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Kreissammeistelle
des Kreises Saarbrücken für Schul—⸗
sammlungen.
659) Bekanntmachung
Die Herren Ortssammelstellenleiter werden ersucht,
sich in dem am 30. 7. fälligen Wochenberichte genau
an das Muster in Verfüg. S. 62. 16. 7. 17 zu halten.
Diese Verfügung ist wiederum vielfach nicht beachtet
vorden: Die Mengen sind nach kKg, nicht nach Pfund
anzugeben. Meldungen wie beispw. „Menge gering“
oder „ein Schlauch“ oder „nicht gewogen“ sind wert—
los. Es ist stets nach vollen kg zu rechnen. Ueber—
scchießende Gewichtsmengen können im nächsten Be—
richte verwertet werden. Es darf nur das gemeldet
verden, was tatsächlich lLagert. Bemerkungen wie
heispy.: „vorher 10 kg an das Bürgermeisteramt ab—
zeführt“ wirken nur störend und sind völlig zwecklos.
der Bericht am 30. 7. meldet nur den Zuwachs, nicht
den Gesamtbestand. Die Sammelgüter dürfen nicht ab—
zegeben werden. Insbesondere die Teekräuter sind
pfleglich zu bewahren. Den Kindern verbleiben zunächst
aur die Beerenernte, Wildgemüse und Pilze; nicht
aber etwa Aehren, Arzneipflanzen u. s. f. Der Orts—
ammelstellenleiter ist verantwortlich dafür, daß er die
gemeldeten Mengen beim Abruf tatsächlich im Besitze
hat. Ich weise nochmals darauf hin, daß die Kontrolle
in der Kreissammelstelle hauptsächlich den Zweck hat,
festzustellen, wann die im Kreise gesammelten Mengen
so groß sind, daß der Abruf erfolgen kann. Aus
diesem Grunde schon ist die genaue Gewichtsangabe un—
erläßlich. Bei Fehlanzeige ist die Angabe des Grun—
des des öfteren vergessen worden.
Saarbrücken 1, den 23. Juli 1917.
Der Leiter der Kreissammelstelle
des Kreises Saarbrücken für Schulsammlungen.
Marx, Kreisschulinspektor.
Die Herren Ortssammelstellenleiter werden ersucht,
die gesammelten Knochen wöchentlich an die Knochen—
entfettungsanstalt Saarbrücken, Adresse: Korpsschlacht—
amt Saarbrücken, abzusenden. Die abgelieferten Men—
gen sind in der Wochenübersicht aufzuführen.
Saarbrücken, den 25. Juli 1917.
Der Leiter der Kreissammelstelle.
Marx, Kreisschulinspektor.
Saarbrücken, den 27. Juli 1917.
Der Königliche Landrat:
v. Halfernu.
Eine wichtige Tatsache für die Frühlartoffelerute.
Vielfach wird bei der Kartoffelernte der Febler ge⸗
nacht. daß die Kartoffeln aus dem Boden zu fruͤh heraus—
jenommen werden. Die allseitige Aufmerksamkeit auf diese
urchaus falsche Maßnahme zu lenken, ist, besonders in
iesem Jahre, wo wir gilles dazu tun müssen, um eine
roße Kartoffelernte zu erzielen, wichtig,
Es sei zu diesem Punkte darauf hingewiesen, daß
die Vergrößerung des Knollenansatzes, im besonderen auch
die Stärke-Ansammlung in den Knoslsen, hauptsächlich wäh⸗
end der Reife, und zwar dann, wenn Blatter und
Stengel zu welken anfangen, stattfindet. Gerade in dem
deginnenden Welkestadium zieht die Stärke, die den wich—
igsten Nährgehalt der Knollen biidet, aus den welkenden
Teilen in die Knollen. 4
Es geht hieraus hervor, daß die Kartoffelñ erst dann
au ausgereift und erniefähig zu betrachten ind. wenn ihr
Laub völlig abgewelkt ift J
Die unbedingte Beachtung einer nicht zu frühen Ernte
der Kartoffeln wird besonders in diesem Jahre bei den
Frühkartoffeln u einer drae bon deößzter Wichtigkeit.
Durch den grotsen diegenmiel ist die Frühkartoffelernte
tark beeinträchtigt worden. Wo nunmehr überaill in Deu tsch⸗
and ausgiebiger Regen niedergegangen ist, ist es immer⸗
hin möglich, daß auch die Frühkartoffeln fich in ihrer
nolienausbisdun hedeutend verbessern werden: eine
Brundbedingung ist natürlich, daß man ihnen hierzu
die nötige Zeit läßt, und sie, wie vesagt. erft in völlig
abgewelktem Zustande erntet.
Zweifelsohne wird eine allseitig genaue Beachtung dieser
wichtigen Erntemaßnahmen eine Gewähr dafür bieten, daß
die Kartoffelernte in ihrer Menge und besonders in ihrem
Stärkegehalt gesteigert werden kann.
Es ist deshalb vaterländische Pflicht, wenn jeder nach
Möglichkeit dazu beiträgt, daß die Kenntnis diefer Tat—
ache bei der Kartoffelernte besonders in den Kreisen ver—
dreitet wird, die infolge des Krieges sich erst neuerdings
nit dem Kartoffelanbau befassen, und von denen man
»aher die Kenntnis dieser Dinge nicht ohne weiteres ver
angen kann.
Aufgaben der Landwirtschaft
—M
während der Uebergangszeit.
Dr. W. Büsselberg, Berlin-Charlottenburg.
Der Fortschritt der landwirtschaftlichen Erzeugung im
9. Jahrhundert, dann die Abgeschlossenheit und geringe
kinsichtigkeit der einzelnen landwirtschaftlichen Betriebe und
»ie darauf zurückzuführende Schwierigkeit der Vergleichung
zaben im allgemeinen die Tatsache in den Hintergeund
reten lassen, daß die Leistungen unserer Landwirtschaft
richt entfernt an das heranreichen, was schon der heulige
Ztand der landwirtschaftlichen Wissenschaft und Prari—
nöglich erscheinen läßt.
Aus politischen und volkswirtschaftlichen Gründen ist
die Versorgung mit Nahrungsmitteln aus dem
ꝛigenen Lande besonders auch in der Uebergangszeit
erwünscht,. weil dann die Industriewerte zur Be—
zahlung der Einfuhr fsehlen werden und weil der
Weltmarktpreis infolge Mangels an Schiffstoönnage und
ruch an Getreide sehr hoch sein wird. Dabei gilt es, die
bBernachlässigung des Ackers während des Kriegdes wieder
wett zu machen.
Zur Erfüllung dieser Aufgaben sind vor allem Ar—
beitskräfteé nötig, die in der Landwirtschaft selbst oder
mittelbar in den von der Landwirtschaft beschäftiaten In
dustrien Arbeit finden.
1. Sicherstellung des Handelsdüngers.
Infolge des Aufhörens der Stickstoffeinfuhr und des
Rückganges des Stallmistes an Menge und Qualität sind
vährend des Krieges dem Acker wie den Wiesen erheblich
gjeringere Stickstoffmengen zugeführt worden als im Frieden.
An Phosphorsäure hat es ebenfalls gefehlt und auch der
daliverbrauch ist hinter dem des Friedens zurückgeblieben.
Die Gesetze der Statik des Landbaues sind zwar noch un—
ꝛrforscht; aber es scheint doch gewiß zu sein, daß gut
zedüngte Saaten ungünstigen klimatischen Einflüssen besser
viderstehen als schlecht gedüngte. Jedenfalls steht fest, daß
ruch minderwertige Böden nach Handelsdüngergaben noch
ohnende Erträge bringen und daß beispielsweise die
stoggenernte auf Sandboden durch künstlichen Dünger erheb—
ich gesteigert werden kann. Wenn auch die Versuche über
ationelle Düngung noch nicht als abgeschlossen gelten
önnen, so ist es doch bedauerlich, daß die Verbreitung
disher gewonnener Kenntnisse auf dem Gebiete der
Düngung in vielen, besonders bäuerlichen, Wirtschaften
ranz unsulänglich ist.
Auf Grund der vorhandenen Bodenkarten wären zu—
nächst unter wissenschaftlicher Leitung und in Verbindung
mit erfahrenen ortsangesessenen Landwirten Dünger—
pläne für die einzelnen Gemarkungen und deren Teile
festzusetzen und bekannt zu geben. Das
Düngerbedürfnis könnte im Laufe der Zeit durch
blanmäßige Erforschung auf Grund von Beobach—
tungen und chemischen Untersuchungen immer eingehen—
der bestimmt werden.
Durch Belehrung der Verbraucher muß auch dafür ge—
orgt werden, daß die jetzt für die Pulverbereitung er—
orderliche Stickstoffmenge nach Friedensschluß von der Land—
wirtschaft aufgenommen werden kann und auch muß, da
dadurch — ganz abgesehen von der landwirtschaftlichen Pro—
duktionssteigerung — der Fiskus, der Bürgschaften für die
Salpeterfabriken übernommen hat, entlastet werden kann.
Erwünscht und erforderlich ist es aber, gerade in bezug
ruf die Stickstoffdüngung festzustellen, für welche Boden—
arten und zu welchen Jahreszeiten, ob vor der Aussaat
»der als Kopfdünger, der vielfach an Kalk gebundene
Zuftstickstoff gegeben werden darf. Ganz abgeseben von der
Der Einfuhrüberschuß an Lebens-, einschließlich Futtermitteln
und Handelsdünger bostete dem Deutschen Reiche vor dem Kriege
ährlich 2,7 Milliarden, für den Kopf 41,8 Mk.; die Mehrausfuhr
in Zucder mit 130 Millionen Mk. ist dabei nicht in Rechnung
destellt morden