Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

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Amtliches Anzeigeblatt —*
für den Kreis Saarbrücken
herausgegeben vom Landraisamt Saarbrücken

Fchrifileltung des nichtamtlichen Teiles, Druckhn. Verlag von Gebr. Sofer. Saarbruͤcken⸗
Völklingen. — vernsprecher der Druckerei Nr. 1184 (Amt Saarbruͤcen.)

Nr. 13. Donnerstag

Saarbrücken, B. Närz. Am 20. d. Mts. fand im Kreistagssaal,
ẽchlaßplatz 16, hier, unter dem Vorsitz des siellvertretenden Land⸗
rats, Regierungs-Assesfsor van Endert, eine Sitzung des Kreiszages
 des Landkreises Saarbrücken statt.
Der Vorsitzende gab nach Begrüßung und Eröffnung des Kreis—
ages dem tiesen Bedauern darüber Ausdruck, daß der Kreis wie das
zanze Saargebiet bei der Lösung der schwierigen Ver—
waltungs- Und Wirtschafts-⸗Probleme, die die neu«
dage aufgebe, der Mitarbeit des am V. Dezember 1819 von der fran⸗
zösischen Verwaltung ausgewiesenen Landrat v. Halfern beraubt
ei, der noch Pepsönlichkeit, Erfahrung und Kenntnis des Landes
dazu der Berufenste gewesen sei. Er gedachte alsdann des seit der
letzten Tagung verftorbenen Kreistagsabgeordneten SanRat Dr.
kbanggauth, dessen Andenken durch Erheben von den Sitzen ge«
;hrt wurde, sowie der inzwischen freiwillig oder zwangsweise ver⸗
zogenen Abgeordneten und ihrer Verdienste.
Vor Eintritt in die Tagesoronung widmete der Senior des Kreie
ages, Superintendent Zillessen, dem
Landrat Dr. v. Halfern
Vorte des Gedenkens. Der Redner schilderte eingehend die außerzewöhnlichen
 Verdienfte des Genannten, seine unermüdliche Arbeitsfreudigkeit
 und sein rastloses Wirken im Interesse des Kreises und
des Saargebiets, seine ungewöhnlichen Fähigkeiten auf allen Gebieten
der Verwaltung, sein weitgehendes Verständnis für die sozialen Nöte
und Notwendigkeiten, seine warmherzige Fürsorge für die durch den
Krieg körperlich und seelisch besonders mitgenommenen Bevölkerungs—
teile, deren Not zu lindern er seine ganze Sorge angedeihen ließ
in der sür das Ssargebiet schwersten Zeit, Eigenschaften, die ihm das
Bertrauen aller Parteien und Berufsgruppen in seltener Einmütigkeit
eingebracht hätten. Die Bevölkerung sei entsetzt gewesen über dis
Ausweisung des beliebten Mannes, wie auch über die Art und
— ——
in Saargebiet gerne gedenken und besonders der Kreistog rufe ihm
zu? „Obwohl äußerlich getrennt, stehen wir doch bei Ihnen und ge—
denken Ihrer in aufrichtiger Dankbarkeit.“ Unserer Besten einer
sei mit Landrat v. Halfern von uns genommen worden. Nie und
nimmer aber könnten solche Maßnahmen der Saarbevolskerung das
Befühl aus dem Herzen nehmen, wie unsere Vorfahren vor hundert
Jahren stolz darauf zu sein, sich als Deutsche z10
fühlen und auch auf diesem Kreistage solle als
unser Wahlspruch laut verkündet werden:
„Deutsch sein und Deutsch bbleiben für immerbar.“
Die aus dem Herzen kommenden Worte fanden die einmütige und
egeisterte Zustimmung der Versammlung. An Landrat v. Halfern
vurde nachstehendes Telegramm gesandt:
»Der erstmalig seit Ihrer Ausweisung versammelte Kreistad
endet seinem hochverehrten früheren Landrat und Vorsitzenden in
reuem Gedenken und dankbarer Verehrung herglichste Grüße. Er
pricht ihm seinen Dank aus für sein überaus segensreiches, in
kriegsnöten und schwerer Nachkriegszeit stets bewährtes und
nimmer müdes Wirken. Der Kreis wird Sie nie vergefsen.“
Ferner wurde beschlossen, als dauerndes Andenken eine künstlerisch
ausgestattete Mappe mit Ansichten aus dem Saargebiet zur Erinne⸗
rung zu übermitteln. Auch dem gleichzeitig ausgewiesenen Regierungs—
Assessor v. Salmuth widmete Superintendent Zillessen Worte«
vormer Anerkennung für seine verdienstvolle Tätigkeit, durch die
er sich ebenfalls das Vertrauen des Kreises erworben habe. Auch
jseine Ausweisung werde lebhaft bedaueri.
Hiernach wurde in die Tagesordnung eingetreten, in deren Vorder⸗
Rrund die
Beratung des Etats
tand. An der Hand des Haushaltsvorentwurfs gab der Vorsitzende
einen Ueberblichk über die wesentlichen Angelegenheiten auf dem Ge—
ziete der kommunalen Kreisverwaltung im verflossenen wie im
zommenden Wirtschaftssahr. Der Kreistag genehmigte den vor—
zeschlagenen Betrag von 1000 000 Mk. für Zwecke der Be—
tzämpfungder Wohnungsnot im Kreise. Der Betvag ist als
zuschuß zu Umbauten und Ausbauten zur Gewinnung von Wohnzäumen
 durch Gemeinden oder Private bestimmt. Ferner fand der
ür Zwecke des sja notwendigen Wiederaufbaus der Volksgesundheit,
nsbesondere der Kleinkinder⸗ und Säuglingsfürsorge sowie der Tuber⸗
zulosebekümpfumg bereitgestellte Betrag von 400 000 Mk. dire
Billigung des Kreistages. Eine besorders eingehende Behandbung
—A

Bezugspreis für das Vierteljabhr 1.S Mi.
Anzetgengebühren: dile Gmal gelpaltene Zelle oder deren Raum 17 Pig
Amiliche Anzeigen: die Zeile oder deren Raum 50 Pfg.

15. April 2920. 46. Jahrg.

Lebensmittelwirtschaft des Kreises
gewwidmet. Regierungs-Assessor van Endert führte hiergu folgende«
aus: Während es in den vergangenen Jahren möglich gewesen sei,
den LebensmittelEtat zu balancieren dadurch, daß Verluste auf der
einen durch Erträgnisse auf der anderen Seite wett gemacht werden
konnten, trete der Kreis diesmal mit einer Schuld von an«
nähernd 10 Millionen MarkausderLebensmittel«
wirtschaft in das neue Rechnungsjahr über, eine ungeheure
Summe, wenn man bedenke, daß der Gesamtetat des Kreises ohn«
Lebensmittel trotz aller Teuerung sich auf rund 83 000 000 Mark 66
jaufe. Und auch das kommende Wirtschaftsjahr werde selbst im
zünstigsten Falle Aufwendungen auf dem Gebiete der Lebensmittel
oersorgung verlangen, die die Steuerkraft in einer bisher unerhörten
Weise in Anspruch nehmen werde.
Die Belieferung mit Lebensmitteln sei erfolgt und erfolge in der
überwiegenden Hauptsache durch Deutschland im Rahmen der dort
zeltenden Rationierungsbestimmungen. Das gelte insbesondere fün
Kartoffeln und Mehl, aber auch für Nährmittel, Milch und Fett
wenn Fett auch in geringeren Mengen zur Lieferung gelange,
Die Beschaffung dieser Lebensmittel hätten dem Kreise labgesehen
von Zuschüssen zu Inlandskartoffeln) im allgemeinen besonder
finanzielle Losten nicht auferlegt. Denn soweit diese Lebensmittel
unter dem Gestehungspreis an die Verbraucher abgegeben würden —
und das sei bei allen durch das Reich aus dem Auslande bezogenein
Lebensmitteln der Fall — werde der Differenzbetrag vom Reiche ge«
tragen. So habe das Reich für holländische Kartoffeln mindesten
200 Mk. pro Doppelzentner gegahlt. Diese Kartoffeln seien mit
40 Mk., neuerdings nmit 509 Mk. pro Doppelzentner an die Bevölke;
rung abgegeben worden. Bei einer schätzungsweisen Belieferung des
Landkreises mit bisher etwa 60 000 Zentnern holländischer Kartoffeln
ergäbe sich ein vom Reich allein für die Kartoffelversorgung der
Kreiseinge sessenen aufgewendeter Zuschuß von 4800 000 Mk. Aehnlich
oerhalte es sich mit Reichszuschüssen bei anderen durch das Reich
zelieferten Auslandswaren. Leider trete vielfach eine Verteuerun
dieser Waren ein infolge der seit Januar in Wirksambeit befindlichen
französischen Zollgrenze.
Denn wenn es auch gelungen sei, die anfänglichen hierdurch herbei⸗
zeführten Störungen des Zuflusses der deutschen Lebensmittel infolge
Entgegenkommens der Behörden in etwas zu beseitigen, so seien doch
quschläge an die französische Zollbehörde zu zahlen, einmal in Form
tatistifcher in Franken berechneter Gebühren für Lebensmittel dot
Reiches inländischer Herkunft, und zum zweiten in der Form de—
Zolles für die vom Reich aus dem Auslande bezogenen mit Ver:
illigungszuschuß nach hier gelieferten Lebensmittel. Sie hätten be—
tragen z. B. für einen Wogen Teigwaren 1251 Mu. statistische Gebühr,
für einen Wogen ausländischer, durch das Reich gelieferter Nährmittei
000 Mk. Zoll, für einen Wagen kondensierte Auslandsmilch 16 000
M. Zoll, sür 300 Zentner Schmalz 35 000 Mk. Zoll. Um diese Beträge
»erteuerten sich die vom Reich gelieferten Lebensmittel im Gegensatz
zu dem im Reich selbst verausgabten. Diese Beträge fielen dem
ßreise zur Last.
Sehr erhebliche Zuschüsse seien erforderlich gewesen, un die aus dem
Reich zugewiesenen Jnlandskartoffeln zu dem von der
iranzösischen Militärverwaltung vorgeschiebenen Preise an die Ver—
braucher abzugeben. Dieser Verkaufsreis habe betragen zunächst
*1 Psq., dann 20 Pfg., heute betrage er B Pfg. im Kleinverkouf bei
tatlonierter Ausgabe. Bei dem Wettlauf der Bedarfskreise, in⸗
dustriellen Betriebe und der ungeheuren Konkurrenz des durch dit
Berbraucher selbst gezüchteten Schleichhandels mit Kartoffeln war e—s
und sei es nicht möglich, die Kartoffeln zu diesem Preise einzukaufen.
Die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis hätte vom Kreise
jetragen werden müssen. Der Zuschuß belaufe sich für die laufende
Versorgungsperiode insgesamt auf A/, Millionen Mark, er werde sich
aber aller Voraussicht nach noch erheblich erhöhen. Ob es troß diesen
Dopfern möglich sein werde,
die Kartoffelversorgung der Vevrölkerung,
ebesondere auch die ausreichende Belieferung der Kartoffelanbauer
mit Saatkartoffeln durchzuführen, sei noch nicht zu übersehen. Die
Hoffnung beruhe auch einzig und allein auf dem weiteren Zufluß
holländischer durch das Reich wie bisher verbilligter Kartoffeln und
auf der Lieferfreudigkeit und Liefermöglichskeit der Erzeuger im
Reich. Diese Lieferungsfreudigkeit allein mit Geld anzuspornen,
väre vorgebliches Bemühen. Hierzu brauche man Düngermittel,
Tnmoniak und Thomasmehl uvnd man wilse drüben im Reich da
            
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