wanderung französischer Beamten und Arbeiter die rein deuktsche Bevölkerung
als eine gemischte erscheinen zu lassen. Das alles nutzte aber nichts. Diese
Hoffnung wurde aufgegeben. Nicht aber, wie wir noch in einem späteren
Artikel sehen werden, die Hoffnung, die reiche Industrie, besonders die
Kohlengruben des Saqargebiets, zu gewinnen. Mit ihrem Ge—
winn könnke Frankreich das lothringische Erzgebiet abrunden und sich so vom
Weltmarkt unabhängig machen., Es setzte daher alles daran, die Industrie
nach Westen umzustellen. Die Gruben nahm es
direkt in Besiß, in der Großindustrie nistete es sich mit großen
Kapitalien fest. Mit der widerrechtlichen Einführung der Frankenwährung
wäéhrend der deuktschen Inflationszeit wurde die Saarindustrie
auf dem deutschen Markt nicht mehr konkurrenzfähig. Bei Stabilisierung
der Mark trat die Bestimmung in Kraft, wonach das Saargebietfran?
zöfisches Zollgebiet wurde. Unter dieser Abschnürung leidet das
ganze Wirtschaftsleben an der Saar noch heute. Sein natürliches Absatz—
gebiet ist eben Deutschland. Und gerade von diesem seinem natürlichen Ab—
satzgebiet ist es durch die unsinnigen und teils widerrechtlichen Bestimmungen
des Zolls und der Währung gewaltsam getrennt. Gleichzeitig ist seine Ein—
fuhr aus Deutschland, mit dem es Geschmack und Qualitätsgefühl gemeinsam
hat, geradezu schikanös durch Zollschwierigkeiten erschwert, um im Saar—
gebiet nur französische Waren abzusetzen. All das geschieht nur, um die Bé—
pölkerung von ihren deutschen Verbindungen loszulösen. Aber die Zähig—
keit, mit der die Bevölkerung an ihrem deutschen Geschmack hängt, so daß sie
lieber die deutschen Waren teurer bezahlt als zu französischen greift, wird
auch diese Versuche zu schanden machen.
über die wirtschaftliche Bedeutung des Saargebiets
gibt ein besonderer Beitrag eingehende Aufklärung. Hier nur so viel. Das
Rückgrat des Wirkschaftslebens an der Saar bilden die Köhlengruben,
deren Entwicklung, seit sie 1815 in die preußische Staatsver—
walkung übergingen, einen enormen Aufschwung nahm. Im Jahre 1913
betrug die jährliche För derung rund 133 Millionen Tonnen. Rund
56000 Bergarbeiter mit 180000 Familienangehörigen
wurden beschäftigt. Das Gesamtvorkommen an Kohle in der Erde des Saar—
gebiets wird bis zum Muldentiefsten auf 40 Milliarden Tonnen geschähzt.
Angeschlossen an die Kohlenerzeugung hat sich die große Eisenindustrie
mit Werken in Burbach, Brebach, Dillingen, Neunkirchen,
Völklingen, Saarbrücken, St. Ingbert, Bous und Homburg.
Die Glasindustrie, schon seit 1618 in Gang, ließ
sich besonders im Sulzbachtal und in St. Ingbert mieder.
Die Keramik und Töpferindustrie blüht ebenfalls, besonders
in Mettlach unter der bekannten Firma Villeroy KBoch.
Aus der Gruppe der chemischen Fabriken ist besonders die aus dem
18. Jahrhundert stammende Blaufabrikin Sulzbach zu nennen, wo
noch vor 100 Jahren bedeutende Alaunsiedereien dampften. Eine
natürliche Siederei bildete damals ein Naturphänomen, der noch heute „bren—
nende Berg“ bei Sulzbach. Ein Steinkohlenflöz, das unker einem
Meiler zukage krat, geriet in Brand. Das Feuer sehte sich unterirdisch fort.