Full text : Die abgetretenen und besetzten Gebiete im deutschen Westen (1/2)

Reparationskohle — brachen Frankreich und Belgien am
11. Januar 1923 mit starker bewaffneter Macht unter Ver-Jletzung
 der bestehenden Verträge und des Völkerrechts
in das deutsche Industriezentrum an der Ruhr ein, Der
Vorstoß ging bis etwa 60 km östlich des Rheines, etwa
10 km östlich Dortmund, Mit dem Sanktionsgebiet zusammen
 bildet der neubesetzte Teil des Industriegebietes
eine wirtschaftliche Einheit; vor allem verkehrswirtschaftlich,
 was daraus hervorgeht, daß die Produktion der Zechen
und der Schwerindustrie zum großen Teil auf den Wasserweg
 des Rheinstromgebietes angewiesen ist, Der besetzte
Teil des Ruhrgebiets umfaßt mehr als 2100 qkm mit einer
Bevölkerung von rund 3 Millionen Einwohnern. Es ist das
dichtestbevölkerte Gebiet des Deutschen Reiches und
Europas, Die deutsche Regierung hatte davon abgesehen,
diesen übervölkerten Landstrich noch mit militärischen
Anlagen zu überbürden, Schon in der Vorkriegszeit wies
das Industriegebiet im Innern keine, an der äußeren Peripherie
 nur zwei Friedensgarnisonen auf, Demgegenüber
belief sich allein die französische Ruhrarmee, die unter dem
Vorwande, 40 französische Zivilingenieure bei ihrer Arbeit
schützen zu müssen, eingebrochen war, nach den Zahlen
des französischen Haushalts:
im Jahre 1923 auf 55120 Köpfe und 9124 Pferde,
im Jahre 1924 auf 52715 Köpfe und 9124 Pferde.
Die belgische Besatzungsarmee war zahlenmäßig geringer;
ihre genaue Stärke ist nicht bekannt. Man kann sich unschwer
 ein Bild davon machen, welche ungeheuren Kosten
die Besetzung dieses Industriezentrums verursachte,
welche ungeheuren Lasten dem privaten und öffentlichen
Leben dieser Gebiete aufgebürdet wurden und welchen
schweren wirtschaftlichen, kulturellen und moralischen
Schäden die Bevölkerung ausgesetzt wurde. Allein in der
Zeit vom 11, Januar 1923 bis Ende 1923 betrugen die vom
Reich indirekt — auf dem Umweg über die Gemeinden —
erpreßten Besatzungskosten im Ruhreinbruchs- und Sanktionsgebiet
 54 Millionen Goldmark, ohne die sogenannten

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