auch im Interesse der Bevölkerung des Saarbeckens und des
Weltfriedens. Das Saarbecken werde ein europäisches Marokko
und ein Nährboden für einen ständigen deutsch-französischen
Konflikt.
Dafür will Frankreich den Bewohnern alle Garantien, selbst
die der Nationalität geben und ist mit einer Abstimmung
nach 15 Jahren einverstanden.
Lloyd George tritt nun ganz auf Frankreichs Seite, und
Wilson macht nach längerem Sträuben einen Gegenvorschlag,
wonach ohne Übertragung eines Mandats an Frankreich
die von ihm vorher angeregte schiedsgerichtliche Kommission
zu einer Verwaltungskommission unter Oberhoheit des Völkerbundes
umgewandelt wird.
Als Vertreter Frankreichs stellt nun Tardieu folgende drei
Grundfragen:
1. Soll die deutsche Souveränität in der Schwebe gehalten
werden?
2. Soll die Kommission alle Befugnisse haben, einschließlich
des Rechts, Beamte abzuberufen?
3. Werden die Wahlen zum Reichstag unterbunden werden?
Als Wilson alle drei Fragen bejahte, nahm auch Clemenceau
an. Eine Kommission wurde beauftragt, den endgültigen
Text zu redigieren.
82.
Die Bestimmungen des Friedensvertrages
über das Saargebiet.
Wenn man die Entstehungsgeschichte der Bestimmungen
über das Saargebiet verfolgt und im Anschluß daran diese
selbst3? liest, so drängt sich die Erkenntnis durch, daß
die Bestimmungen durch ein Kompromiß mit allen seinen
Fehlern zustande kamen; auf der einen Seite der rücksichtslose
Wille Frankreichs, wenn auch nicht sofort, so
doch wenigstens mit der Zeit das Saargebiet zu erwerben,
auf der anderen Seite das Bestreben Wilsons, seine Grundsätze
über das Selbstbestimmungsrecht der Völker auch hier
zur Geltung zu bringen. Es ist kein Staat im eigentlichen
SS 1 Friedensvertrag von Versailles, Art. 45—50 mit Anlage