Full text : Deutsch die Saar immerdar!

wie Vulkane. Funkengarben, Feuersäulen hier und dort. Der abgelassene
Fluß geschmolzenen Erzes und Stahls, die feurige Linie der gezogenen Eisenbänder,
 alles glüht, prasselt und zischt. Die Perlenketten der Kokereien
hängen an den Berglehnen. Alles überschattet die dunklen Rauchfahnen der
Essen. Das Eigenartige dieses Gebiets ist die Einlagerung der Industrie in
eine der reizvollsten Landschaften. Die Gruben und Berghalden sind ein—
gebettet in den schönsten deutschen Buchenwald. Die Flußtäler sind reich an
Fruchtbarkeit. Gartenbau überall. Die weiten Fluren gesegnet mit bestem
Weizenboden. Reizvoll die Waldtäler mit ihren blumigen Wiesen. Da und
dort romantische Felsbildungen.
Gerade diese Mischung von Industrie und Bäuerlichkeit hat
einen eigenenn Menschenschlag im Saargebiet hervorgebracht. Bis
zum Kriege gab es hier, vor allem untker den Bergarbeitern, keine
zugewanderten Arbeiter. Der Bergmann hat Haus und Hof, be—
treibt mit Frau und Kindern eigene Landwirtschaft in den frucht—
baren Tälern und auf den Höhen des Westrich und Hunsrück. Er
wandert käglich durch die schönen Wälder auf eigens dazu geschaffenen
Bergmannspfaden zur Schicht nach der Grube. Dort arbeitet er mit seinen
erwachsenen Söhnen den Tagelohn zusammen und kehrtk zurück zur eigenen
Scholle. Oder er kommt Montags mit den Arbeiterzügen in Wasfen von den
entlegeneren Teilen des Hunsrück, bleibt die Woche über an der Arbeiktsstätte,
 wohnt in den Schlafhäusern und kehrt erst Sonnabends mit dem Lohngeld
 nach Hause, um den Sonntag mit den Seinen zu verbringen und in Haus
und Hof nach dem Rechten zu sehen. Nur in den Vörfern, die sich an den
Stätten der anderen Industrien angesiedelt haben, wohnt der Hüttenarbeiter.
Aber auch er ist seßhaft. Hat meist sein eigenes Haus, ein Gärkchen
und besihzt Kleinvieh. All das schuf im Saargebiet einen Arbeiterstand, wie
er in anderen Industriegebieten selten ist. Erst seit dem Kriege und besonders
durch die französische Grubenverwaltung ist der sogenannte wandernde Ar—
beiter im Saargebiet in größeren Massen aufgetreten. Der im Saargebiet seß—
hafte Arbeiter ist nicht nur der Träger der neuen Bestrebungen seines
Standes, sondern auch der Bewahrer einer alken Kulturtradition.

Landschaft und Kultur.

Über das Gebiet außerhalb der eigentlichen Industriestätten und über die
kulturellen und historischen Denkmäler gibt Faßbinder ebenfalls eine
anschauliche Schilderung. Es heißt in dem genannten Aufsatz hierüber: Da
lachen die fruchtbaren Feldmarken von Otkweiler und St. Wendel, fast
rein landwirtschaftliche Kreise. Die Skädtchen selbst voll alker Kultur und mittelalkerlicher
 Erinnerungen, das eine noch mit Mauerresten und Bergfried, das
andre eine weitbekannte Wallfahrtksstätke des aus fremdem Königsgeschlecht
stammenden Einsiedlers Wendelinus. In einem Seitentale der Blies stehen
noch heute wohlerhalkene Teile der Abtei Thohey am Fuße des Schaumberges,
 der als die höchste Erhebung im Saargebiet jährlich das Ziel zahlreicher
Wanderungen ist. Von da oben läßkt sich das ganze Land überblicken, weithin
über Getal und Gehügel mit flockigen Laubwäldern und schwarzen Tannen
bis über die Saargroßstadt hinweg. Die ehemalige Benediktinerabtei
            
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