Full text : Deutsch die Saar immerdar!

Wasserverbindung mit dem französischen Kanalnetz über den Saarkohlenkanal
haben, daß aber dieses Gebiet, welches zum Rheinstromgebiet gehört, und
einen Teil der preußischen Rheinprovinz bildet, keine Wasserverbindung mit
dem Rheinstrom hat. In dieser Hinsicht erwartet die Stadt Saarbrücken,
wenn demnächst diese Frage in der deutschen OÖffentlichkeit zur Erörterung
und Enkscheidung kommt, die Mithilfe aller wahrhaften Freunde des Saar—
gebiekes.
Die kaufmännischen und Gewerbekreise der Stadt Saarbrücken haben im
letzten Jahrhundert, nachdem sie aus dem Idyll einer deutschen Kleinstadtresidenz
 herausgetreten sind, bewiesen, daß sie imstande sind, sich im modernen
Wirtschaftsleben in großzügiger Weise zu bekätigen, und sie sind bereit, das
auch in Zukunft zu tun. Möge ihnen dabei auch die Unterstützung aller Fak—
toren des Reiches zuteil werden. Gestützt auf diese Voraussetzung kann die
Stadt Saarbrücken getrosten Mutes in die Zukunft schauen.

Der Stand der Saarfrage.

„Sie haben gekämpftzehn Jahre und mehr, die Frei—
heit ward noch nicht errungen!“
Der Stand der Saarfrage zeigt wohl am besten, daß zwischen Worken
und Taten unzähliger Staatsmänner ein großer Unterschied besteht. Was
hat man in Genf, in Locarno für Worke vernommen über dauernden Frieden,
über Völkerverständigung, über die Versöhnung ehemaliger Feinde, über
Recht, Rechtsempfinden und Rechtswillen. Und dann kue man einen kleinen
Blick in dieses Ländchen an der Saar, das dem besonderen Schutz des Völker—
bundes unterstellt ist und eigentlich ein glückhaft Land sein sollke.
Wie ganz anders ist es geworden, als es der erste Präsident der Saarregierung,
 Herr Rault, einem Berliner Journalisten über die Zukunftsentwicklung
 des Saargebiets voraussagte, wie es in der ersten Proklamation dieser
Saarregierung an das ihr zu treuen Händen überankwortete Land hießß. Wir
suchen vergeblich nach dem Arbeiterstaat, wo Sozialpolitik, Arbeiksrecht,
 Lohnpolitik, wie überhaupt soziales Verständnis und soziale Tat in
höchster Vollendung nach den Gesichtspunkten des Völkerbundes und seiner
weitgesteckten Ziele festgelegt ist. „ Ein Armenhaus“ hat ein Arbeikerführer an
der Saar dieses unglückliche Völkerbundsländchen einst genannt und hat mit
diesen Worten am kennzeichnendsten den Stand der Saarfrage skizziert.
Die Entwicklung der Saarfrage hängt aufs engste mit der Entwicklung
der Rheinlandfrage zusammen. Als vor mehr als drei Jahren der Locarno—
oertrag abgeschlossen wurde, geschah es unter rhetorischen Begleitumständen,
daß man annehmen konnte, die Voraussetzungen, die die deutsche Regierung
bereits im Juli 1925 an den Abschluß eines solchen Aktes knüpfte, nämlich,
„daß das Zustandekommen des Sicherheitspaktes eine so bedeuksame Neue—
rung darstellen würde, daß sie nicht ohne Rückwirkung auf die Verhältnisse
in den besetzten Gebieten und überhaupt auf die Frage der Besetzung bleiben
dürfte“, würden eine Selbstverständlichkeit darstellen. Briand hat sich ge—

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