stand beibehalten, oder zu Frankreich gehören oder zu Deutschland zurück—
kehren will. Vertragsgemäß bleibt das Saargebiet bis zur Regelung durch
Volksabstimmung französisches Zollgebiet. Widerrechtlich aber ist von der
Regierungskommission die Frankenwährung eingeführt worden. Das ist
kurz ausgedrückt der politische Stand des Saargebiets.
Wenn auch Frankreich bei den Pariser Friedensverhandlungen 1919
zäh und geschickt seine alkerprobten Diplomatenkünste spielen ließ, um dieses
Gebiet, wider alles Recht und wider die Grundbedingungen der Wilson⸗
Vorschläge für den Frieden, sich anzueignen, so ist ihm doch nur die bor—
läufige Loslösung des Gebiets von Deutschland bis 1935 gelungen.
Es gab sich damit zufrieden, weil es hoffte, in diesen 13 Jahren mit Güte
und Gewalt die Einwohner für sich zu gewinnen. Aber von Anfang an
antwortete die gesamte Einwohnerschaft einmütig, über alle politischen, reli—
giösen und wirkschaftlichen Verschiedenheiten hinweg, mit einem aus tief—
stem Seelengrund kommenden: Nein! Die Welt hat dieses Nein zu wieder—
holten Malen gehört. Sie wird es wieder hören 1935, wenn die oöffizielle
Abstimmung kommt.
Die Geschichte des Saargebiels.
Es kann nicht anders sein, denn das Saargebiet ist deutsch. Es ist
Grenzland, aber nicht einmal so, daß sich dork etwa angrenzende Rassen
mischen, wie in Oberschlesien oder Nordschleswig. Wohl grenzt es an die
gegenwärtige politische Grenze Frankreichs, an Lothringen, aber die Sprach—
grenze liegt noch weiter ab. Diese Grenze deutschen Sprachguts zieht sich
erst durch die Gegend von Metz.
Seit dieses Gebiet an der Saar in den Lichtschein der Geschichte trat,
wohnten hier Deutsche. Genau so wie in Schwaben, Thüringen, am Nieder—
rhein, in Westfalen. Ja, das Saargebiet ist länger deutsch als Mecklenburg
und Schlesien, die erst im Mittelalter dem Slawentum kulturell abge—
wonnen wurden. Selbst schon in der Zeit, als Cäsar, der alkrömische Feld—
herr, im ersten Jahrhundert vor Christus in die linksrheinischen Gebiete
vordrang, wohnten hier keine reinen Kelten mehr. Sie waren untermischt
mit Germanen. Gerade von den Treverern, die saaraufwärts wohnten,
bemerkt Cäsar ausdrücklich, daß sie „sich germanischer Herkunft rühmten“.
Die Bestimmung, daß der Rhein die Grenze Galliens sei, erfolgte aus rein
politischen Erwägungen heraus. Cäsar wollte eben, daß das von ihm er—
oberte Gallien bis zum Rhein reicht. Wenn die heutigen Franzosen sich diese
These zu eigen machen wollen, dann hätken die heutigen Italiener als Erben
des cäsarischen Italiens mehr Recht dazu. Auch die heutigen Franzosen sind
keine Kelten, keine Gallier mehr. Sie entstiegen dem Ehaos der Völker—
wanderung als ein mit Germanen, besonders fränkischen Germanen, hoch—
prozentig durchmischtes Volk. Als solches haben sie auf die linksrheinischen
Gebiete ebensowenig Anspruch wie auf die ehemals keltischen Gebiete Ober—
italiens.
Wie dem auch sei, sagt Dr. J. M. Faßbinder in einer Studie
über das Saargebiet (Westermanns Monatshefte, Band 143, 1. Heft
8583), der wir mil gütiger Erlaubnis des Verlags die folgenden hiftorischen