Full text : 2.1936 (0002)

Nr.

8

15. April 1936

Seite 90

elbst habe er mit einem Schuh auf den Kopf geschlagen
und ihn viel herumgestoßen, dieses noch bis kurz vor
seinem Austritt. Der Angeklagte habe sozusagen nach
ehern gesucht, um auf die Arbeiter hineingehen zu
ßzönnen.

der ihm gleichalterige A. J. öfter von F. Schläge
mit der Hand erhielt. St. konnte es schließlich bei
F. nicht mehr wegen der geschilderten Behandlung
aushalten und gab die Arbeit auf.

Der Zeuge P. B., 14 Jahre alt, der von Ostern
1935 bis September oder Oktober 1985 in der Aus—
putzerei von W. arbeitete, bekundet, in den ersten
4 Wochen sei der Angeklagte gut zu ihm gewesen,
dann aber habe er ihn geschlagen und zwar sehr häufig
mit der Hand oder den Fingerknöcheln auf den Kopf.
Auch andere Arbeiter seien häufig von F., wie er
gesehen habe, geschlagen worden, auch mit Schuhen, so
zin gewisser A. und der Zeuge J. K., F. habe sozu⸗
jagen den ganzen Tag mit den Arbeitern geschimpft
ie dabei „Drecksack, Pappsack, Dreckarsch“ genannt.
Letzteres wird auch von dem Zeugen K. A. bestätigt,
der von F. die Schimpfworte „Pappsack, Drecksau,
Lausbub“ Gefolgschaftsangehörigen gegenüber gehört
hat und zwar bis zur Zeit des Prozesses B. A. gegen
Firma W. beim Arbeitsgericht in Pirmasens — der
Prozeß wurde in der II. Hälfte des Septembers 1935
anhaͤngig. — Dem Zeugen wurde auch von Arbeitern
gesagt, daß H. A., B. P. und weitere Arbeiter, die
zußerhalb D. wohnten, von F. unberechtigterweise ge—
schlagen worden seien.
Der Zeuge E. K. jetzt 15 Jahre alt, erklärt, er sei
in der Zeit seiner Beschäftigung bei W. — von Ostern
bis Weihnachten 1934 — wiederholt von F. mit der
Hand auf den Kopf geschlagen worden. Auch habe
hyn dieser mehrfach mit den Ausdrücken, „Du Saukopf“,
Du mit Deinen Dickrübenfingern, Du mit Deinen
Krallen“ beschimpft.
Nach den Bekundungen der Zeugen A. H. früher B.)
und H. B., die seit 5 bezw. 6 Jahren bis heute in
der Äusputzerei der Firma W. arbeiten, hat F. den
Ersteren bis September 1935 häufig, zu gewissen
Zeiten sogar mehrmals in der Woche, mit der Hand
Jeschlagen. Einmal im Februar 1935, als er einen
Delfleas an einem Nubukschuh entdeckte, hat er ihm
mit der Faust so heftig an den Hinterkopf geschlagen,
daß es ihm schlecht wurde und er die Arbeit unter⸗
brechen mußte. Die beiden Zeugen haben noch bestätigt,
daß andere Arbeiter, so A. W, Sch. und, J. K. von
F. geschlagen wurden und daß Schimpfworte, wie
Drecharsch, Arschloch, Drechiger Hund, Pappsack,
Simpel“ bei F. den Arbeitern gegenüber an der
Tagesordnung gewesen seien. Habe jemand gegen diese
Behandlung, die bis in den Herbst 1935 hinein gedauert
habe, sich verwahrt, so habe ihm F. erwidert, er habe
hdas Maul zu halien, sonst „sei vor der Tür sein“
oder „er schmeiße ihn zum Fenster hinaus“.
Der Zeuge B. O., 18 Jahre alt, arbeitet seit
. Januar 1933 in der Fabrik W. in der Schuh⸗
ausputzerei. Auch er wurde nach seiner Bekundung
bon F. öflters beschimpft und geschlagen, letzteres noch
im Sommer 1935 zweimal mit der Hand auf den Kopf.
Zeuge E. St. 16 Jahre alt, in der Schuhputzerei
——— Frühjahr 1935
veschaͤftigt, wurde, wie er erklärte, fast tagtäglich von
F. mit der Hand auf den Kopf und an den Backen
Jeschlagen, einmal, auch mit einem beleisteten Schuh
Juf den Kopf, dazu vielfach mit „Dummer Hund und
Pappsack““ titulieri. Der Zeuge hat auch gesehen, daß

E. Sch., 20 Jahre alt, arbeitet seit 5 Jahren bei
W. Er hat als Zeuge bekundet, er und andere Arbeiter,
wie J. B., W. und J. K. seien häufig von F. miß—
handelt worden, auch noch im Jahre 1935; er selbst
sei bis zum Prozeß B.W. sehr oft von F. an den
Haaren gerissen, mit der Faust auf den Kopf und
Rücken geknufft und wie andere Arbeiter mit
den Ausdrücken: „Drecksack, Saubauer, Wilder,
Drecksau, Arschloch, Du mit Deinen Krallen, Du mit
Deinen Dickrübenfingern“ beschimpft worden. Es sei
bei F. fast nicht zum Aushalten gewesen.
Auch die Zeugen W. A., 19 Jahre alt, seit März
1931 in der Fabrik W. in Arbeit, und K. J. aus
B., 14 Jahre alt, seit Mai 1938 dort beschäftigt,
vurden nach ihren Bekundungen sehr oft von F. und
war noch bis in den Herbst 1935 hinein mißhandelt,
heide durch Schläge mit der Hand auf den Kopf.
W. außerdem ab und zu durch Schläge mit beleisteten
Schuhen auf den Kopf, manchmal sogar mehrmals an
rinem Tag, und K. durch Reißen an den Haaren
und Herabstoßen von dem von ihm zur Arbeit
henutzten Scheinel. K. wurde dazu noch häufig mit
den Ausdrücken: „Bruchweiler Bleß“, „Bruchweiler
Hewwel“, „Bauernknewel“, „Saubauer“, „Drecksau“
‚elegt. W. wurde ebenfalls öfters beschimpft, wenn
er sich auch nicht mehr genau erinnert, welche Ausdrücke
F. gerade ihm gegenüber gebrauchte, so weiß er doch,
daß F. die Arbeiler vielfach Dreckarsch“, und , Dummer
Hund“ nannte. Auch diese Zeugen erklären, es habe
ich niemand gegen die Behandlung seitens des Ange—
zlägten zu beschweren gewagt aus Angst vor der
Entlassung.
Alle vorgenannten Zeugen haben ihre Aussagen
„estimmt und sicher gemacht. Sie hinterließzen nicht
den Eindruck, als seien sie von der Absicht geleitet,
den Angeklagten über die Wahrheit hinaus zu belasten.
Ihren Angaben konnten auch die Aussagen der
ibrigen Zeugen keinen Abbruch tun. Ph. B., der
Verlrauensmann in der Betriebsgemeinschaft war, mußte
ogar bestätigen, daß Gefolgschaftsmitglieder öfters,
zuch im Jahre 1933 noch, nach der Arbeit davon
prachen, daß F. Gefolgschaftsleute wieder beschimpft
ind geschlagen habe und daß das so nicht weiter
gehen könne. Die Zeugenaussagen, die beeidigten
die die unbeeidigten, erscheinen deshalb dem Gericht
durchaus glaubhaft. Danach steht fest, daß der An—
zeklagte nicht nur im Jahre 1934 nach dem 1. Mai,
ondern auch 1935 noch bis in den Herbst hinein,
ehr häufig, insbesondere in den einzelnen aus den
ingeführten Zeugenaussagen ersichtlichen Fällen, Gefolg⸗
chaftsangehdrige, insbesondere Jugendliche im Betriebe
durch Schläge und Stöße mit der Hand und Faust an
den Kopf und Rücken, durch Reißeen an den Ohren
ind Haaren mißhandelt und mit Ausdrücken wie den
oben wiedergegebenen, beschimpft, auch wenn einmal
einer dieser Behandlung widersprach, ihm mit Entlassung
gedroht hat. Die Mißhandlungen und Beschimpfungen
daren keineswegs leichter oder gar harmloser Natur.
ondern recht schwerwiegend. Mag auch der Angeblagte,
wie er sagte, „viel am Hals hängen gehabt haben“
            
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