Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

Ganorbeticker Koredsblotit

Herausgegeben vom Landratsamt Saarbrücken.
Schriftleitung des nichtamtlichen Teiles, Druck und Betlag von
vebre Hoser A⸗G.. Sgarbrucken -Volklingen. — Fernsurecher
der Drucherei Nr. 226 15 (Amt Saarbrücken).

Nr. 26 Mittwoch,

Inhalt:

Amtliches.
Bekanntmachung betr. Einrichtung einer Vormerkungsstelle
für Versorgungsanwärter für den Gemeindedienst.
Bekauntmachung betr. kinderreiche Familien.
Hemeinsamer Erlaß über die Zuständigkeit für die Ver—
waltung der saarländischen Wasserwirtschaft.
Radfahrverkehr.
Feststellung von Mängeln bei der Zulassung von Kraft-⸗
fahrzeugen. — Bremsbescheinigungen.
Bekanntmachungen anderer Behörden.
Biehseuchenpolizeiliche Anordnung betreffend Maßnahmen
gegen die Schweinepest.

239 Bekanntmachung
betr. Einrichtung einer Vormerkungsstelle für Versorgungs⸗
anwärter für den Gemeindedienst.
Auf Grund des Artikels 4 der Verordnung des Reichs—
präsidenten zur Verbesserung der Zivilversorgung vom
4. November 1932 (RGEBl. 1 S. 521) ist für das Saarland
eine zentrale Vormerkungsstelle für Versorgungsanwärter
für den Gemeindedienst im Sinne des 8 18 der Anstellungs—
grundsätze in der Fassung vom 16. Juli 1930 (XGBI. 1
5. 234 eingerichtet worden. Ihre Anschrift lautet: „Der
Reichskommissar für die Rückgliederung des Saarlandes,
Vormerkungsstelle für Versorgungsanwärter für den Ge—
meindedienst in Saarbrücken.“
Bewerbungsgesuche um die den Versorgungs- und An—
stellungsanwärktern vorbehaltenen Beamten- und Ange—
stelltenstellen bei den Gemeinden und Gemeindeverbänden
des Saarlandes, einschließlich der öffentlichen Sparkassen,
sind Detnn nur noch an die bezeichnete Vormerkungsstelle
zu richten.
Die Verzeichnisse der in Betracht kommenden Stellen
verden demnächst veröffentlicht.
Saarbrücken, den 12. August 1935.
Der Reichskommifsar.
J. V.
gez Jung.

VBekanntmachung
betr. kinderreiche Familien.
An die unterstellten Behörden des Saarlandes.
Das deutsche Volk ist in den letzten Jahren beinahe
dahin gekommen, ein sterbendes Volk zu werden. Wenn
hisher die Bevölkerungszahl nicht zurückging, so ist das,
abgesehen von einer Verminderung der Sterblichkeit, ledig—
lich den kinderreichen Familien zu verdanken, die durch
ihre Kinderzahl das bevölkerungspolitische Versagen der
Kinderlosen und Kinderarmen ausgeglichen haben. Trotz—
dem somit unter der Gesamtzahl der Kinderreichen wenigstens
die kinderreichen erbgesunden Familien dem deutschen Volk
und dem deutschen Staat einen unschätzberen Dienst er—
wiesen, waren sie bisher in jeder Hinsicht benachteiligt. Nicht
genug damit, daß kinderreiche Eltern wirtschaftlich eine
ingeheure Mehrbelastung zu tragen hatten, wurden sie
ioch dazu wegen ihrer .Dummheit“ verlacht und aurück—
gefetzt.
Die Arbeit der Regierung zu Gunsten der kinderreichen
erbgesunden Familien muß innerhalb ihres Aufgaben—
hereiches von sämtlichen Behörden unterstützt werden. Diese
Anterfiützung ist nicht nur möglich im Weg von materiellen
Zuwenduͤngen, sondern vor allem auch dadurch, daß durch
geeignete Maßnahmen im Volk die Achtung von der kinder—
eichen Familie, als der Trägerin der deutschen Zukunft,
. 3 MNMM d ry— Redentfinae der NMun—

Erscheint wöchentlich

Bezuqspre ies für das Vierteljahr 0 RM.
Anzeigengebühbren: Die 4mal gespaltene Millimeter-Zeile
oder deren Raum 10 Rpf.

28. August 1935 61. Jahrg.

gelegenheit wird erwartet, daß sämtliche Behörden, im
Rahmen des Möglichen den erbgesunden und kinderreichen
Familien ihre Förderung angedeihen lassen. Als einzelne
Maßnahmen zu Gunsten der Kinderreichen werden bei—
spielsweise angeführt:
1. Die kinderreichen Mütter sind bei den Behörden be—
vorzugt abzufertigen. Es wird mit Recht von kinder⸗
reichen Muͤttern vielfach als schmerzlich empfunden,
wenn sie zu irgendwelchen Behörden geladen sind
und dann mit ledigen Personen warten müssen und
der Reihe nach erst nach mehreren Stunden abge—
fertigt werden. Die gesamte Hauswirtschaft, insbe—
sondere die Kinder warten auf die fehlende Mutter.
Das Ansehen der Mutter wird durch diese Bevorzugung
in der Oeffentlichkeit gestärkt werden und die Mütter
selbst werden diese Anerkennung ihrer Würde als
Frau dankbar empfinden. Insbesondere die Mütter
mit kleinen Kindern sind nach Möglichkeit bevorzugt
zu behandeln, ihnen ist die bevorzugte Abfertigung
schon auf der Vorladung zur Kenntnis zu bringen.
Diese Maßnahme kann auch auf nicht kinderreiche
Mütter ausgedehnt werden.
Bei Vergebung von Lieferungen und Leistungen der
Oeffentlichen Hand an Gewerbetreibende, Handwerker
usw. ist bei Gleichwertigkeit der Angebote der Kinder—
reiche zu bevorzugen.
Es ist zu erwägen, inwieweit bei Festsetzung der
öffentlichen Gebühren, wie für Gas, Wasser, Elektri—
zität usw. die kinderreichen Familien herücksichtigt
werden können.
Auf die kinderreichen Familien sind bei Anstellungen
und Entlassungen von Arbeitern und Angestellten
Rücksicht zu nehmen. Bei gleichen Leistungen ist dem
Kinderreichen der Vorzug zu geben.
Die angeführten Fälle sind nur Beispiele. Darüher
hinaus wird fich bei vielen Gelegenheiten die Möglich—
eit ergeben, die erbgesunden kinderreichen Familien be—
isonders zu betreuen und ihnen zu beweisen, daß sie in
threm Kampfe um die Erhaltung des deutschen Volkes sich
jederzeit auf die moralische und, soweit möglich, auch auf
die finanzielle Hilfe des Staates verlassen können.
Die Landratsämter haben die Gemeindebehörden ent—
Pprechend zu verständigen, diese haben auf die Oeffent—
ichkeit entsprechend einzuwirken.
Saarbrücken, den 19. August 1935.
Der Reichskommissar
J. V.
gez. Jung.

Der Reichs- und Preußische
Minister für Ernährumg Berlin, den 3. August 1935
und Landwirtschaft.
VI. 12779 RuPrMfEudbL.
VI D 1729 RuPrMd I.
Wa 1b 4624. 35 RuPrVM.
241 Gemeinsamer Erlaß
über die Zustänvigkeit für die Verwaltung der saar⸗
ländischen Wasserwirtschaft.
1. Auf dem Gebiete der Wasserwirtschaft werden die
Zuständigkeiten der Reichszentralbehörden, die sich aus der
kingliederung der Verwaältung des Saarlandes in die
Verwaltung des Reichs ergeben, (3 3 Abs. 1 des Gesetzes
iüber die vorläufige Verwältung des Saarlandes vom 30.
Januar 1933 — RGEBl. 1,S. 66 wahrgenommen:
i Vom Reichs- und Preußischen Verkehrsminister hin—
sichtlich der Saar, und zwar der Unterhaltung, des
RaàAues“ dos Botriehos der Nermaltung dieses Masßsfoer
            
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