C. Die Bergarbeiterverhällnisse.
Eine große Schwierigkeit und Sorge bereitet bei all diesen Entwicklungsplänen,
welche der französische Skaat mit ungeheuren Geldmitteln z. T auf
Reparationskonto zu fördern sucht, nur die Beschaf fungder nötigen
Bergarbeitermassen. Die Gesellschaften haben bisher in groß—
zügiger Weise neue Siedlungennach amerikanischem Muster
aus dem Boden gestampft, die sich nahe an der Grenze an den Hauptbrennpunkten
des Bergbaus hinziehen. Wie man hört, sind weitere
Neubaupläne in großem Umfange geplant, um weitere Tausende
von Bergarbeitern in Lothringen selbst anzusiedeln.
An sich war es natürlich den Gesellschaften nicht schwer, zunächst die nötigen
Arbeitskräfte aus den Vorräten zu beschaffen, die aus Jtalien, Polen,
Tisch ech ei us w. reichlich zur Verfügung standen. So sind z. B. vor einiger
Zeit bei dem Standesamt in Merbenbach etwa 15 VNationali—
räten registriert worden. Wenn auch die Lebenshaltung dieser ausländischen
Arbeiter durchaus einfach und genügsam ist, so wird doch sehr über
ihre Leistungsfähigkeit und vor allem über ihr moralisches Verhalten geklagt.
Raub, Mord, Diebstahl und andere Unkaten füllen fast
täglich die Zeikungsspalten. Die Randzechen haben daher
ihr hauptsaͤchliche Augenmerk auf die Gewinnung von fleizigensund
zuverlässigen deutschen Bergarbeitern ge—
richtet und spekulieren vor allem auf die großenarbeitslo sen Bergarbeitermassen,
die seit dem Rückgang der saarländischen Belegschaften
verfügbar sind. Zunächsk decken sie dabei ihren Bedarf an
Bergleutengusdenbergmännischen Warndkgemeinden.
Rach den letzten Ermittlungen arbeiten aus diesem Gebiete etwa 44 Pro—-zent
auf den lothringischen Randzechen. Die Bestrebungen,
größere Wassen deutscher bzw. saarländischer Bergarbeiter
an sich zu ziehen, sind bisher daran gescheitert, daß die Lohn-und so—
ziglen Verhältnissein Lothringen, gemessen an den deutschen
Verhältnissen, nichkt gerade günstig zu nennen sind. Es wohnen allerdings in
den neuen Koldmien zahlreiche frühere Saarbergarbeiter
und es werden auch in Zukunft noch ehemalige Saarbergarbeiter sich in
Lothringen von den Zechen ansiedeln lassen. Es steht aber zurzeit dahin, ob
diese Massen genügen werden, um den Bedarfder Randzechen an
Arbeitskräften zu decken und so langsam die unzuverlässige aus—
ländische Belegschaft auszumerzen. Immerhin ist die wirtschaftliche
Abhängigkeit der Warndtbergarbeiter von den
Warndtkzechen und ganz besonders der bereits in Lobhringen von
den Zechen angesiedelkten saarländischen Bergarbeiter eine ernste polikis
ch e Gefahr, die mik Rücksicht auf die Abstimmung nicht sorgfältig
genug beobachtet und abgewehrt werden kann. Mit ein Grund für dieses unerfreuliche
Abwandern der Bergleute nach den lothringischen Zechen ist die
ungünstige Verkehrslage der Warndtorkschaften, das Fehlen einer saar«
ländischen Zeche im Süden von Velsen und auch das Fehlen von guten,
schnellen und billigen Verkehrsverbindungen nach dem saarländischen Industriezentrum
Bölklingen.
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