aus der Lieferung von Oelfrüchten an den Kriegs—
ausschuß ergeben, für jede Provinz ein Schlichtungs—
ausschuß errichtet, dessen Mitglieder vom Oberpräsi—
denten ernannt werden. Die Schlichtungsausschüsse be—
stehen aus einem höheren Beamten, sowie einem Land—
wirt und einem sachverständigen Händler als Bei—
sitzern. Die Tätigkeit der Schlichtungsausschüsse wird
keine sehr umfangreiche werden. Der Herr Präsident
des Kriegsernährungsamts hat den Kriegsausschuß an—
gewiesen, bei Beanstandungen abgelieferter Oelfrüchte
mit größter Vorsicht vorzugehen und die Preisabschläge
möglichst gering zu bemessen, um zu verhindern, daß
durch übermäßige Abzüge vom Höchstpreis der An—
hau von Oelfrüchten nachteilig beeinflußt wird.
Es wird ersucht, die Stadt- und Landkreise, für
welche Abdrucke beigefügt sind, alsbald entsprechend
zu verständigen, die erforderlichen Anordnungen zu
erlassen und deren Durchführung im Aufsichtswege zu
überwachen.
Berlin, den 10. September 1917.
Der Minister des Innern.
Drews.
Der Minister für Handel und Gewerbe.
Im Auftrage: Lusensky.
der Minister für Landwirtschaft, Domänen u. Forsten.
Im Auftrage: Krenzlin.
bohunntmechungen or Rel. Postzeltreftflon.
17) Bekanntmachung
Nachdem die unter dem Pferdebestande des Spedi—
teurs Philipp Creutzer, Ludwigstraße 58, ausgebrochen
gewesene Räude erloschen ist und die amtstierärzt—
liche Abnahme der vorschriftsmäßig ausgeführten Des—
infektion des Stalles stattgefunden hat, habe ich die
unterm 8. März d. Is. angeordneten Schutzmaßregeln
wieder aufgehoben. (Saarbrücker Kreisblatt Nr. 28
Seite 124).
Saarbrücken, den 4. Oktober 1917.
Der Koönigliche Polizeidirektor.
behunnemouchungen ouderer behhrlen
y18) Bekanntmachung
Infolge Ausbruchs der Rotlauf-Seuche habe ich
über das Gehöft der Witwe Peter Wagner zu Claren—
chal die Sperre verhängt.
Gersweiler (Saar), den 3. Oktober 1917.
Die Polizei-Verwaltung.
Der Bürgermeister.
Müller.
Saarbrücken, den 9. Oktober 1917.
Der Köonigliche Landrat:
v. Halfern.
Dank eines Alleinstehenden an der Front.
„Alleinstehende“, „Vereinsamte“ find solche Soldaten, die aus
der Heimat keine Liebespakete erhalten, da sie entweder keine An—
gehörigen hier haben oder diese so arm sind, daß sie ihnen Pakete
nicht schicen können. Durch den Delegierten der Abnahmete
lILe Tdes XXI. AK. in Saarbrüscken, Prof. Dr.Schaub,
sind bereits für 1416 Vereinsamte Patenschaften vermittelt wor—
den, so daß auch solche Vereinsamte nun nicht mehr leer aus—
gehen, wenn die Post ankommt. Besonders die für das Edle
eicht empfänglichen Gemüter der Schüler und Schülerinnen aller
Schularten haben sich für dieses Liebeswerk begeistert. Viel
Segen ist so aus der Heimat an die Front Feflossen, der
in den gehobenen Stimmungen unserer heldenhaften Kämpfer zum
Ausdrud kommt.
Daß die, Gaben des heißen Dankes der beglückten Empfänger
tets gewiß sein können, ist selbstverständlich, auch wenn Dankes—
chreiben ausbleiben, woran diese nicht einmal immer schuld sind.
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ks fallen wohl auch manchmal Dankesbriefe nüchtern aus; denn
richt jeder vermag das so in Worte zu kleiden, wie er es emp⸗
indet. Viele Dankesschreiben geben aber in schlichter, ansprechen⸗
»er Form deutlich kund, wie der Alleinstehende durch die Liebe
»es ihm unbekannten Gebers erwärmt wird, wie er aus seiner
raurigen Stimmung, — die besonders dann oft sehr nieder—
jedrückt war, wenn er sehen mußte, wie andere so oft etwas
vus der Heimat erhielten, — herausgerissen wurde, wie er gleich—
am neu belebt wurde, da er sich nicht mehr einsam fühlte in dem
»eglückenden Bewußtsein, in der Heimat einen Freund zu haben.
Wie wertvoll eine derartige Wirkung der Patenpabkete ist,
»ezeugen auch die Danlkesschreiben der Herrn Kommandeure. Be—
onders aber läßt diese ein Brief eines Alleinstehenden in einem
Zaarbrücker Regiment, der an Stelle eines in die
zeimat entlassenen Kameraden das für diesen bestimmte Pabket
ruf Anweisung des Regimentskommandeurs erhalten hatte, an
inen Schüler der Quinta der Oberrealschule in Saar—
hrüchen deutlich zum Ausdruck lommen.
Er schreibt:
„Lieber Freund! Ihnen zur Mitteilung, daß der Kamerad
karl St. schon seit 2 Monaten in Saarbrücken weilt und ich der
Slückliche bin, welcher mit größter Freude Ihr gestiftetes Paletchen
rhalten hat, wofür ich herzlich danke. Ich heiße Emil Sch., bin
Sohn eines Bergarbeiters aus Sachsen; es ist mein Stiefvater,
nein Vater selbst lebt nicht mehr. Die Kompagnie hat mir das
Paketchen überreicht, da ich von Hause mit der Post nichts er—
halte. Da können Sie wohl die Freude denken,
vie glücklich ich war, als ich auch ein Paket dabei
)atte. So oft mußte ich immer zusehen, wenn andere Kame—
⸗aden 2253, auch 4 Pakete erhielten, und heute Abend hatte ich
ruch eins dabei, drum danke ich Ihnen von Herzen dafür.
Ich bin von Beruf nur gewöhnlicher Arbeiter, habe mein
Brot zum Teil mit Schippe und Haue verdient, habe immer den
kopf hoch gehalten, wenn es mir auch schwer gefallen ist und
ue ich es auch jetzt; sage nur, der liebe Gott hat bisher ge—
olfen, er wird auch weiter helfen. Das sehe ich an der Güts
ind Barmherzigkeit meiner Mitmenschen. Mir fällt es ja schwer;
venn der Körper früher schwer gearbeitet hat, so hat man auch
iel gegessen, und dies ist der Magen jetzt gewöhnt; aber er he—
ommt es nicht mehr, wenigstens das Brot nicht, denn wir müssen
ehr sparsam damit umgehen, um aushalten zu können, denn
pir wollen doch siegreich aus diesem Kriege hervorgehen. Drum
seißt es: „Immer Kopf hoch, wenn es auch schwer fällt.“ Die
Stimmung in mir ist jetzt wieder gehoben, da—
»urch daß sich meine lieben Mitmenschen meiner
»rbarmt haben und mir ein Geschenk gemacht
haben. Wenn man so zwei Jahre hier in Rußland ist und
nan sieht die Kameraden nach Postempfang mit dem Paketchen
interm Arm laufen und selbst geht man leer aus, enttäuscht,
richts, nicht einmal Briefpost dabei, so fühlt man das Verlassenein
dadurch heraus und wird traurig. Aber heute war das
inders, ich war glücklich, sehr froh wie nie seit 2
Jahren.
Mit Gottes Hilfe erwarten wir ein baldiges siegreiches Ende.
zute Ernte, gutes Ende.
Viele herzliche Grüße an die Klasse Vb der Oberrealschule
Saarbrücken. Wünsche Ihnen von Herzen alles Gute. Mit
treudeutschem Gruß und viel tausend Dank Ihr Emil Sch.“
Von der Abnahmestelle des XXI. ArK. in Saarbrücken,
Triererstraße 4, gehen zu Anfang jeden Monats regelmäßig
Sammelsendungen von Patenpaketen in Kisten an
die Herrn Regimentsbommandeure, die die Pakete an die Ver—
»insam ten einhändigen lassen. Pakete an die Abnahmestelle be—
ördert die Post portofrei, wenn sie mit dem Stempel der Orts—
»der einer Militärhehörde versehen sind. Der Absender spart so
sas Porto, ist nicht an die sonst vorgeschriebene Gewichtsgrenze
zebunden und hat eine größere Sicherheit, daß das Paket in
zie Hände des Empfängers gelangt. Besonders wertvoll ist aber
diese Versendung der Patenpakete mittels der Abnahmestelle auch
»eshalb, weil gegebenen Falles die Pakete anderen Vereinsamten
iberwiesen werden, wenn die Empfänger infolge Tod, Gefangen—
iahme, Verwundung oder Krankheit sich nicht mehr bei der Truppe
definden, während mit der Post gesandte Pakete in diesen Fällen
in die Absender zurüchgehen müssen und so ihren Zweck verfehlen.
Noch viele Vereinsamte hoffen, daß auch sie Gaben erhalten.
Möchte sich diese Hoffnung erfüllen! Möchten noch viele Herzen
n der Heimat sich dieser Aermsten unserer Kämpfer erbarmen!
ßetr. etwaigen Anfragen wende man sich an den Delegierten
Prof. Dr. Schaub (Feldpost). Bei regelmäßiger Zusendung
»on etwas Mk. monatlich übernimmt die Abnahmestelle die Ver—
orgung eines Alleinstehenden im Namen des Gebers. Bei Gelde
endungen zu diesem Zwecke wolle man gefl. angeben, daß
dies Geld für Alleinstehende bestimmt ist. Geldsendungen an die
Pbnahmestelle sind vortofrei.
—Au