Nach etwa 100 Jahren begann die zweite französische Invasion.
Wie in der letzten Zeit des Weltkrieges und nach dessen
Abschluß gerade in Deutschland der Gedanke der Völkerversöhnung
und des Selbstbestimmungsrechts der Völker auf
den fruchtbarsten Boden fiel, so wirkten auch die Ideen der
französischen Revolution elektrisierend auf die benachbarten
Länder. Aber wie nach dem Weltkrieg war auch damals die
Theorie und Praxis weit voneinander getrennt, es wurden
von der französischen Revolutionsarmee nicht nur Herrscherhaus
und Adel aus dem Lande vertrieben und die Schlösser
ausgeraubt und niedergebrannt, auch viele ehrsame Bürger
fielen der Guillotine zum Opfer; mit der Freiheit war es ein
für allemal aus.
Zwischen dem Frieden von Campo Formio 1797 und dem
Frieden von Luneville, in denen das linke Rheinufer an
Frankreich abgetreten wurde, versuchten die Franzosen zweimal
vergeblich, Abstimmungen zugunsten Frankreichs herbeizuführen*.
Die Folge war die Verschleppung angesehener
Bürger nach Metz. Bei der weiteren Abstimmung® über die
Frage, ob Napoleon Consul auf Lebenszeit werden solle,
blieben die Wahlvorstände solange auf Kosten der Bürger in
den Ortschaften, bis der größte Teil der Bevölkerung zur
Urne geschritten war. Aus dem Ergebnis dieser Wahl machten
die Franzosen später eine profranzösische Kundgebung!
Wenn endlich bei der Wahl Napoleons zum Kaiser der größte
Teil der Bürger für die Wahl stimmte, so lag das nicht zum
wenigsten daran, daß die Hoffnung, wieder zu Deutschland
zu kommen, so gut wie begraben war und Napoleon als
Kaiser die Gewähr gab, den französischen Pöbel im Zaum
zu halten, den man als Volksbeglücker und Volksbefreier
so ausgiebig kennengelernt hatte®.
Der erste Pariser Frieden brachte der Saar eine Enttäuschung.
Trotz des ausdrücklichen und verzweifelten Protestes
einer nach Paris entsandten Delegation wurde Saarbrücken
mit dem südlichen Teil der Grafschaft und allen Kohlengruben
Frankreich zugesprochen‘. Erst der zweite Pariser
Frieden gab die Möglichkeit, zu Deutschland zurückzukehren.
Wieder sandte die Bürgerschaft eine Abordnung mit Adressen
4 Herbert Stegemann, a. a. O., S. 10/11.
5 Windelband in der Protestkundgebung der Heidelberger Universität,
Heidelberg 1919, S. 18.
6 Herbert Stegemann, a. a. O., S. 12.
7 Herbert Stegemann, a. a. O., S. 12.