Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

IIIIIIIIIVV
176) Bekanntmachung
betreffeud Höchstpreise für Frühlartofseln.
Auf Grund der 88 1 und 2 der Verordnung des
neichsernährungsministers über die Preise für Früh⸗
artoffeln vom 10. April 1919 (R. G. Bl. S. 385/ 86)
vird hiermit im Einverständnis mit dem Reichs—
ernährungsminister bestimmt:
Der Höchstpreis für Frühkartoffeln aus der Ernte
1919 betraͤgt vom 9. bis einschl. 10. August 15.— Mk.,
vom 11. bis einschl. 20. August 12.- Mk. sür den
Zentner. Dieser Preis ist Hoͤchstpreis im Sinne des
Besetzes, betr. Höchstpreise.
Der Höchstpreis gilt für die in der Rheinprovinz
erzeugten Kartoffeln für den Verkauf durch den Kar—
tofselerzeuger. Er schließt die Kosten der Beförderung
his zur Verladestelle des Ortes, von dem die Ware
mit der Bahn oder zu Wasser versandt wird, sowie die
stosten des Einladens daselbst ein.
Coblenz, den 9. August 1919.
Die Provinzialkartoffelstelle für die Rheinprovinz.
177) Bekanntmachung
Unter dem Schweinebestand des Schreinermeisters Ma—
thias Zehrden zu Völklingen ist die Schwemerortlauf—⸗
Zeuche ausgebrochen und wurde daher über das betreffende
Behöft die Sperre verhängt.
Wölklingen, den 14. August 1919.
Die Polizei-Verwalt ino.
Der Bürgermeister.
J. V.: Der Beigeordnete Klonz.
178) Bekanntmachung.
Amitstierärztlicher Feststellung zufolge ist unter
dem Schweinebestande des Bergmanns Georg Sander
zu Dilsburg die Schweineseuche ausgebrochen.
Ueber das Gehöft des Genannten ist die Sperre
verhängt.
Heusweiler, den 12. August 1919.
Der Bürgermeister.
Mayer.

Saarbrücken, den 22 August.
Der Landrat:
von Halfern.

*

Laudwirte, beizt den Saatweizen!
Die Dreschmaschine beginnt wieber ihre Arbeit;
aach dem Roggen wird die Weizenernte an die Reihe
kommen. Bei der Gelegenheit greift man gerne zu—
rück auf Erfahrungen der Vorjahre. Man sieht nicht
jelten, daß die Dreschmaschine des Dorfes in eine rechte
Staubwolke gehüllt ist. Jeder Eingeweihte weiß, es
wird Weizen gedroschen, der viel „Schmutz“ hat.
Schmutz, so nennt der Volksmund die Pilzsporen des
Steinbrandes. Gerade in den letzten Jahren während
des Krieges hat man vielfach ein sträfliches Ueber—
hzandnehmen des Weizenbrandes beobachten können.
Das kam daher, weil viele Landwirte im Interesse der
Versorgung des eigenen Tisches zum Weizenbau über—
zingen; d. h. sie machten die Sache nicht ganz recht,
denn jeder neuzeitliche praktische Landwirt weiß, daß
man den Weizen vor der Saat beizt, wenn man sich
oor Verlusten durch Brand schützen will.
Die vom Brand befallenen Aehren stehen auf dem
Felde ausrecht da, weil sie leichter sind als die Aehren
mit echten Getreidekörnern; sie bleiben länger grün,
und später schimmern die Brandkörner grün-schwarz
durch die Aehre durch, auch spreizen sich nicht selten
die krankhasten Aehren, während die Spelzen des ge—
sunden Weizens fest auf dem Korne aufliegen. Die
brandigen Körner enthalten kein Mehl, sondern ein
settiges, grauschwarzes Staubpulver, das übel riecht
und das Mehl minderwertig macht. Beim Dreschen
werden die Brandkörner zerschlagen, und das feine

Pulver verteilt sich auf alle gesunden Körner. Werden
olche mit „Schmutz“ oder Brandsporen behastete
störner gesät, so ist der Grund zur nächstjährigen
Weiterverbreitung der. Krankheit gelegt. Wer daher
seine Ernte sichern und verbessern will, der muß die
Brandsporen abtöten. Dies erreicht man durch das
Beizen des Saatweizens. Es gibt hier mehrere brauch—
hare Beizverfahren.
Behandlung mit Kupfervitriol.
Man löst ein Pfund Kupfervitriol, oder Blau—
stein genannt, in einem Eimer mit warmem Wasser
auf und verdünnt dann die Lösung bis auf 100 Liter
mit kaltem Wasser. Zur Herstellung der Beize bedient
man sich einer Holz- oder Zinkbütte. Den Weizen
schüttet man in die Lösung hinein, rührt wiederholt
um und schöpft schwimmende Körner ab. Die Samen
müssen eine Hand hoch von der Beizflüssigkeit bedeckt
tein, damit bei eintretender Quellung die oberste
Schicht des Weizens nicht trocken liegt. Nach 12-16
Stunden läßt man das Beizmittel ablaufen und gießt
nun Kalkmilch auf den Samen. Zur Herstellung der
Kalkmilch löst man 122 Klgr. gebrannten Kalk in 100
Liter kaltem Wasser auf. Die Kalkmilch läßt man
unter stetem Umrühren nur fünf Minuten auf den
Weizen einwirken. Den so gebeizten Weizen breitet
man zum Trocknen aus und sät ihn möglichst bald.
Will man vollständige Arbeit leisten, so muß man auch
die Säcke in die Kupfervitriollösung bringen, dann
mit Wasser auswaschen und trocknen. Man kann auch
statt des Nachspülens mit Kalk ein Ueberbrausen des
Weizens mit Kalkmilch anwenden.
Vielsach wird auch Kupfervitriol und Kalk gleich—
zeitig im Gemisch angewandt. Bei diesem Versahren
taucht man den Weizen mit einem gewöhnlichen
Weidenkorbe in die Bütte mit 200 Kupfervitriol-Kalk—
mischung. Diese Kupserkalkbrühe wird hergestellt, in—
dem man 2 Klgr. Kupfervitriol in 50 Liter Wasser
löst, 1 Klgr. gebrannten Kalk gleichzeitig in andern
50 Liter Wasser löst und dann beide Flüssigkeiten vor
der Verwendung zusammenschüttet. Nachdem das
Saatgut alle benetzt ist, trocknet man es wieder.
Die Formalinbeize.
Bei der Formalinbeize schüttet man den Weizen
zunächst in Wasser, rührt um, schöpft die leichten
Brandkörner ab und läßt das Wasser wieder ablaufen
Zodann gießt man 250 Gramm des gewöhnlichen
1000igen Formalins auf 100 Liter Wasser; diese
dösung gießt man über den Weizen, rührt um und
läßt 10215 Minuten stehen. Man kann auch den
Weizen in kleinen Säcken in die angefertigte Lösung
hineinstellen. Der so gebeizte Weizen wird getrocknet,
tann gesackt und längere Zeit bis zur Saat aufbewahrt
verden. Hat man Saatgut übrig, das man zu anderen
Zwecken verwenden will, wäscht man die Formalin—
beize in Wasser ab und trocknet wieder.
Aehnlich einfach ist die Anwendung von Uspu—
lbun, das von den Farbenfsabriken Leverkusen, vor—
mals Friedrich Bayer u. Co. hergestellt wird. Sein
keimtötender Bestandteil ist Chlorphenolquecksilber
Man benutzt das sogenannte Benetzungsverfahren und
das Tauchversahren. Ueber die Einzelheiten der An—
wendung gibt die auch der kleinsten Menge beige—
gebene Gebrauchsanweisung Aufschluß.
Das Heißwasserverfahren, welches auch
mitunter zur Anwendung kommt, ist für den Landwirt
recht schwierig durchzuführen, da es genaue Tempe—
ratur von 52 bis 562 C. verlangt; zu niedrige Tem—
deraturen haben keine volle Wirkung, zu hohe beein⸗
rächtigen die Keimkraft des Weizens. Alle diese Ver—⸗
ahren verursachen zwar etwas Mühe und Arbeit, aber
die Mühe lohnt sich durch vermehrte und verbesserte
Ernte
            
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