Gegenwarts⸗ und Zukunftsaufgaben der
Stadt Saarbrücken.
Zu diesem Thema macht Oberbürgermeister Dr. Neikes, Saarbrücken,
u. a. folgende Angaben:
Die Großstadt Saarbrücken trat durch Vereinigung der drei Saarsftädte
St. Johann, Saarbrücken und Walstattk-Burbach am 1. April 1909 ins Leben.
Sie begann ihre Tätigkeit mit einem großen Bau- und Entwicklungsprogramm,
das teils in den Eingemeindungsverträgen festgelegt, teils durch die
natürlichen Notwendigkeiten gegeben war. Dieses Programm umfaßte den
Bau von Schulen, Kanälen, Straßen, Schaffung von Straßendurchbrüchen,
Erweiterung von Eisenbahnunterführungen u. a. mehr.
Am 1. August 1914, als der Weltkrieg ausbrach, war nur ein ganz
geringer Teil dieses groen Bau- und Entwicklungsprogrammes ausgeführt.
Während des Wellkrieges ruhte naturgemäß jede größere Bautätigkeit der
Staͤdt. Ebenso machte es in den ersten Nachkriegsjahren die Unsicherheit der
politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Stadt unmöglich, an große
Bauaufgaben heranzutreten. Erst von 1923 an bot sich die Wöglichkeit, den
Ausbau der Stadt von neuem in Angriff zu nehmen. Wegen der Beschränkt—
heit der zur Verfügung stehenden Mittel hat die Stadt Saarbrücken bewußt
darauf verzichtet, Einrichtungen zu schaffen, welche zwar auf den Besucher der
Stadt einen starken Eindruck machen, aber nur an wenigen Tagen im Jahre
benutzt werden und bei denen das zu investierende Kapital nicht im rechten
Verhältnis steht zum NRutzen der Anlage für die Allgemeinheit. Hierunter
rechne ich den Bau eines Stadions, Bau von Messe- und Ausstellungshallen,
Bau eines Planetariums u. a. mehr. Die Politik der Stadt Saarbrücken
ging vielmehr dahin, die zur Verfügung stehenden Mittel im Rahmen der
steuerlichen Leistungsfähigkeit der Bürgerschaft konzenkriert zu verwenden
auf Anlagen, welche geeignet sind, die Entwicklung der Stadt zu fördern, die
Zukunft vorzubereilen und dauernd der Allgemeinheit zum Nutzen zu dienen.
So wurde zunächst der systematische Ausbau der Kanalisation der Gesamtstadt
in Angriff genommen. Sodann wurden die Hauptstraßenzüge und daran
anschließend die Rebenstraßzen mit einer modernen Straßendecke versehen.
Alle modernen Arten der Straßenbefestigung, wie Stampfasphalt, Walzasphalt,
Teermakadam, Asphaltmakadam und Beton sind neben den altbewährten
Methoden des Groß und Kleinpflasters in den letzten Jahren in Saarbrücken
in umfassendem Umfange zur Anwendung gekommen. Um die grüne Land⸗
schaft mitten in die Großstadt hineinzuziehen, wurden entlang der Saar Grünanlagen
geschaffen. Die Bebauung der Großstadt wurde aufgelockert und
neue Siedelungsviertel wurden außerhalb des bisherigen Weichbildes der
Stadt bis zu den Höhen beiderseits des Flusses vorgetrieben. In Alt-Saarbrücken
ist die Bebauung bereils auf die Hochebene nach der lothringischen
Grenze hin gelangt. Dort wird in den nächsten Jahren ein neues Stadtvierkel
erschlossen. Ein Rathausneubau ermöglichte es, den größten Teil der Ver—
waltung in einem Gebäude zu konzentrieren. Eine neue Volksschule schuf die
notwendige Entlastung für die Raumnot der städtischen Volksschulen. Der