Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

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In zahlreichen Wirtschaften einer Güterdirektion
wurden an 80 Pfund schwere Läufer neben dem Rüben—
bzw. Kartoffelfutter /3 Pfund Luzerneblätter und 1
Pfund Gerstenschrot, an Läufer bis 120 Pfund Ge—
wicht 18/, Pfund Gerste und 18/, Pfund Luzerne—
blätter, an Mastschweine bis 200 Pfund Gewicht ein
Psund Luzerneblätter, 2 Pfund Gerste, 'Pfund Fisch—
mehl mit gutem Erfolg verabreicht. Hierbei wird
besonders bemerkt, daß es zweckmäßig ist, die Tiere
von Jugend auf an die Aufnahme von Luzerneblät—
tern zu gewöhnen. Die letzteren werden daher zweck—
mäßig schon den Ferkeln trocken, mit etwas Gersten—
mehl und Fischmehl gemischt, vorgelegt.
Richtlinien fjür die Schweinemästung.
Von Tierzuchtinspektor M. Werner.
Die vielen Anfragen, welche ich auf meinen Ar—
tikel „Der Laie als Schweinemäster“ bekommen habe,
veranlassen mich einmal zu versuchen, in kurz ge—
drängter Form gewisse Richtlinien für die Schweine—
fütterung und Mästung aufzustellen.
Das Schwein ist ein Allesfresser und nimmt bei
zuter Pslege schneller zu als alle anderen Haustiere.
es bedarf aber dadurch auch verhältnismäßig grö—
ßzerer Futtermassen. Wer sich ein Schwein aufstallen
vill, muß vor allen Dingen wissen, ob ihm die nötigen
Futtermittel zur Verfügung stehen. Das Haupt—
aahrungsmittel für die Schweine ist in normalen Zei—
ten die Kartofsel, welche ja vorläufig noch an Schweine
und Hühner verfüttert werden darf. Die Kartoffeln
lassen sich aber vollwertig durch Futterrüben ersetzen.
venn diese in genügender Menge zu haben sind.
startoffeln sowohl wie Futterrüben sind aber ver—
zältnismäßig eiweißarme Futtermittel, welche in der
Hauptsache nur kohlehydrathaltige Nährstoffe enthal—
ten, daher muß eine genügende Menge eiweißhaltiger
Futtermittel beigefügt werden. Als solche stehen zur
Zeit zur Verfügung Gerstenschrot, Nährhefe, Eiweiß—
Pparfutter, Fisch- und Blutmehl, allerdings auch nur
in beschränkten Mengen. Zu den eiweißreichen Futter—
nitteln gehören ferner die Kastanien und besonders
die Eicheln, auch Klee-, Luzerne-, Seradella-, Erbsen—
heu und Brennesselblätter lassen sich erfolgreich als Ei—
veißfutter benutzen, wenn sie vorher gehäckselt und
dann evtl. gedämpft werden. Das Häckseln kann in
leinen Haushaltungen mit dem Hacktmesser oder
geeigneten Brotmaschinen geschehen. Kartofseln sollen
im allgemeinen nicht mit anderen Futtermitteln zu—
sammen gedämpft werden, da das Fruchtwasser schäd—
liche Stoffe enthält. Alle Futtermittel, wie Kar—
offeln, Futterrüben, Eicheln und Kastanien dürfen
aur gedämpft und zerkleinert gereicht werden, da
sonst leicht schwere Schädigungen eintreten.
Tas Mengeverhältnis der eiweißarmen (Kartoffeln,
Futterrüben) zu den eiweißreichen Futtermitteln muß
ungefähr 6:1 betragen, jedoch kann diese Zahl nur
einen ganz unsicheren Anhaltspunkt bieten, da der
Eiweißgehalt der eiweißreicheren Futtermittel zu unter—
ichiedlich ist. Bei brei-,nicht suppenartig ge—
reichtem Futter stellen sich die täglichen Bedarfs—
mengen bei Mastschweinen ungefähr solgendermaßen:
Alter Durchschn.-⸗Gewicht Tägl. Futterm.
Monaten in Kilogr. in Kilogr.
223 20 2,5— 3,0
325 50 5,.9- 5,5
5*26 65 6,0- 6,5
5—9 90 7,5— 8,0
9-412 130 9. 5-2 10.0
Diese Zahlen, welche auch nur wieder dürftige
Anhaltspunkte darstellen, zeigen, daß ein Tier verhält—
nismäßig um so mehr Futter gebraucht, je jünger
es ist. Das Futter muß morgens, mittags
und abends regelmäßig zu einer bestimm—

ten Stunde sauber zubereitet in sauberen
Befäßen gereicht werden, wobei niemals mehr vor—
gelegt werden darf, als die Tiere wirklich auffressen.
Nicht gefressene Reste müssen sosort aus dem Zutter—
zgeschirr entfernt werden, sie können, wenn sie ein—
vandfrei geblieben sind, zur nächsten Futterzeit wie—
der vorgelegt werden. Dem Futter, besonders dem der
üngeren Tiere, sind kleine Mengen, 2210 Gramm,
Futterkalk, im Notfalle auch einsache Schlemmkreide,
zeizumischen, damit die Tiere den zum Knochenaufbau
notwendigen Kalk erhalten. Kochsalz darf zweckmäßig
gar nicht oder doch nur in äußerst geringen Mengen
gereicht werden; Mengen, die der Mensch ohne wei—
eres vertragen würde, sind für das Schwein schon
gesundheitsschäödlich. Wenn die Freßlust nachläßt, ver—
indert man am besten die Futterzusammenstellung
derart, daßz man etwas mehr eiweißhaltiges Futter
reicht.
Je reichhaltiger eine Futterzuscinmenstellung ist,
uim so größer wird die Freßlust der Tiere sein. Man
zieht daher auch zweckmäßig alle Küchenabfälle zu
Futterzwecken heran, wobei das Geschirr mit ganz
venig warmem Wasser abgespült werden muß, das
nan von Topf zu Topf und von Teller zu Teller
gießt. Dieses Spülicht wird dann manche wertvollen
Zestandteile enthalten, so daß es als nicht zu ver—
ichtende Beigabe zum Futter zu betrachten ist. Alle
züchenabfälle, wie Kartoffelschalen, Obst- und Gemüse—
Reste, Fischköpfe usw. müssen mitgedämpft und gründ—
ich zerkleinert werden. Zum Schluß noch einige
Futterzusammenstellungen, wie sie sich mit den heute
zur Verfügung stehenden Mitteln erreichen lassen.
1. Für ein Schwein von ungefähr 20 Ka. Lebend
gewicht für den Tag:
Futterrüben oder Kartoffeln, Schalen, Gramm
Obst- und Gemüseabfälle 2290 2490
Nährhefe 69·⸗ ogh
Gerstenschrot 100 — 200
— 200 300
Futterkalk oder Schlemmkreide 32
.Fur ein Schwein von 63 Kg. Lebendgewicht für
den Tag:
Futterrüben, Kartoffeln, Schalen, Obsi⸗ Gramm
und Gemüseabfälle usw. 4560 - 5000
Beschrotene oder gedämpfte Eicheln 500 - 700
Blut oder Fischmehl 59 709
Klee und Seradellaheuhäcksel 760 1000
Brennesselblätter 100- 200
Futterkalk 5— 6
3. Für ein Schwein von 100 Kg. Lebendgewicht,
also am Ende der Mastzeit) für den Tag:
Gramm
Futterrüben, Kartoffeln, Küchenabf. usw. 6200 -6700
Nährhefe 100 - 150
— —— 250— 300
Eiweißsparfutter 200 — 309
Brennesselblätter, Erbsen-, Luzernen-,
Kleeheuhäcksel usw. 1000 1500
Schlemmkreide 527
Wegen Bezuges der eiweißhaltigen Futtermittel
vende man sich an seinen Kommunalverband. Die
empfohlenen Heusorten erhält man bei den Land—
virten oder den Futtermittelhändlern. ebenso die
Futterrüben.
Zum Schluß möchte ich nur bemerken, daß meine
Ausführungen nur dem Laien wenigstens die gröbsten
Richtlinien geben sollen, damit er imstande ist, we—
nigstens einigermaßen vernunftgemäß zu füttern und
dadurch vor schweren Fehlschlägen bewahrt bleibt.
Saarbrücken, den 27. Oktober 1916.
Der Königliche Landrat.
von Halfern.
            
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