei jedoch nu
Nöglich durch Steigerung der Proluktivität
 der französischen Wirtichaft
 und Ausdehnung des Exports.
&s ist klar, daß diese Auffassungen
>raktisch auf eine Ablehnung der
.ohnforderungen hinauslaufen. Wie
nan Sieht, bedienen sich die Linke
ind die Rechte in dieser Angelegenıeit
 zweier verschiedener Spracher
ınd bekanntlich ist es unter derırtigen
 Gegebenheiten immer schwieig,
 eine Verständigung herbeizuühren.

Es gibt zur Zeit in Frankreich etwa
.1 Millionen Lohnempfänger, von
lenen etwa 5 Millionen weniger als
15000 Franken im Monat verdienen
Yon diesen 5 Millionen haben abeı
nindestens 10 Prozent nur ein Eintsommen
 von unter 12000 Franken.
Zs ist klar, daß diese Bevölkerungs-:cChicht
 nicht in der Lage ist, ihre ma-‚eriellen
 Bedürfnisse zu befriedigen.
Sie ist mit schwerwiegenden Nah-'ungs-
 und Kleidersorgen belastet, die
jurch eine langsame aber ständige
irhöhung der Preise noch gesteigert
verden.

ist man sıch in allen verantwortchen
 Kreisen klar darüber, daß die
Löhne, die heute gezahlt werden, zu
niedrig sind und die Forderung nach
Jeren Erhöhung an sich berechtigt
ist, so gehen doch die Auffassungen
darüber weit auseinander. wie eine
Beseitigung dieses anormalen Zustandes
 herbeigeführt werden könne. Sagt
man auf der Linken: Erhöht die
Löhne, ihr stärkt damit den inneren
Markt und belebt die Wirtschaft, denn
dadurch würde die Industrie in die
Lage versetzt werden, ihre Produkdon
 zu steigern, so antwortet die
Rechte darauf: Eine Erhöhung der
Löhne sei nicht möglich, da dies zu
einer neuen Vermehrung des Bankaotenumlaufes
 führen würde, dessen
augenhlicklicher Stand eine weitere

Man schätzt das Gesamteinkommen
an Löhnen und Gehältern im französischen
 Staatsgebiet auf jährlich 3000
Milliarden Franken. Die Notmaßnahnen,
 die zur Zeit in Aussicht genommen
 sind, dürften ungefähr 8 Miljarden
 Franken an neuen Mitteln in

Jahrgang 1 Nr. M

Anspruch nehmen, Unter diesen Um.
ständen ist es eine unerlaubte Ueber.
treibung, wenn man behauptet. daß
die Durchführung dieser Maßnahmer
inflationistische Gefahren in sich birgt
Es muß aber betont werder, daß die
Aufschiebung von Hilfsmaßnahmen
durch die Regierung und das Parlament
 eine schwere soziale, wirtschaft.
liche und politische Krise hervorrufer
kann, und voraussichtlich auch hervorrufen
 wird, die mit weit größerer
Opfern für die Wirtschaft und der
Staat überhaupt verbunden wäre
Diese Krise könnte Folgen haben. dit
für die demokratische Entwicklung
des Landes die allergrößten Gefahrer
mit sich bringen.
Es ist im Interesse der Staaten un:
Völker nicht immer zweckmäßig, allzu
 engherzig zu sein, und unter aller
Umständen auf der Anerkennung alte,
Prinzipien und Rezepte zu bestehen
Der Schaden, der dad ırch angerichte:
werden kann, übertrifft häufig der
Nutzen. Und wer garantiert dafür
daß diese Rezepte in der jetzigen Si
tuation überhaupt noch wirksam sinn

Auslandsmeldungen

Arbeitslosenziffern in Westberlin
In Westberlin wurden am 15. Sep
tember 238937 Arbeitslose gezäh)
gegenüber 226654 am 31. August.

AFL-Gewerkschaftsbund
fordert verkürzte Arbeitswoche
Im Jahresbericht des ‚AFL-Gewerk
schaftsbundes (USA) wird die Verkür.-zung
 der Arbeitswoche und die Schaf-[ung
 von Arbeitsstellen für Arbeitslose
 gefordert. Zur Zeit ist allgemeir
die 40-Stundenwoche zu fünf 8-Stunlentagen
 anerkannt. Die Gewerkschaften
 haben zeitweilig von eine‘
35-Stundenwoche zu fünf 7-Stunden
tagen gesprochen.
Die Bedürfnisse des amerikanischer
Arbeitsmarktes
Aus Statistiken der Arbeitsmarkt
verhältnisse in den Vereinigten Staajen
 geht hervor, daß in den USA 7
Zt. 14000 Architekten beschäftigt unc
10000 noch in Berufsausbildung sind
Eine Arbeitslosigkeit ist in diesem Berufszweig
 in den komrhenden 10 Jah:
ten nicht zu befürchten, Ueber 6001
Keramik - Unternehmen ‚erforderr
jährlich 1000 Keramik-Ingenieure
Gegenwärtig gibt es aber nur 140‘
Keramik-Ingenieure. Desgleichen mangelt
 es an Zahnärzten, da die Zahl deı
zu behandelnden Personen ständig ir
Wachsen beegriffen ist

In den USA gibt es z. Zt. ca. 60 00
Augenleidende. 14000 geprüfte Op
liker üben augenblicklich ihren, Beru
aus, aber weitere 6000 sind erforder:
lich. Weiterhin mangelt es an Sekre
tärinnen und Stenographen, insbeson
dere solchen, die über Zgute Sprach:
kenntnisse verfügen.

He,ausgeber: Ministerium für Arbeit und Wohlfahrt, Saarbrücken 1, Alleestraße 15. Telefon 31 71, Apparat 12. — Pos
öcheckkonto: 5195 Saarbrücken. — Veran twortlicherSchriftleiter: Kurt Ernst Klaas. — Druck: Druck
Verlag „Volksstimme“ G. m. b. H., Saarbrücken 3. Schützenstraße Telefon 9955 u. 59 02. — Anzeigenverwaltun £ : Werbe
kunst E. Gebauer, Saarbrücken 3, Richard-Wagner-Straße 3. — Telefon 9408. Erscheinungsweise: einmal monatlich. -
Bezugspreis: 20.— Fra. monatlich zuzügl. Postzustellgehühr. —_ Auszugsweiser Abdruck nur mit Qunalle-anoaha aoctattet
            
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