Full text : Ehrenbuch für die im Weltkrieg 1914 - 18 Gefallenen der Stadt Saarbrücken

Das Westfälische Dragoner-Regiment Nr.7
Von Oberstleutnant a. D. v. Hymmen.

Das Westsälische Dragoner-Regiment Nr.? oder, wie es vom 6. September
1917 an hieß, das Dragoner-Regiment Generalfeldmarschall Prinz Leopold von
Bayern (Westfälisches) Nr. 7 stand von 1878 bis zum November 1918 in Saar—
brücken in Garnison. Vorher stand das Regiment in der Altmark in den beiden
Landstädtchen Stendal und Tangermünde. Der Abschied von der liebgewor—
denen Garnison fiel damals wohl manchem Dragoner schwer. Doch bald fühlten
sich die hellblauen Reiter mit den rosa Kragen und Aufschlägen inmitten der
kerndeutschen Saarbevölkerung außerordentlich wohl. Die 1. und die halbe 2.
Eskadron kamen in der alten fürstlich nassauischen Kaserne am Ludwigsplatz
unter, die andere Hälfte der 2. und die 5. Eskadron in der „Wilhelms-Kaserne“,
die damals in der Wilhelm-Heinrich-Straße dort stand, wo jetzt die Markthalle,
der Markt und der Saalbau ist. Für die 3. und 4. Eskadron waren neue
Kasernen in der Roonstraße gebaut.
Lange Jahre friedlicher Ausbildung, frischen, fröhlichen Reiterlebens, aber
auch strammen Dienstes folgten. Im August 1884 wurde Se. Königliche Hoheit
Prinz Leopold von Bayern, der spätere Armeeführer im Weltkriege und sieg—
reiche Oberbefehlshaber der Ostfront, zum Chef des Regiments ernannt. Tüch—
tige Regiments-Kommandeure sorgten dafür, daß das Regiment allezeit kriegs—
bereit war. Es seien hier nur zwei derselben besonders erwähnt, der schneidige
Graf Alex v. Wartensleben mit seinem urwüchsigen Humor (1885 1890) und
der schlichte Oberst Seederer (18994 1808), der später nach seiner Verabschie—
dung bis zu seinem Tode 1927 in Saarbrücken wohnen blieb und in der Kriegszeit
 das verantwortungsreiche und arbeitsvolle Amt eines Chefs des Stabes
beim stellvertretenden General-Kommando hatte.
Als im August 1914 das Regiment unter der Führung seines allbeliebten
Kommandeurs, des Oberstleutnants Koch, zum Grenzschutz nach Lothringen
ausrückte, ahnte wohl kein Mensch, daß es nicht wieder geschlossen in seine
schöne Garnison zurückkehren würde. Als Divisions-Kavallerie bei der 42. J. O.
nahm es zunächst an den Schlachten und Gefechten in Lothringen teil. Im
September wurde es mit der Bahn in die Gegend von St. Quentin trans—
portiert und beteiligte sich an den Kämpfen an der Somme bei Peronne. Ende
September wurde das Regiment geteilt; zwei Schwadronen kamen zur 4. K. D.
nach Noroͤfrankreich und Flandern, 2 blieben beim 21. Armee-Korps. Als beim
Stellungskriege auf dem westlichen Kriegsschauplatze keine Betätigung mehr
für die Reiterei war, wurden die Schwadronen nach Rußland transportiert,
auf dessen endlosen Steppen die Kavallerie noch zahlreiche Aufgaben zu erfüllen
hafte. Am 13. Februar 1915 ritten die 1. und 2. Eskadron bei Seiny eine
glänzende Attacke gegen die Russen, bei der zahlreiche Gefangene gemacht und
eine Proviant-Kolonne mit einer Kriegskasse erobert wurde. Aber auch im
Osten mußten schließlich die Reiter von den Pferden steigen und in die Schützen—
gräben kleftern, als auch dort die Front zum Stellungskriege erstarrt war. Ein
Teil der Offiziere wurde zur Infanterie versetzt, 7⁊ Offiziere meldeten sich frei—
willig zur Fliegertruppe. Treu und tapfer taten die Dragoner ihre Pflicht und
Schuldigkeit, sei es bei Riga, bei der Eroberung der baltischen Inseln Oesel und
Moon, in den Vokitnosümpfen oder in den Bergen der Karpathen. Im Jahre
1918 wurden 3 Schwadronen wieder nach dem Westen transportiert und
kämpften dort auf dem blutgetränkten Boden Frankreichs bei Verdun und
Reims, im Waldgelände der Argonnen und in der Niederung Flanderns. Nicht
ohne Verluste ging es ab. Ueber 100 Angehörige des Regiments starben den
Heldentod, darunter 20 Offiziere. Aber mit ungebrochenem Sinn und in bester
Manneszucht trafen die Dragoner nach dem Waffenstillstande in dem Demobil—
machungsorte Tangermünde ein.
            
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