V. Derwertung der Wasserkräfte an der
zu kanalisierenden Mosel.
Die Frage: „Wie kann die durch ein Wasserkraftwerk her—
gestellte mechanische oder elektrische Energie gewinnbringend abgesetzt,
d. i. als Ware verkauft werden?“ wird sich für jedes projektierte
oder neu hergestellte Krafterzeugungswerk von selbst einstellen. Bei den
hekannten großen Wasserkraftzentralen Süddeutschlands, der Schweiz
und Südfrankreichs war diese Frage meist noch ungelöst, als die
Werke bereits in der Bauausführung sich befanden. Die Erfahrung
hat jedoch erwiesen, daß sofort nach Fertigstellung und Inbetrieb—
nahme der Werke nicht nur der vollständige Absatz des erstellten
elektrischen Stromes eintrat, sondern eine weitere Nachfrage in
biclen Fällen dazu führte, auch die zunächst noch unbenutzte, un—
heständige Wasserkraft durch Einstellung von Hilfsdampfkräften zu
ziner beständigen und damit absetz- und verwertbaren zu machen,
also die ursprüngliche Leistung der betreffenden Werke zu erhöhen.
Aufgrund diefer Erfahrung darf daher wohl ohne weiteres
gefolgert werden, daß auch für die Moselkraftwerke der notwendige
Absatz der gewonnenen Kraft sich leicht und sicher einstellen werde.
Wenn für diese Werke, wie bei allen kanalisierten Flüssen,
der Umstand besonders ungünstig auf die Betriebskosten und damit
auch auf die Absatzfähigkeit des erzeugten, elektrischen Stroms ein—
virken muß, daß sie nur in einer größeren Anzahl von verhältnis—
mäßig kleinen Einzelwerken ausgeführt werden können, so wird doch
dieser gegenüber großen Kraftzentralen bestehende Nachteil reichlich
wieder dadurch ausgeglichen, daß die Moselwerke an einem schiff—
baren Strom auf eine Länge von etwa 300 km verteilt liegen,
sich daher gegenseitig ergünzen und aushelfen können und bei einer
Stromabgabe bis zu 20 Km Entfernung zu beiden Seiten des
Flusses ein Gebiet von etwa 12000 qkm mit billigem Strom
versorgen und beherrschen werden. Der volle Absatz der durch die
Moselwasserkräfte erstellten Arbeitsmenge ist demnach mindestens
ebenso wahrscheinlich wie bei anderen größeren Wasserkraftwerken.