zösische Staat jederzeit als Nebenanlagen der Gruben Volks—
schulen oder kechnische Schulen für das Grubenpersonal und die Kinder
des Personals gründen und unkerhalten und den Unkerricht darin in
französischer Sprache nach einem von ihm festgesetzten Lehrplan
durch von ihm ausgebildete Lehrer erteilen lassen“. Dieses ausgezeichnete
Annexionsmittel konnte sich Frankreich selbstverständlich nicht entgehen lassen
und bald entstanden überall „écoles françaises de l'Administration des Mines
Domaniales francaises du Bassin de la Sarre“. Auch hier gab es eine Reihe
von Gesinnungslumpen, Schwächlingen und Mitläufern, die um eines besseren
Fortkommens, Gehaltes oder um sonstiger Liebedienerei gegenüber den fran—
zösischen Brotherken willen ihre Kinder in diese Schule schickten, wo dieselben
weder richtig Deutsch noch Französisch, sondern überhaupt nichts lernten und
zum großen Teil verwahrlosten. Auf küchtigen Unterricht kam es ja auch
nicht an, sondern darauf, die Kinder ihrem alkangestammten Deutschtum zu
entfremden. Indessen hat auch dieses Annexionsmittelgänz—
lich versagt. Nachdem sich die Saarbevölkerung, deutschgesinnte Lehrerschaft
und Geistlichkeit zum einhelligen Abwehrkampf zusammengefunden
und die bergmännische Bevölkerung und Beamtenschaft
krotz aller echtfranzösischen Nötigungsversuche, abgesehen von einigen
traurigen Außenseitern, ablehnend verhalkten hatte, führen die fran-—
zösischen Grubenschulen nur noch ein ganz kümmer—
lbiches Schattendasein, das keinen ausschlaggebenden Einfluß mehr
auf Bildung und Gesinnung des deutschen Bevölkerungsnachwuchses im Saargebiet
hat.
Einen Erfolg haben die Franzosen jedoch zu verbuchen, nämlich: es
gelang ihnen, mit Hilfe ihres Grubenbesitzes die Mark zu verdrängen und den
französischen Franken einzuführen. Dieser Erfolg gelang ihnen
wider das klare Recht des Vertrages. Nach dem Vertrag sollten
Markund Frankengleichberechtigkim Saargebietkur—
fieren. Die französische Grubenverwaltung ging sehr bald dazu über, ihre
Beamten und Arbeiter in Frank auszulohnen. Bei der Abhängigkeit des
ganzen Wirktschaftlebens im Saargebiet von der Bergarbeiterschafft gewann
der Frank bald einen großen Umlauf. Damit begründete die vollständig
französisch orientierte Regierungskommission ihre Bestimmung, daß in den
ihrer Verwaltung unterstehenden öffentlichen Betrieben der Eisenbahn, Post
und Telegraphie ebenfalls der Franken als alleiniges Zahlungsmittel zu gelten
hat. Damit war der Frank widerrechklich fast zum alleinigen Zahlungsmittel
geworden. Kaufleute, Handwerker haltken nur noch für Franken Verwen—
dung. Es war klar, daß die Industrie bald folgen mußte. Als die deutsche
MWark immer mehr gegenüber dem Franken entwerket wurde, war es nur noch
ein formaler Schritt, als der Franken zum alleinigen Zahlungsmittel ernannt
wurde. Neben der Abktrennung durch die Zollgrenze war die
Einführung der Frankenwährung ein entscheidendes Mittel,
das Saargeiet wirtschaftlich von Deutschland zu trennen. Das gelang Frank—
reich mit Hilfe seines Grubenbesitzes.
Es wäre sehr irrig, wollte jemand annehmen, Frankreich habe nunmehr
darauf verzichtet, das Besitzrecht an den Gruben nicht mehr zu politischen