Full text : Die rechtlichen und sozialen Verhältnisse St. Ingberts im 16. Jahrhundert

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Das Fimt Blicskastel (1339 - 1000).
Dieses umfaßte die ehemalige Grafschaft Blieskastel, welche sich nach
Auflösung der Gaugrafschaft im Bliesgau gebildet hatte.“? Der letzte Graß
von Blieskastel, Heinrich, starb ums Jahr 1235. Nach seinem Tode entspann
sich ein langwieriger und verwickelter Erbfolgestreit,“s der schließlich damit
endigte, daß Graf Heinrich von Salm die Grafschaft um die Summe von
20000 Livres an den Bischof von Metz verkaufte. Von diesem wurde sie
später an die Herren von Vinstingen um 611 Pfund Heller verpfändet, und
in der Folge die Auslösung der Pfandschaft dem- Erzbischof Balduin von Trier
übertragen.“ Dieser wollte auch im Jahre 1337 das Pfand einlösen, allein
nur Heinrich von Vinstingen überlies durch Vermittlung seines Burggrafen
Lamprecht Streuf von Castel am 14. Oktober 1337 seinen Anteil dem Erzbischof,“*
während seine Brüder Johann, Burkard und Ulrich von Vinstingen sich dessen
weigerten. Dies gab Veranlassung zur sog. Vinstinger Fehde, die schließlich
dazu führte, daß die drei letztgenannten Brüder die Burg Castel mit allen
Rechten an den Erzbischof Balduin und an das Erzstift Trier abtraten. Dies
geschah am 15. Juli 1339.56 Seitdem bildete die ehemalige Grafschaft
Blieskastel einen Teil des Erzstiftes Trier, der von Amtmännern verwaltet
wurde, weshalb man von dem kurtrierischen Amte Blieskastel spricht.“
) Ueber die Gaugrafschaft im Bliesgau vgl. Crollius, Orig. Bipont; Schulhz,
Der Bliesgau; über die Grafschaft Blieskastel vgl. Lehmann, Burgen u. Bergschlösser
V. Bd. S. 254 ff; Bettingen, Gesch. d. Stadt u. d. Amtes St. Wendel (1865) S. 38 ff.
Mit der Herkunft der Grafen von Blieskastel beschäftigt sich Dr. Witte in seinen ge—
diegenen „Genealogische Untersuchungen zur Geschichte Lothringens und des Westrichs II:
Das Haus Lunéville in seinen Verzweigungen“ im Jahrbuch d. Gesellsch. f. lothr.
Gesch. u. Altertumskunde VII, 1 (1895) S. S. 79—-127. Die beste Darstellung über
die Grafen von Blieskastel und den Blieskasteler Erbfolgestreit (bis 1284) bietet Toepfer.
Urkundenbuch von Hunolstein J. Bd. S. 291-308.
3) Vgl. die in der vorigen Anmerkung zitierten Quellenwerke.
) Lehmaun, Burgen V. S. 261.
»6) Dominicus, Baldewin von Lützelburg (1862) S. 401 f.: Streit mit den Herren
von Vinstingen. S. 401 Anm. 2. Mitteilungen des hist. Vereins der Pfalz V. 71875)
S. 82 (Zur Geschichte von Schallodenbach).
) Dominieus a. a. O. S. 402 Anm. 2. Bgl. S. 509.
7) Die Namen mehrerer Amtmänner finden sich bei Bettingen, Lehmann, Görz,
Regesten d. Erzbischöfe zu Trier (1839 51861) S. 92, 115, 215, vgl. auch oben Anm.
29 a u. 334. Aus der späteren Geschichte des Amtes Blieskastel erwähnen wir folgende
für die kirchliche Geschichte interessante Tatsache: Erzbischof Jakob J. erteilt der Geistlich—
keit in der Herrschaft Blieskastel das Privilegium frei zu testieren gleich der übrigen
Weltgeistlichkeit des Erzstiftes, wofür dieselbe zweimal im Jahre in die Kapelle vor der
Burg oder in die Pfarrkirche zu Blieskastel zum Gottesdienst tommen soll. 1450 donrst.
nach dem heil. Christtas. Görz a. a. O. S. 191. — In der Sickingischen Fehde
gegen das Erzstift Trier wurde in den ersten Tagen des Monats September 1522 auch
Blieskastel eingenonemen. Bettingen a. a. O. S. 56. St. Ingbert blieb sehr wahr⸗
scheinlich verschont. Denn Philipp Jakob von Helmstadt, der damals gemeinschaftlich
mit seinem Bruder die halbe Grundherrlichkeit zu St. Ingbert von Kurtrier zu Lehen
trug, war einer der Hauptmänner des im August 1522 zu Landau unter dem Vorfitze
von Franz von Sickingen gegründeten Landauer Bundes.
            
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