Landwirtschastliches.
Die Beschaffenheit des Futters, das durch Auj⸗
chließing mit Aetzunatron aus Stron Fewonnen wird.
Die Versuche von Franz Lehmann-Göttingen
zaben ergeben, daß der Grad der Aufschließung, d.h.
die Verdaulichkeit des gewonnenen Futters abhängig
ist von der Menge der verwendeten Lauge, der Menge
des veim Kochen zugesetzten Wassers und dem Druck,
der während des Kochens in den Kochgefäßen ge—
halten wurde. Der Einfluß der beiden ersteren Fak—
toren ist aber größer, als der des legzteren. Da Druck—
gefäßße während des Krieges schwer zu beschaffen sind,
rußerdem der Auswand von Brennsioffen für die Er—
zeugung des Druckes ein höherer ist, als wenn ohne
Druck gearbeitet wird, so müssen im allgemeinen Koch—
gefäße ohne Druck verwendet werden. Die Verwen—
dung von Druckgefäßen bietet allerdings den Vor—
teil, daß bei richtiger Leitung der Kochung säuer—
lich schmegendes Futter gewonnen wird, das von
den Tieren williger aufgenommen wird, als das in
Befäßen ohne Druck gewonnene, das eine geringe
alkalische Reaktion zeigt. Dieser Nachteil ist aber nicht
oon großer Bedeutung, da er sich durch Herstellung
zecigneter Futtermischungen und andere Maßregeln be—
ieitigen läßt.
Die Ergebnisse der umfangreichen und mühsamen,
»on Lehmann mit Druckgejsäßen ausgeführten Ver—
uche lassen sich wie solgt zusammenfassen:
Verdau- Vergleichswert des
Ausbeute lichteit Futters
ü 20 Artznatron 90 0 60 00 mittl. Wiesenheu;
— — 80 00 66 0 bestes Heu, ge—
ringe Kleie;
10 00 Aetznatron 70 ⸗0 73 Kraftfutter im
Wert best. Kleie.
Beim 6—A8stündigen Kochen ohne Druck und
unter Verwendung von 1000 Lauge wurde
ebenfalls eine Verdaulichkeit der organi—
schen Substanz von 74,19 00 erzielt. Bei Ver—
wendung von 20 60 Lauge stieg der Verdauungs—
roeffizient der organischen Substanz sogar bis auf
31,88 60. Bei allen Kochungen war das 2⸗ bis Ifache
Bewicht des Strohes an Wasser erforderlich. Die Aus—
beute, d. h. die Menge Futter, die man aus der
Gewichtseinheit Stroh gewinnt, wird natürlich um so
geringer, je mehr Lauge man verwendet, je voll—
kommener der Grad der Aufschließung ist. Bei der
Verwendung verschiedener Stroharten machten sich
nicht unerhebliche Unterschiede geltend, die im wesent—
lichen davon abhängig zu sein schienen, unter welchen
Boden- und Witterungsverhältnissen das bezügliche
Stroh gewachsen ist. Ein grundsätzlicher Unterschied
zwischen ˖ Sommer- und Winterstroh besteht aber nicht,
das letztere ist mindestens ebenso brauchbar wie das
erstere. Da aber das Sommerstroh in unveränderter
Form einen höheren Futterwert hat als das Winter—
stroh, empfiehlt es sich, zur Aufschließung in erster
Linie das letztere zu verwenden.
Im Jahre 1904 hat bereits der Amtsrat Köster
in Coldingen bei Hannover längere Zeit aufgeschlos⸗
senes Stroh nach dem Lehmannschen Verfahren an
die Viehbestände seiner Wirtschaft versüttert. Die Er—
zebnisse sind in der Hannoverschen Land- und Forst—
wirtschaftlichen Zeitung von 1904 Nr. 38 und in der
Deutschen Landwirtschaftlichen Presse, Paul Parey,
Berlin, von 1904 Nr. 24 veröffentlicht. Auch in der
Zuckerfabrik Steinitz in Mähren hat von Seid! län—
gere Zeit hindurch aufgeschlossenes Stroh mit gutem
Erfolg zur Ochsenmast verwendet, ein ausführlicher
Bericht findet sich in der Chemiker-Zeitung Cöthen
19097 Nr. 40 S. 317.
In der neuesten Zeit hat der Ritt—
meister Colsman, einer Anregung desLand—
wirtschaftsministeriums folgend, auf sei—
nen Gütern in Lindenberg und Tauche in
größerem Umfange und lange Zeit hin—
durch aufgeschlossenes Stroh gefüttert.
Er hat dabei als erster im landwirtschaftlichen Groß—
hetrieb Stroh in Apparaten ohne Druck aufge—
chlossen, an die Viehbestände verfüttert und für die—
en Zweck neue, zur Herstellung des Futters geeignete.
)»en Verhältnissen der Landwirtschaftsbetriebe mög—
ichst angepaßte Koch- und Waschapparate konstruniert.
Er berechnet, daß bei seinem 84 Pferde, 40 Kühe,
26 Zugochsen, einige Schweine und Schafe umfassen—
en Viehbestand täglich Kraftfutter im Werte von rund
200 Mk. durch die Verwendung von aufgeschlossenem
Stroh ersetzt wurde.
Wie bereits in dem Rundschreiben vom
16. Oftober 1916 ausgeführt, versendet der
Kriegsausschuß für Ersatzsutter, Ber—
lbin W. 10 Matthäikirchstraße 10, auf Er—
duchen ausführliche Beschreibungen des
Strohaufschließungsverfahrens nach den
Lehmannschen und Colsmanschen Vorschlä—
gen. Desgleichen die Beschreibung einer
an die Einrichtung der Papier-Industrie
sich anschließenden Anlage zur Strohauf—
schließung. Die bezüglichen Drucksachen enthalten
auch Zeichnungen der ganzen Anlagen, Angaben über
die Kosten und die Lieferanten der verschiedenen Appa—
rate uswp. Der Kriegsausschuß bewirtschaftet guch die
zur Aufschließung erforderlichen Laugen, so daß
vandwirte, die die Strohaufschließung
einzuführen beabsichtigen, alle näheren
Auskünfte von diesem Ausschuß erhalten.
Der BedarfanLaugemuß dem Kriegsaus—
schuß rechtzeitig angemeldet werden.
.Saarbrücken; den 7. November 1916.
Der Königliche Landrat.
v. Halfern
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E. V.
A us k unft in alien Fenerbestattungsangelegen-
erteilt das Vorstandsmitglied
Herr A.
Rummel, Saarbrũcken 8,
õnigin-Luisenstr. 12, II.
Bestattungen besorgt,
auch wahrend der Rricoszeit.
die Sehreinerei H.
Kõnl, Hinterg. 15. Diese
unterhalt Lager in vorschriftismüssig.
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Besuchen
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