Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

Unterrichtsausfall für einzelne Kinder, Hilfstrupps oder
janze Klassen in jedem Umfange genehmigt. Ich lasse
inten unter A ein Merkblatt für die Brennesselernte
olgen, unter B einen Abdruck der Anweisung aus
sgreisblatt 53. 11. 5. 17. Merkblatt und Anweisung
iind sofort in allen Klassen der Mittel- und Ober—
tufe zum Unterrichtsgegenstand zu machen; die Er—
sedigung ist im Fortschrittstagebuch nachzuweisen. Die
Anterweisung geschieht zweckmäßig auf Sammelgängen.
x8 darf erwartet werden, daß es den Herren Orts—
ammelstellenleitern gelingt, die ganze Bevölkerung zur
MNitarbeit heranzuziehen. Eine gute Nesselernte ist für
unsere Kriegswirtschaft von höchster Bedeutung.
A. Merkblatt für die Vrennesselernte.
Erntezeit: Wenn die Brennessel in Blüte steht.
Höhe der Pflanze: Mindestens 80 Zentimeter.
Abschneiden: Dicht an der Erde, nicht aus—
reißen. Pflanzen glatt nebeneinander legen, nicht
nicken.
Entfernung von Gräsern, Taubnesseln (weiße
Zlüten! und sonstigem Unkraut.
Trocknen. Das Ernten der Pflanzen darf nicht
geschehen:
bei nassem Wetter, weil das Trocknen dadurch
erichwert und die Gefahr des Gärens und der Schim—
nelbildung vergrößert wird;
ferner nicht in den ersten Morgenstunden, weil
dzann noch der Tau auf den Blättern liegt und die
Stengel, da die Blätter die überschüssige Feuchtigkeit
ioch nicht verdunstet haben, bis in die letzten Aeder—
hen mit Wasser gefüllt sind.
Nach dem Abschneiden sollen die Pflanzen nicht
ettwa stundenlang aufeinander liegen, sondern mög—
sichst schnell zum Trocknen aufgestellt werden. Hierzu
ignen sich Plätze, wo die Pflanzen der direkten Son—
ienbestrahlung ausgesetzt sind. Im Vorjahr sind viele
stesseln dadurch verdorben, daß sie auf feuchten Boden
hingelegt worden sind. Die Pflanze hat dann vor
allem durch die Blätter immer wieder Bodenfeuchtig—
eit angenommen und die Folge davon war vielfach
„chimmelbildung. Die Pflanzen werden deshalb zweck—
näßig an Zäunen, gezogenen Leinen, Mauern u. s. f.
ingelehnt, so daß die Luft von allen Seiten freien
durchzug hat. In der Sonne müssen sie gewendet
verden. Die Stengel müssen schließlich so trocken sein,
)ak die Blätter von selbst abfallen.
Bündeln: In kleinen Garben, die dann jeweils
zu zweien in der Weise zusammengebunden werden,
)aß die Spitzen der einen Garbe auf den Stengel—
ꝛnden der anderen liegen. Das Bündeln darf erst kurz
»or der Ablieferung, deren Zeitpunkt unter Angabe
der Sammelstelle im Kreisblatt besonders bekannt ge—
geben wird, vorgenommen werden. Das Bindemate—
rial darf nicht zu fest um die Garben geschlungen
verden, weil dadurch leicht ein Knicken der Stengel
net. was unter allen Umständen vermieden werden
nuß.
Die Brenuesselfasern erfeen uns die Baumwolle. Die
Brennesselblaͤtier sind ein vortreffliches Futtermittel.
Im Jahre 1913 führte man in Deutschland für nahezu 700
Millionen Mark Rohstoffe für die Gewinnung von Baumwolle
in. Seit Ausbruch des Krieges verhindert England die Zufuhr von
ohstoffen. Durch den Aubau vou Hanf und Flachs wird unser
edarf bei weitein nicht gedeckt. Besten Ersaß. liefert uns die
zrennessel. Im Jahre 1516 wurden im deutschen Reiche 4400
Jentner Brennesseln gesammelt und daraus 4400 Pfd. Rohfaser
ergestellt, die zu 31/3 Mill. Metern Gewebe verarbeitet wurde.
in diesem Jahre muß der Erfolg noch weit größer sein.
Die Brennessel (Artica diica)
wächst wild in Gräben, an Zäunen, Hecken, Schutthaufen und Wald—
aͤndern. Sie wird bis 1,50 Meter hoch. Die Blätter sind
angich herzförmig. Der Blattrand ist grob gesägt. Beim Be—
28 der Pflanze mit der Hand verspürt man einen brennenden
ne die Brennhaare der Brennessel verursachen kleine weike
3die Kaut mird allmählich fot.

Die Brennessel liefert eine vierfache Ernte im Jahre.
Ende April, Pflanzenhöhe 25— 30 em, zu Futterzwegen,
„.Juni, I100- 110, zur Fasergew.,
Mitte Septbr., 4 100- 110 F
Ende Oktober. 20— 30, 3u Futterzwecken.
Die Sanmlung zur Fasergewinnung.
a) Schneiden. Bei trodenem Welter werden die Stengel
nit der Sichel oder mit der Sense glatt am Boden abgeschnitten.
dandschuhe schüßen gegen die Brennhaare.
b) Abstreifen der Blätter. Sind die Blätter trocken,
o werden dieselben mit der Hand (nach der Spitze zu) abgestreift.
Die Verwendung der jungen Brennessein und der
getrodneten Biätter zu Futterzwecken.
Die jungen Brennesseln, mit Stroh oder Heu gehädselt, sind
ein vorzügliches Futter für Pferde, Rindvieh und Ziegen. Klein
zeschnitten, abgebruht und mit Kleie ac. vermischt, sind sie ein
ausgezeichnetes Futter für Ziegen, Schweine und Federvieh (be—
onders junge Gänse). J
Vielfach werden die jungen Brennesseln auch wie Spinat
zu einem schmackhaften Gemuse zubereitet.
Die getrockneten Blätter sind ein wertvolles Winterfutter
für Ziegen und Kaninchen.
Klein gerieben, in heißem Wasser abgebrüht und in kleinen
Mengen der „Saufe“ zügesetzt, sind sie eine nahrhafte Beigabe
ür Ziegen und Schweine und — steif angerührt mit Kleie bder
gelbochten Kartoffelschalen, Runkelrüben, Küchenabfällen ꝛt. — für
Kaninchen und Federvieh.
Preis für gesammelte Brennesselstengel.
Die Nesselfaser? Verwertungsgesellschaft in Berlin, Schützen⸗
traße 65, zahlt in diesem Jahre 14 Mk. für den Doppelzenkner
rodene Stengel frei Bahnstation.
Keine Brennesselpflanze darf in diesem Jahre ungenukt ver
ommen!
Saarbrücken J, den 4. Zuli 1917.
Der Leiter der Kreissammelstelle
des Kreises Saarbrücken für Schulsammlungen.
Marx, Kreisschulinspektor.
388) Vekanntmachung.
Die Rotlauf⸗Scuche in dem Gehöfte des Berg⸗
nanns Christian Fetick zu Clarenthal ist erloschen. Die
angeordneten Sperrmaßzregeln sind wieder aufgehoben
Gersweiler (Saor), den 4. Juli 1917.
Din Polizei-Verwaltung
Der Bürgermeister:
Muller

382) Befsnmntmachung.
Infolge Ausbruchs der Rotlauf-Seuche habe ich
über das Gehöft des Pensionärs Karl Herrmann zu
Krughütte die Sperre verhängt.
Bersweiler (Saar), den 4. Juli 1917.
Die Polizei⸗Verwaltung
Der Bürgermeister:
Müller.

Saarbrücken ‚den 10. Juli 1917.
Der Königliche Landrat:
v. Halferu.

An die Landwirte in der Nähe von Städten.
Unsere Lage ist sehr ernst! Um unsere Ernährung zu
ichern, muß alles aufgeboten werden. Es fehlt Euch an
Arbeitzkräften. Das Kriegswirtschaftsamt wird Euch die
lGührigen und älteren Schüler der böheren Lehranstalten
Juͤngmannen) zur Erntehilfe senden. Aber das ge—
ügt nicht. Um den Ernte-Ertrag aufs höchste zu stei—
gern, müssen die Felder wiederholt von Unkraut gereinig
ind die Schädlinge der Reben und des Obstes bekämpft
verden, und dazu sind Tausende fleißiger Hände not—
vendig. Hierzu bietet die Schulperwaltung, die
Zzilfe der älteren Schüler und Schülerinnen städtischen
Zoltsschulen an. Der Landwirt hegt Mißtrauen geger
diefe Hilfe: er fürchtet, Stadtkindecs richten mehr Schader
ain, als sie nützen. Dieses Mißtrauen ist ungerechtfertigt
venn die Arbeitshilfe der Stadtkinder nur richtig ins
Wert gefetzt wird, d. h. wenn sie nur zu wenigen einfachert
Arbeiten angelernt und verwendet werden. Ein Versud
hat dies exwiesen. Zu diesem meldeten sich von 66
Schülern einer Volksschulklaffe freiwillig 56. Zunächsi
durde eine Gruppe von 20 Schülern am 24. und 25. Mal
n einem Lebrer mittaas mit der Straßenbahn von

—
            
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